Bezahlt hat man auf Whatsapp, Instagram oder Facebook schon immer: mit seinen eigenen Daten für Werbe-Targeting, durch Konsumieren von kommerziellem Kram, den Firmen oder Influencer posten, und nicht zuletzt mit seiner Lebenszeit, von der Meta über seine Dienste möglichst viel absaugen will.
Mit Erfolg. Am Messenger Whatsapp etwa führt im deutschsprachigen Raum kaum ein Weg vorbei, ob in der Schule, im Job, mit der Familie und Freunden. Ungefähr 60 Millionen Nutzer gibt es allein in Deutschland. Verweigerer gelten tendenziell als technikparanoide SMS-Nostalgiker, die sich anhören müssen: Es ist kostenlos, es ist praktisch, es sind alle da, und das mit dem miesen Schutz der auf US-Servern gespeicherten Daten und der Bromance zwischen Zuckerberg und Trump – ach, wir werden sowieso alle überwacht, und die Welt ist schlecht; hier geht es nur um eine Dienstleistung. Auf Alternativen wie Signal (ebenfalls aus den USA und kostenlos, aber von einer gemeinnützigen Stiftung, zuletzt leider gehackt) oder Threema (Server in der Schweiz, Download kostet einmalig knapp fünf Euro) kann man sich ziemlich einsam fühlen.
Erst mal nur für Zusatzfunktionen
Darauf, dass das auch künftig so bleibt und Menschen ihre Gewohnheiten nicht gerne ändern, setzt Meta jetzt mit der Ankündigung von „Plus“-Bezahlmodellen für Whatsapp, Instagram und Facebook. Zusagen, dass und welche Basisfunktionen kostenfrei bleiben, gibt es nicht. Monatlich um die 2,50 Euro soll auf Whatsapp etwa Personalisierung mit mehr angepinnten Chats, eigenen Klingeltönen und Stickern mit Spezialeffekten kosten. Auf Instagram soll man sich für rund 3,50 Euro im Monat mehr Sichtbarkeit für die eigenen Beiträge und Anonymität beim Scrollen durch Postings anderer erkaufen; bei Facebook zum selben Preis die verlängerte Anzeigedauer von Storys. Dazu will Meta uns Abomodelle zu Preisen zwischen etwa acht und 20 Euro oder mehr für seine KI-Dienste schmackhaft machen, die vor allem auf Videogenerierung abzielen.
Nun ist die Idee nicht neu. Seit ein paar Jahren kann man sich auf Facebook und Instagram von Reklame freikaufen, ebenso bei Googles Videoplattform Youtube, auf der man ansonsten inzwischen gnadenlos mit KI-Video-Werbung zugeballert wird. Whatsapp hat schon einmal etwas gekostet, 89 Cent im Jahr bis Januar 2016, dann schob die EU-Kommission dem einen Riegel vor wegen intransparenter Datennutzung und irreführender Versprechen bei der Übernahme durch Facebook. Nun wird wieder an der Monetarisierung gearbeitet: Seit Mitte vorigen Jahres testet Whatsapp in verschiedenen Märkten Werbung in der App und eine werbefreie „Freemium“-Version, Kostenpunkt vier Euro im Monat. Die Social-Media-Konkurrenz X von Elon Musk lässt schon länger für bestimmte Funktionen zahlen, wie Meta es nun außerdem vorhat.
Klickt man sich durch Foren und Kommentarspalten im Internet, sieht man: Die Neuerungen kommen nicht gut an. Mit der kritiklosen Massennutzung von Social Media ist es vorbei, wie die jüngsten Prozesse gegen Meta und Google zeigen. Bevor die US-Techkonzerne ihre weltmarktbeherrschende Stellung mit KI weiter ausbauen, wäre jetzt die Zeit für mehr Unabhängigkeit, mehr Vielfalt, mehr demokratische Kontrolle. So gesehen können Whatsapp, Instagram oder Facebook gar nicht nutzerunfreundlich genug ohne Zahlung werden oder teuer genug im Abo.

vor 1 Tag
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