Es ist jetzt nicht gerade so, dass Disney in den ersten Folgen der neuen Romcom „Not Suitable for Work“ ein Feuerwerk aus Gags zündete. Das Setting wirkt noch auf maximale Weise austauschbar und belanglos. Aber solche Serien brauchen gerne mal Zeit, auch, um gefunden und geschätzt zu werden, und diese hier stammt von der erfahrenen Mindy Kaling, die ein Händchen für vielschichtige Charaktere besitzt. Man kann ihr vertrauen.
Einst zählte Kaling zum Autorenteam der bahnbrechenden Sitcom „The Office“ und hat dort auch Kelly vom Kundenservice gespielt, später erfand sie „The Mindy Project“ um die liebenswürdige Frauenärztin Mindy Lahiri oder die Teenie-Romcom „Noch nie in meinem Leben“ oder unlängst „Running Point“ um ein familiengeführtes Basketballteam. Auch „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ hat Kaling mit großer Leidenschaft für leicht verdauliche Komödienstoffe ein überraschend nettes Remake verpasst.
Liebeleien am Arbeitsplatz soll es nicht geben
Der Titel ihrer neuen Serie „Not Suitable for Work“ spielt auf die Eigenschaften an, die Gen-Z-Vertretern in der Wirtschaftswelt nachgesagt werden, vor allem aber auf Liebeleien am Arbeitsplatz. Sie soll es nicht geben, erläutern strenge Personaler dem jungen Finanzanalysten Davis (Will Angus), und auch Abby (Avantika Vandanapu), die als Assistentin einer renommierten Stylistin ihr Geld verdient, werden zu Beginn ihrer Tätigkeit im Rahmen des „Sexual Harassment Trainings“ entsprechende Regeln verkündet. Aber im Klartext heißt das: Beide Berufseinsteiger werden sich im Rahmen ihrer Arbeit verlieben, wobei sich Davis nach einer Kollegin und Abby nach einem prominenten Kunden ihrer Modeberatung verzehrt.
Davis und Abby sind außerdem Nachbarn. In diesem Umfeld lernen wir die weiteren Helden der Serie kennen. Im Appartement links des Flurs wohnen die Dampfplauderer Josh (Jack Martin), Davis und Kel (Nicholas Duvernay), eine eingeschworene Kumpelgemeinschaft, rechts teilen sich Abby und A. J. (Ella Hunt) die teure Miete. Und auch sie reden sehr schnell und viel, wenn sie nicht gerade durch ein Missgeschick die Feuerwehr auf den Plan rufen.
Schwung kommt in die Handlung, weil es zwischen gleich drei Männern und A. J. funkt. Der angehende Großjournalist Josh erkennt sie nicht wieder, als sie nebenan einzieht, aber er stürzte mit A. J. mal im Studium ab. Für den tapsigen Davis ist A. J. die vom Schicksal in die Nähe gewehte neue Kollegin. Der Dritte ist der gut gebaute Bill (Jay Ellis), der nicht im Appartementhaus lebt und „in einem anderen Jahrhundert geboren“ wurde. Er wird von A. J. an einem Kaffeestand derbe beschimpft und stellt sich kurz danach als der Teamleiter von Davis und A. J. heraus – wie peinlich. Und zukunftsweisend.

Bleiben noch Abby und Kel. Ist auch dort ein Knistern zu spüren? Das eher nicht, aber wer weiß? Zunächst jedenfalls verguckt sich Abby in den schönen Promikünstler Austin (Harry Richardson) und der sich auch in sie, während Kel noch mit der Selbstfindung beschäftigt ist. Er will viel lieber Schauspieler als Medizinstudent sein und wagt es schließlich, finanziert durch einen Aushilfsjob als Lehrer an einer Privatschule für furchtbar belesene Mädchen.
Die Dialoge, die Mindy Kaling und Charlie Grandy für diese Truppe geschrieben haben, besitzen nichts von der Schärfe, die man in vergleichbaren Komödien findet. Aber es soll auch eine Wohlfühlserie sein und keine überdrehte Sitcom. Und die Reihe der Figuren, die eingeführt werden will, ist denkbar lang. Alleine im Hochhausbüro von Davis und A. J. und in der Redaktion der politischen Talkshow, in der Josh eine unentbehrliche Nummer zu werden hofft, wären hier noch mindestens sechs weitere Gesichter zu nennen – das bekannteste von ihnen gehört Greg Germann aus „Ally McBeal“, der den einflussreichen Vater von Josh verkörpert.
Man wird sehen, ob diese Geschichten, die zum Auftakt ein turbulenter Weinabend verbindet, den Nerv der rätselhaften jungen Zielgruppe treffen. Vielversprechend ist, dass wirklich jeder im Cast eine große Ausstrahlung mitbringt. Und New York: Auch das geht ja immer, obwohl einem allmählich mit den strengeren Einreisebestimmungen und politischen Entwicklungen des Landes die Lust auf einen Abstecher nach Manhattan vergeht.
Not Suitable for Work läuft auf Disney+.

vor 2 Stunden
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