US-Studie: Homeoffice könnte Arbeitslosigkeit bei Absolventen befeuern

vor 18 Stunden 1

Homeoffice könnte laut einer Analyse der US-Notenbank des Bezirks New York ein Faktor für das Verschwinden von Einstiegsjobs sein. In der aktuellen Debatte um die zunehmend schwierigere Joblage für Einsteiger und Absolventen werden meist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und die allgemeine schwierige Wirtschaftslage mit multiplen globalen Krisen als Gründe genannt. Die drei Autorinnen der Studie gehen aber davon aus, dass sich rund 64 Prozent der angestiegenen Arbeitslosigkeit der vergangenen Jahre unter US-Hochschulabsolventen auf eine Zunahme der Telearbeit zurückführen lassen.

Die Zeitpunkte des Anstiegs deuteten darauf, dass Künstliche Intelligenz eben noch nicht für den Großteil davon ausschlaggebend sei. Die US-Jugendarbeitslosigkeit sei schon vor der raschen Verbreitung der KI gestiegen und folge eher der Pandemie-bedingten Vervierfachung des Homeoffice in den USA. So sei die durchschnittliche Arbeitslosenquote der unter 29-jährigen Hochschulabsolventen von durchschnittlich 3,1 Prozent zwischen 2017 und 2019 im Zeitraum von 2022 bis 2025 um rund 20 Prozent geklettert – auf einen Durchschnitt von 3,7 Prozent. Bei älteren Personen dieses Bildungsniveaus habe sich die Quote im gleichen Zeitraum hingegen um 0,1 Prozentpunkte verringert.

Die vermehrte Arbeitslosigkeit bei den jungen Absolventen gehe zudem allein auf Homeoffice-fähige Jobs zurück, wie etwa Software-Entwicklung. Anders die Arbeitslosenquote junger Absolventen in Berufen, die sich nicht für Remote-Arbeit eignen: Die sei zwar noch im Jahr 2020 leicht angestiegen, bald darauf hingegen auf das Ausgangsniveau zurückgekehrt. Und auch bei den älteren Arbeitnehmern in remote-fähigen Sektoren sei die Arbeitslosigkeit geringfügig gesunken.

Die drei Forscherinnen argumentieren, dass Homeoffice die Einstellungsmuster der Firmen auf erfahrene Kräfte verschiebt. Die für Einsteiger wichtige Betreuung und das Feedback seien unter den Bedingungen eines Remote-Teams schwieriger herzustellen als in physischer Nähe. Erfahrene Leute bräuchten hingegen weniger Onboarding und könnten schneller auf sich gestellt in der Homeoffice-Situation produktiv sein.

Die Analyse der Einstellungsmuster eines Fortune-500-Unternehmens habe etwa gezeigt, dass das Unternehmen in der Pandemie bei geschlossenen Büros vor allem erfahrene Kräfte angestellt habe. Danach habe man in den Teams mit Präsenzarbeit auch wieder auf Nachwuchs gesetzt. In den weiterhin verteilt arbeitenden Teams sei das Unternehmen hingegen dabei geblieben, durchweg nur erfahrene Leute einzustellen.

Die Forscherinnen betonen aber, dass generative KI und andere Faktoren künftig auch eine erhebliche Rolle bei der Beschäftigungssituation jüngerer Arbeitnehmer spielen könnten. Hier deuten andere Studien leider darauf hin, dass auch KI die Jobeinsteiger eher zu Verlierern macht. Laut einer Stanford-Studie vom vergangenen Sommer etwa gebe es in Bereichen mit hohem KI-Einsatz deutlich weniger Stellen für junge Arbeitnehmer. Die Zahl älterer Arbeitnehmer habe hingegen auch in diesen Bereichen zugenommen. Auch hier spielen den Älteren wohl die lange Berufserfahrung und Routine in die Karten, die durch KI nicht oder zumindest noch nicht ersetzt werden können.

(axk)

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