Computex: Nvidia RTX Spark: Was von der Notebook-CPU und ihrem Ableger N1 zu erwarten ist

vor 2 Stunden 1

Nvidia-Chef Jensen Huang nutzte seine Keynote-Ansprache zu Beginn der Computermesse Computex in Taiwan unter anderem dafür, den lange erwarteten beziehungsweise verspäteten Notebookprozessor N1X endlich vorzustellen. Viel mehr als den offiziellen Markennamen RTX Spark verriet er aber nicht – Modellvarianten mit zugehörigen Modellnummern sind wie offizielle Angaben zur Abwärme oder andere Eckdaten weiterhin Fehlanzeige.

Die Geheimniskrämerei werten wir als Warnsignal, dass RTX-Spark-Geräte vielleicht doch etwas später erscheinen könnten, als Nvidia verspricht: Huang sprach auf der Bühne von Herbst, unter der Hand nannten uns Notebookhersteller konkreter September oder Oktober als aktuellen Zieltermin. Sämtliche öffentlich auf der Computex ausgestellten Notebooks waren funktionslose Mockups; einzig Nvidia selbst hatte lauffähige Systeme in seinen Räumen. Dort wiederum konnte man zwar laufende Demos begutachten, durfte die Geräte aber nicht selbst bedienen.

In der ersten Welle von Notebooks mit Nvidias RTX Spark werden sechs Herstellern vertreten sein, teilweise mit mehr als einem Gerät.

(Bild: Florian Müssig / heise medien)

Das Fehlen konkreter technischer Spezifikationen ist auch deshalb verwunderlich, weil Gerüchteköche diese bereits kurz vor der Keynote herumreichten. Und zwar nicht nur für Varianten des N1X, sondern auch vom schwächeren Massenmarktableger N1. Unsere Nachforschungen in Taipei bestätigten diese Gerüchte – und wir entdeckten sogar einen laufenden N1 unter anderem Namen auf dem Messestand eines engen Nvidia-Partners.

Es ist kein Geheimnis, dass der N1X für Windows-Geräte technisch eng verwandt ist mit dem GB10 der Mini-Workstation DGX Spark, die unter Linux läuft: Das sagte Jensen Huang in einer Pressefragerunde selbst. Ihm gefällt der Codename N1X nach eigener Aussage auch weiterhin so gut, dass er ihn gerne weiterbenutzt, obwohl die offizielle Sprachregelung nun eben RTX Spark lautet.

Wie schon beim AMD-Mobilprozessor Ryzen AI 300 Max alias Strix Halo zeigt sich aber, dass Chips in Mini-PCs mehr Energie verheizen dürfen als in Notebooks. Strix Halo läuft in stationären kleinen Workstations mit bis zu 140 Watt, in den damit bestückten Mobilgeräte hingegen eher mit 45 bis 65 Watt. In der Gerüchteküche kursiert für N1X eine zulässige Abwärme von 45 bis 80 Watt, also in derselben Größenordnung.

Unsere Recherchen auf der Computex stützen das: Zwar wurden keine direkten Fragen zur TDP von N1X beantwortet. Doch die Tatsache, dass viele Notebookhersteller ihren N1X-Notebooks 140-Watt-Netzteile beilegen werden, spricht Bände: Das lässt Luft, um entweder den Akku zu laden oder unter Volldampf noch Reserven für RAM, SDD und Bildschirm zu haben.

Microsoft wurde im Gespräch mit c’t sogar noch präziser: Das Kühlsystem im Surface Laptop Ultra ist auf 110 Watt ausgelegt. Reserven sind üblich, um Fertigungstoleranzen auszugleichen und auch an heißen Tagen noch zuverlässig kühlen zu können – oder schlicht die Lüfter langsamer und somit leiser drehen zu lassen.

So sieht Microsofts Surface Laptop Ultra mit RTX Spark im Schichtmodell aus.

(Bild: Florian Müssig / heise medien)

Mit dieser Bestätigung halten wir wiederum die geleakten Specs für glaubwürdig, wonach es N1X notebooktypisch in mehreren Varianten geben wird. Der Vollausbau hat zehn ARM Cortex-X925, zehn Cortex-A725 und 48 GPU-Kerne. Es soll auch eine Variante kommen, die nur je neun CPU-Kerne (also insgesamt 18 statt 20) sowie eine auf 40 GPU-Kerne abgespeckte Blackwell-GPU hat. Über ihr 256-Bit-Speicherinterface adressieren beide zwischen 16 und 128 GByte Arbeitsspeicher.

Noch geheimnisvoller sind kleinere Modelle, deren Entwicklung unter dem Codenamen N1 (ohne X) laufen. Dass dieser Codename existiert und mit RTX Spark zusammenhängt, hat Jensen Huang in der Pressefragerunde selbst als Ausblick erwähnte. Er vertröstete dabei allerdings unbestimmt in die Zukunft – also einen Zeitrahmen nach Herbst 2026, in dem N1X-Notebooks starten sollen.

N1 ist nach unseren Informationen eine abgespeckte Variante der Bausteine, die in N1X stecken. Um wieder wie oben AMD zum Vergleich heranzuziehen: Strix Halo (Ryzen AI 300 Max) ist das dicke Gegenstück zu N1X und Strix Point (Ryzen AI 300) die „normale“ Variante, wie N1. Hier wie dort bedeutet dies, dass es ein Speicherinterface mit der üblichen Breite von 128 Bit (für 8 bis 64 GByte RAM) gibt, aber auch kleinere CPU- und GPU-Konfigurationen.

Der Aufsteller zu MediaTeks Standdemo des Automotive-Chips Dimensity AX C-X1 enthält etliche Hinweise, die auf die schwächere RTX-Spark-Variante N1 schließen lassen.

(Bild: Florian Müssig / heise medien)

Konkret spricht die Gerüchteküche bei N1 von einer Kombination aus acht Cortex-X925, vier Cortex-A725 und 20 GPU-Kernen. Der GPU-Ausbau klingt dahin stimmig, da es mit GB207 (GeForce RTX 5050) bereits ein Stand-Alone-Gegenstück gibt – und mit GB205 alias GeForce RTX 5070 übrigens auch eines für N1X.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf schlenderten wir über das Messegelände und wurden bei MediaTek stutzig: Nvidias Entwicklungspartner, der für GB10 wie auch N1(X) die CPU-Chiplets zuliefert, zeigte dort seinen Automotive-Chip Dimensity AX C-X1, in dem bekanntermaßen GPU-Technik von Nvidia steckt. Interessanterweise sprachen die Aufsteller am Messestand davon, dass der Chip insgesamt zwölf ARM-Kerne besitzt – Zufall?

Wir sagen: „Nein.“ Der Aufsteller nannte zwar keine Details zur Anzahl der GPU-Kerne, wohl aber eine Rohrechenleistung der Blackwell-Grafikeinheit von gut 10 TFlops im Datenformat FP32. Zusammen mit der Abwärme von 90 Watt, die ein MediaTek-Ingenieur am offen zu bestaunenden C-X1-Entwicklerkit verriet, wird per Dreisatz ein Schuh daraus: Da die 48 GPU-Kerne von GB10/N1X bei 140 Watt rund 31 TFlops im Datenformat FP32 liefern, landet man auch ohne konkrete Taktraten bei ziemlich genau 20 GPU-Kernen, die C-X1 haben muss. Daher sind wir uns sicher: C-X1 ist derselbe Chip, den Nvidia später als N1 für RTX-Spark-Notebooks verkaufen will.

Unter dem Kühlkörper dieses Entwicklersystems arbeitet MediaTeks Dimensity AX C-X1, der später dann als N1 auch in Notebooks zum Einsatz kommen wird.

(Bild: Florian Müssig / heise medien)

Gesamten Artikel lesen