Sommerauktion in Wien: Vom Biedermeier bis zum Sektenguru

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Zum 150. Todestag von Ferdinand Georg Waldmüller ehrt das Wiener Museum Belvedere den Biedermeierkünstler mit einer Schau seiner Landschaften. Auch auf dem österreichischen Kunstmarkt erfreuen sich Waldmüllers Gemälde ungebrochener Nachfrage. Im Dorotheum erzielte jüngst das Kinderbild „Hansl’s erste Ausfahrt“ einen Zuschlag von 400.000 Euro. Zudem hält das Auktionshaus weiterhin den Rekord für ein Werk des Künstlers: 2005 erwarb das Liechtenstein Museum „Die unterbrochene Wallfahrt“ für netto 1,1 Millionen Euro.

Im Rahmen der Sommerauktion des Kinsky, bei der vom 15. bis zum 18. Juni sechs Sparten und zwei Sammlungen unter den Hammer kommen, gelangt nun Waldmüllers Ölbild „Die Verlobung“ erstmals auf den Markt, mit einem Schätzpreis von 350.000 bis 750.000 Euro versehen. Seinen Genrebildern, die stets kleine Geschichten erzählen, hauchte Waldmüller durch raffinierte Lichtführung und sinnliche Texturen Leben ein. So auch in dem Spätwerk von 1857, das ein sich küssendes Paar bei der Verlobung inmitten der freudigen Familie zeigt. Der zwischen Realismus und Hang zum Idyll oszillierende Maler siedelt die Szene im Handwerkermilieu an. Eine religiöse Konnotation erhält sie durch die segnende Hand des Vaters, dessen Blick Richtung Himmel geht.

Talentlos? Wohl eher nicht

Die Dame im zweiten zur Auktion kommenden, eher untypischen Waldmüller-Gemälde „Die Briefleserin“ von 1860 hat der Maler in ein elegantes Ambiente versetzt. Mit welcher Präzision der selbst kleinste Details erfasst, zeigt sich etwa daran, wie die Schrift durch das feine Papier schimmert und den Eindruck erweckt, der Betrachter könnte die Zeilen selbst entziffern (Taxe 35.000 bis 70.000 Euro). Seinem Akademiestudenten Anton Romako soll Waldmüller einst jegliches Talent abgesprochen haben. Dass der Professor irrte, beweist „Die Lieblingshenne“, ein berührendes Mädchenbild mit Vogel (30.000/60.000).

 Alfons Walde, „„Wilder Kaiser, Büchlach“, um 1930Taxe 250.000 bis 500.000 Euro: Alfons Walde, „„Wilder Kaiser, Büchlach“, um 1930Kinsky

Zur Offerte moderner Kunst gehört ein Panorama von Alfons Walde. Das um 1930 auf Karton gemalte Gebirgsbild trägt rückseitig das originale Künstleretikett und kontrastiert eine pastos wiedergegebene Schneedecke mit dem blitzblauem Himmel, der den Tiroler so beliebt machte (250.000/500.000). Zwei frühere Aquarelle Waldes von 1919/20 bieten einen „Hagsteinblick auf den Hahnenkamm“ (18.000/35.000) und eine Ansicht am Kitzbüheler Horn (15.000/30.000).

Die Kollektion eines Museumsleiters

Der 1939 geborene Museumsleiter, Kurator und Sammler Peter Baum hat im Lauf seiner Karriere eine beachtliche Kollektion zeitgenössischer Kunst aus Österreich erworben. Das Kinsky bietet jetzt 250 Werke des ehemaligen Direktors des Linzer Lentos Museums an. Die meisten Lose – darunter viele Papierarbeiten – gehen mit Rufpreisen unter 10.000 Euro an den Start. Die beiden Toplose sind „Schüttbilder“ von Hermann Nitsch. Das erste stammt aus der 37. Malaktion des Künstlers 1995, bei der Blut und rote Farbe auf eine drei Meter breite Leinwand aus Jute gegossen wurden (50.000); das zweite ist ein Hochformat mit der großzügigen Datierung „1962–1973“ auf der Rückseite (35.000).

 Xenia Hausner, „Der geteilte Himmel“, 1999, Taxe 40.000 bis 80.000 EuroMit Zauberhut: Xenia Hausner, „Der geteilte Himmel“, 1999, Taxe 40.000 bis 80.000 EuroKinsky/VG Bid-Kunst, Bonn 2026

Für das Titellos der aktuellen Auktion zeitgenössischer Kunst veranstaltete Gottfried Helnwein eine Art Casting. Vergangenen Sommer fotografierte der Künstler in einer jüdischen Wiener Schule Kinder und schuf nach einer der Aufnahmen ein hyperrealistisches Porträt, das nun zugunsten der Restaurierung und Sanierung des Wiener Stadttempels versteigert wird. Helnwein wurde in den Siebzigerjahren mit unheimlichen Kinderbildern bekannt, die versteckte Gewalt oder Missbrauch andeuten. Sein neues Werk „The Child Dreams“ verzichtet auf ästhetisiertes Leid und stellt ein Mädchen mit geschlossenen Augen dar (Startpreis 50.000).

Kontroversen über Werke eines Vergewaltigers

In der Porträtmalerei liegt die Stärke der Wiener Malerin Xenia Hausner. „Der geteilte Himmel“ heißt ihr Frauenbildnis in kräftigen Acrylfarben von 1999. Das Modell mit der roten Baskenmütze und dem eindringlichen Blick legt nahe, dass es sich ebenfalls um eine Künstlerin handelt (40.000/80.000). Ein Aquarell von Martha Jungwirth aus dem Jahr 2004 geht als höchsttaxiertes Los ins Rennen. Für die 213 mal 108 Zentimeter große Arbeit auf Büttenpapier, über die sich zarte Tropfen und Rinnsale in Rot- und Rosatönen ziehen, werden 70.000 bis 140.000 Euro erwartet. Eine kleinere Papierarbeit der 1940 geborenen Wiener Malerin lässt mit ihren Grüntönen unweigerlich an saftige Pflanzen denken (35.000/70.000).

Von dem Aktionisten, Kommunengründer und verurteilten Vergewaltiger Otto Muehl (1925 bis 2013) stammt ein Acrylbild aus der Van-Gogh-Serie von 1984. Der Künstler nutzte Van Gogh als Projektionsfläche für den Mythos des verkannten Außenseiters. Zuletzt wurde wieder kontrovers diskutiert, ob Muehl im privaten Wiener Aktionismus Museum eine Schau gewidmet werden soll – nicht nur Ex-Kommunarden haben sich dagegen ausgesprochen. Seine krude Maler-Karikatur soll 25.000 bis 50.000 Euro einspielen.

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