heise+ | Kommentar zu Microsofts Quantenchip Majorana 2: Oops, they did it again!

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  1. Kommentar zu Microsofts Quantenchip Majorana 2: Oops, they did it again!
    • Brauchbar und auch nicht, bis jemand hinschaut
    • Gesucht: Topologische Qubits
    • Quantenrauschen made by AI
    • Erforschung wenig erforschter Quantensysteme
    • Farbenfrohe Aussichten

Microsoft hat in der Nacht zum 3. Juni unerwartet erneut einen quantenphysikalischen PR-Stunt hingelegt. Auf seiner Entwicklerkonferenz Microsoft Build hat es seinen neuesten Quantenchip angekündigt: Majorana 2 folgt auf Majorana 1, welcher im Februar vergangenen Jahres das Licht erblickte. Dessen Bekanntgabe zog in der Fachcommunity eine Reihe von Kritik und Zweifeln nach sich, ob das Team tatsächlich die Existenz von topologischen Qubits demonstriert hatte oder nur heiße Luft verkaufte. Diesen Fehler wird das Unternehmen doch bestimmt kein zweites Mal machen.

Ein Kommentar von Sabrina Patsch

Sabrina Patsch ist promovierte Quantenphysikerin, Wissenschafts-Bloggerin und leidenschaftlich Science-Slam-Teilnehmerin. Seit 2024 ist sie Redakteurin bei c’t und schreibt über Wissenschaft.

Beginnen wir mit der relevantesten Neuerung von Majorana 2 im Vergleich zum Vorgänger: der Farbe. Im Gegensatz zu anderen Quantenchips in leicht langweiligem Gold und Silber setzt Microsoft auf Farbenfreude. Doch statt in Rot-Gold wie sein Vorgänger glänzt Majorana 2 in Blau-Gold. Versteckt sich in dieser Farbauswahl etwa eine geheime Botschaft? Ist Majorana 2 ein Ravenclaw? Setzt Microsoft nicht länger auf den Mut eines Gryffindors, seine Ergebnisse ohne jegliche wissenschaftliche Basis herauszuprotzen, sondern will mit diesem Design den Willen zeigen, nun besonnener vorzugehen und Weisheit walten zu lassen?

Seinen ersten Quantenchip Majorana 1 präsentierte Microsoft im Frühjahr 2025. Dieser löste heftige Diskussionen aus, ob die Existenz topologischer Qubits gezeigt wurde oder nicht.

(Bild: John Brecher / Microsoft)

Vermutlich haben Sie die Antwort bereits erraten. Ob Majorana 2 tatsächlich etwas taugt, ist unklar. Er ist wohl, wie es sich für einen Quantenchip gehört, brauchbar und auch nicht, bis jemand genauer hinschaut. Mit dem Genau-Hinschauen-Lassen hat das Team es aber nicht so, denn in bester Microsoft-Manier veröffentlichte es seine neuesten Ergüsse nicht etwa in einem seriösen Fachjournal, sorgfältig geprüft von kompetenten Fachkollegen, sondern pustete das Manuskript einfach so in den Äther. Es sieht zwar aus wie eine wissenschaftliche Veröffentlichung, hat aber in etwa den Qualitätsanspruch eines gut gemeinten Tagebucheintrags, ganz nach dem Motto: Peer-Review ist etwas für die anderen.

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