Gebrauchte E-Autos erreichen Preisniveau von Verbrennern

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Der Gebrauchtwagenmarkt für batterieelektrische Pkw ist in Deutschland innerhalb weniger Jahre von einer Nische zu einem eigenständigen Marktsegment geworden. Eine Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) auf Basis von mehr als 30.000 Online-Inseraten kommt zu dem Ergebnis, dass sich gebrauchte E-Autos preislich weitgehend auf dem Niveau vergleichbarer Verbrenner bewegen. Wie Fraunhofer ISI in seiner Analyse darlegt, ist das wachsende Angebot inzwischen eine valide Alternative, nicht nur für preisbewusste Käufer.

Möglich machen das die hohen Neuzulassungszahlen der Jahre 2020 und 2021, getrieben vorwiegend durch Flotten und Leasing. Nach ihrer für diese Bereiche typischen Nutzung von drei bis vier Jahren erreichen diese Fahrzeuge nun den Gebrauchtwagenmarkt. In der für Käufer besonders relevanten Altersklasse bis fünf Jahre stellen batterieelektrische Pkw bereits rund zehn Prozent des Angebots, ein Anteil deutlich über dem Bestandsanteil im Gesamtfahrzeugmarkt.

Gut ausgestattete Elektrofahrzeuge der Kompakt- und Mittelklasse kosten auf dem Gebrauchtmarkt typischerweise zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Damit liegen sie in einer vergleichbaren Größenordnung wie entsprechende konventionell angetriebene Modelle. Besonders groß ist das Angebot bei Volumenmodellen mit Batteriekapazitäten zwischen 40 und 70 kWh, die als ehemalige Firmen- und Leasingfahrzeuge mit solider Reichweite und Schnellladefähigkeit auf den Markt kommen.

Häufigkeitsverteilung von Angebotspreisen gebrauchter E-Autos auf Online-Plattformen (n > 30.000) in Abhängigkeit von Laufleistung und Akkukapazität. Die Größe der Datenpunkte repräsentiert die Anzahl verfügbarer Fahrzeuge pro Modellvariante.

(Bild: Fraunhofer ISI)

Allerdings zeigt die Marktbeobachtung von Fraunhofer auch markenspezifische Unterschiede: Bei besonders nachgefragten Herstellern weisen Fahrzeuge im Preissegment unter 30.000 Euro häufig Laufleistungen von 80.000 Kilometern und mehr auf. Das deutet auf eine intensive Nutzung während der Ersthaltedauer hin. Käufer sollten das bei einem Gebrauchtkauf im Auge behalten.

Am günstigen Ende finden sich zahlreiche kleinere Elektrofahrzeuge bereits im Bereich von 10.000 bis 15.000 Euro. Kompakte Modelle mit Batterien zwischen 25 und 45 kWh dominieren dieses Preissegment. Für den urbanen Einsatz reichen ihre Reichweiten in vielen Fällen aus, allerdings ist die Modellvielfalt bei sehr günstigen Gebrauchtstromern noch nicht so hoch wie in der Kompaktklasse, besonders junge Kleinwagen mit alltagstauglicher Reichweite sind vergleichsweise selten.

Mittlere Angebotspreise gebrauchter E-Autos der Top-40-Modelle auf Online-Plattformen (n > 30.000) in Abhängigkeit von Laufleistung und Akkukapazität. Die Größe der Datenpunkte repräsentiert die Anzahl verfügbarer Fahrzeuge pro Modellvariante.

(Bild: Fraunhofer ISI)

Premium-Fahrzeuge wie der Mercedes EQS mit großen Batterien von 95 bis 115 kWh werden erwartungsgemäß in deutlich geringeren Stückzahlen angeboten, die Auswahl bleibt hier überschaubar. Ebenfalls selten sind noch Karosserieformen wie elektrische Vans oder Siebensitzer, die im Gebrauchtsegment bislang nur punktuell auftauchen.

  • „Im ersten Jahr behalten Elektrofahrzeuge typischerweise noch 80 bis 95 Prozent ihres ursprünglichen Listenpreises. (...) Nach drei Jahren liegt der durchschnittliche Restwert bei 50 bis 70 Prozent des Neupreises, nach fünf Jahren stabilisiert er sich bei etwa 40 bis 45 Prozent.“
  • „Eine Verdopplung der jährlichen Fahrleistung führt lediglich zu einem Preisrückgang von etwa zwei Prozent. (...) Dies unterstreicht, dass die Kilometerleistung bei Elektrofahrzeugen eine geringere Rolle spielt als bei Verbrennern, vermutlich aufgrund der wartungsärmeren Antriebstechnik.“
  • „Eine um zehn Kilowattstunden größere Batterie erhöht den Verkaufspreis um etwa 14 Prozent – ein beträchtlicher Aufschlag, der die hohe Wertschätzung größerer Reichweiten im Gebrauchtmarkt widerspiegelt.“
  • „Nach fünf Jahren Nutzung verfügen die meisten Fahrzeuge noch über etwa 95 Prozent ihrer ursprünglichen Reichweite. Entgegen früheren Befürchtungen hat selbst häufiges Schnellladen einen geringeren negativen Einfluss als lange vermutet.“

Die Fraunhofer-Forscher sehen in der Marktentwicklung ein positives Signal: Die hohe Verfügbarkeit in mittleren Preissegmenten bedeutet für Verbraucher mehr Auswahl und bessere Vergleichbarkeit. Sie weisen darauf hin, dass sich die Anschaffungskosten gebrauchter E-Autos durch ihre niedrigeren Energie- und Wartungskosten vergleichsweise schnell amortisieren. Berechnungen des ISI zufolge verursacht ein Elektroauto der Mittelklasse über seinen gesamten Lebenszyklus rund 40 bis 50 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als ein vergleichbarer Verbrenner [1]. Fraunhofer ISI weist in seinem Policy-Brief zur Batterie-Thematik zudem darauf hin, dass moderne Traktionsbatterien bei typischer Nutzung deutlich länger halten als das Fahrzeug selbst. Inzwischen bieten die meisten Hersteller auch entsprechend lange Garantien auf ihre Stromspeicher. Durch Second-Life-Nutzung als stationärer Speicher und anschließendes Recycling lasse sich der ökologische Fußabdruck einer Batterie um 35 bis 80 Prozent senken.

Wichtig im Gesamtkontext: Die Neuwagenpreise aller Antriebsarten sind in den vergangenen zehn Jahren erheblich gestiegen – eine Entwicklung, die sich zwangsläufig auf dem Gebrauchtmarkt widerspiegelt. Wer heute einen gebrauchten Stromer erwirbt, zahlt zwar nicht unbedingt weniger als für einen gebrauchten Verbrenner, profitiert aber langfristig von den deutlich niedrigeren Betriebskosten. Die EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 schafft darüber hinaus regulatorische Planungssicherheit für Sammlung und Recycling von Altbatterien, was sich mittelfristig positiv auf die Restwertkalkulation auswirken dürfte.

(fpi)

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