FDP-Politikerin Strack-Zimmermann bei „Lanz“: „Wissen Sie jetzt eigentlich genau, wo der Hammer hängt?“

vor 18 Stunden 2

Eigentlich galt beim FDP-Parteitag am vergangenen Wochenende alles als ausgemacht. FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki konnte fest damit rechnen, ohne Gegenkandidatur zum neuen Parteivorsitzenden gewählt zu werden.

Doch er hatte die Rechnung ohne Marie-Agnes Strack-Zimmermann gemacht. Mit ihrer spontanen Kampfkandidatur überrumpelte die Europaabgeordnete selbst den engsten Führungskreis der Partei. Letztlich obsiegte Kubicki zwar mit knapp 60 Prozent der Stimmen. Doch sonderlich versöhnlich zeigte sich der neue Parteivorsitzende zunächst nicht.

Strack-Zimmermann ist jedoch auch nicht für ihre zimperliche Rhetorik bekannt. Nutzt sie bei „Lanz“ die Gelegenheit, Kubicki eins auszuwischen? Die ZDF-Sendung vom Dienstagabend in der TV-Kritik.

Die Gäste

  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europaabgeordnete
  • Karl Lauterbach, SPD-Politiker und ehemaliger Bundesgesundheitsminister
  • Robin Alexander, Journalist
  • Bernd Raffelhüschen, Ökonom

Wo hängt der Hammer?

Wenn Wolfgang Kubicki jemanden nicht leiden kann, lässt er das die Öffentlichkeit gerne wissen. „Eierarsch“ nannte er kürzlich den Bundeskanzler, Ex-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach wiederum galt ihm einst als „Spacken“. Und Marie-Agnes Strack-Zimmermann, seine unverhoffte Gegenkandidatin beim FDP-Parteitag, lässt Kubicki seinen Verdruss so richtig spüren.

„Marie-Agnes, Du hast nur 40 Prozent – und jetzt weißt Du, wo der Hammer hängt“, verkündete er ihr nach dem Parteitag in der „Bild“. Schon in seiner ersten Frage greift Markus Lanz diese Bemerkung auf. „Wissen Sie jetzt eigentlich genau, wo der Hammer hängt?“, fragt er die aus Brüssel zugeschaltete FDP-Europaabgeordnete süffisant.

Strack-Zimmermann tut dem Moderator allerdings nicht den Gefallen, ihrerseits den rhetorischen Hammer auszupacken. „Ich wusste, wo er hängt, deshalb habe ich ihn abgenommen“, antwortet sie, „damit sich keiner verletzt“. Ihre offenkundig vorbereitete Antwort, die Strack-Zimmermann bereits am Montag beinahe wortgleich veröffentlichte, reicht Lanz noch nicht.

Insofern ist mein Vertrauen jetzt wiederhergestellt.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) über ihr Verhältnis zu Wolfgang Kubicki und dessen Haltung zur AfD

Der Satz von Kubicki klinge doch nach „Ätschi-Bätsch“, sagt er. Strack-Zimmermann widerspricht: „Es klingt eher nach einem langen Tag, der sehr anstrengend war.“ So versöhnlich und verständnisvoll das klingen mag, scheint in Strack-Zimmermanns Antworten doch eine kaum getarnte Kritik an Kubicki durch: Wer als Parteichef nicht mal eine Gegenkandidatur ertragen kann, ohne eingeschnappt zu reagieren, dem sollte man vorsichtshalber die gefährlichen Werkzeuge aus der Hand nehmen.

Es trifft also nur bedingt zu, wenn Lanz mit Blick auf den Schlagabtausch zwischen beiden FDP-Politikern feststellt: „Sie versuchen das jetzt gerade wieder ein bisschen zu beruhigen, merkt man auch deutlich.“

Denn obwohl Strack-Zimmermann betont, ihr Vertrauen in Kubicki sei nach einigen Zweifeln über dessen Positionierung zur AfD „wiederhergestellt“, triezt sie ihren Widersacher insgeheim immer wieder. Etwa wenn sie beinahe schadenfroh Kubickis Reaktion auf ihre Kandidatur beschreibt: „Sichtlich überrascht“ sei der gewesen, „nicht wirklich amüsiert“. Ihre Genugtuung darüber ist mit Händen zu greifen.

Lauterbachs Schimpftirade

Kaum ist die anfängliche Einzelbefragung Strack-Zimmermanns vorüber, da setzt der SPD-Abgeordnete und ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu einer überraschenden und irritierenden Schimpftirade an. „Der Zirkus, ehrlich gesagt, erinnert mich an das Lügengerede von Christian Lindner“, sagt Lauterbach. Bitte was?

Es dauert einige Momente, bis klar wird, worauf der SPD-Politiker eigentlich hinauswill. Lauterbach nimmt Strack-Zimmermann nicht ab, dass sie auf dem FDP-Parteitag spontan kandidiert hat. Das sei doch längst geplant gewesen, vermutet er. Ebenso geplant also, wie es der Bruch der Ampelkoalition Ende 2024 gewesen sei, den die FDP aus Lauterbachs Sicht gezielt herbeigeführt habe. „Das ist einfach der unseriöse Charakter dieser Partei“, urteilt er.

„Genau diesen Zirkus haben wir in der Ampel all die Zeit erlebt, das war einfach ganz schrecklich.“ Lauterbachs Ausführungen gipfeln in der Feststellung, man brauche „so eine halbseidene Partei wie die FDP zumindest in der Regierung nicht“.

Mit gleich zwei „Wow“ kommentiert Lanz diese Sätze, die immerhin von einem ehemaligen Bundesminister stammen. Wie man die FDP und ihren Beitrag zum Ende der Ampelkoalition auch beurteilen mag, der von Lauterbach hergestellte Zusammenhang mit Strack-Zimmermanns Kandidatur für den Parteivorsitz wirkt nicht gerade naheliegend.

Ein dankbarer Gegner

Mit seinem Rundumschlag gegen die Liberalen hat Lauterbach zudem das Gegenteil dessen erreicht, was ihm lieb sein dürfte. Statt um die vermeintliche Unseriosität der FDP und den parteiinternen Richtungsstreit gerät nun Lauterbach selbst in die Defensive. Dankbar für die Gelegenheit, nach der eher subtilen Kritik an Kubicki endlich richtig draufhauen zu können, greift Strack-Zimmermann den ehemaligen Gesundheitsminister frontal an.

Sie wurden Minister nicht, weil der Bundeskanzler das wollte, sondern weil man im Internet eine Aktion gestartet hat.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) über den ehemaligen SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach

„Hören Sie sich eigentlich reden?“, ruft sie zweimal hoch empört. Lauterbachs Demokratieverständnis habe sie „sichtlich irritiert“, sagt die FDP-Politikerin. Strack-Zimmermann behauptet, sie würde sich nie anmaßen, „darüber zu urteilen, was Herr Lauterbach gut und schlecht gemacht hat“.

Ein wenig später wird sie dann doch persönlich: „Sie wurden Minister nicht weil der Bundeskanzler das wollte, sondern weil man im Internet eine Aktion gestartet hat.“ Irgendwann fragt Lanz sarkastisch, ob er einen Therapeuten rufen soll.

Je mehr sich Strack-Zimmermann in Rage redet, desto versöhnlicher zeigt sich Lauterbach. „Ich hätte mich ja sogar gefreut, wenn Sie gewonnen hätten“, sagt er plötzlich in Richtung der FDP-Politikerin. Schließlich halte er, so Lauterbach, „die Rechtsverschiebung der FDP und von Herrn Kubicki für sehr gefährlich“. Ihm sei es nur um den Stil der Überraschungskandidatur gegangen.

„Ich wollte jetzt irgendwie keinen Schwerpunkt FDP heute in dieser Sendung machen“, sagt Lanz, einige Minuten bevor die Schalte zu Strack-Zimmermann endet. „Aber jetzt sind wir mittendrin, und es war offenbar ein Stich ins Wespennest.“ Das kann man wohl sagen.

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