Eine neue Therapie erreicht erstmals „funktionelle Heilung“ chronischer Hepatitis B

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Erstmals zeigt eine Studie, dass eine chronische Hepatitis B funktionell geheilt werden kann. Davon profitiert jedoch nur ein Teil der Betroffenen.

Die globale Krankheitslast ist enorm: Weltweit leben schätzungsweise 240 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion (HBV). Etwa 1,1 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der Infektion wie Leberzirrhose und Leberkrebs; das sind fast doppelt so viele wie an Malaria.

Nun zeigt eine Studie erstmals, dass eine Kombinationstherapie eine sogenannte funktionelle Heilung ermöglicht – wenn auch nur bei einem Teil der Betroffenen.

Markus Cornberg spricht von einem bedeutenden Schritt. Er ist von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Koordinator der deutschen und europäischen Leitlinien zur Hepatitis-B-Virusinfektion und medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Leberstiftung.

„Das ist die erste große Phase-3-Therapiestudie, die zeigt, dass eine funktionelle Heilung bei chronischer Hepatitis B in relevantem Umfang möglich ist“, sagt Cornberg. Eine Phase-3-Studie ist die letzte und größte Phase der klinischen Erprobung vor einer Marktzulassung.

Allein in Deutschland leben etwa 250.000 bis 400.000 Menschen mit chronischer Hepatitis B – oft ohne von der Infektion zu wissen. „Ich wünsche mir für die Patienten, dass die Therapie zugelassen wird“, so Cornberg.

Bislang erfordert die Behandlung einer HBV-Infektion häufig eine langfristige, oft lebenslange Einnahme antiviraler Tabletten, die – ähnlich wie bei der HIV-Therapie – die Vermehrung des Erregers eindämmen sollen.

Neuer Wirkstoff stimuliert auch das Immunsystem

Das ermöglicht zwar eine Kontrolle des Virus, führt aber nur in seltenen Ausnahmefällen zu einer funktionellen Heilung. Die Erreger werden meist über Körperflüssigkeiten oder Blut weitergegeben. HBV gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, weshalb eine HBV-Infektion zudem oft mit einem gesellschaftlichen Stigma verbunden ist.

Das Team um Jinlin Hou von der chinesischen Southern Medical University in Guangzhou prüfte nun die Kombination aus der gängigen HBV-Therapie zusammen mit dem Wirkstoff Bepirovirsen. Dieses sogenannte Antisense-Oligonukleotid, das einmal pro Woche unter die Haut gespritzt wurde, zielt auf alle Boten-RNAs des Erregers und stimuliert zudem das Immunsystem.

In der Studie hatten alle Teilnehmer keine Leberzirrhose und sprachen auch auf die Standardtherapie an. Rund 1200 Patienten bekamen die Kombinationstherapie für fast ein halbes Jahr und wurden knapp ein Jahr nach dem Ende der Behandlung wieder untersucht.

Bei etwa 20 Prozent von ihnen hatte die Therapie eine funktionelle Heilung erreicht, wie das Team im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ (NEJM) berichtet. Das heißt, auch wenn alle Werte auf eine Heilung hindeuten, kann eine Vermehrung eventuell verbliebener Viren – etwa im Falle einer Immunsuppression – nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

In der Kontrollgruppe mit gut 600 Patienten, die nur die Standardtherapie erhielten, gab es keinen einzigen Fall einer solchen Heilung. Ernstere Nebenwirkungen traten bei 16 Prozent der Teilnehmer auf und betrafen oft erhöhte Werte des Leberenzyms Alanin-Aminotransferase (ALAT). Drei Prozent der Patienten brachen die Therapie ab.

In einem NEJM-Kommentar spricht US-Gastroenterologin Anna Lok von der University of Michigan in Ann Arbor von beeindruckenden Ergebnissen und einem bedeutenden Schritt hin zu einer Heilung. Zwar habe man etwa HBV-Patienten mit Leberzirrhose in die Studie nicht eingeschlossen und es gebe häufig Nebenwirkungen. Für ausgewählte Patienten sei Bepirovirsen jedoch eine attraktive Option, betont sie.

Welche Patientengruppen künftig tatsächlich für eine solche Therapie infrage kämen, werde wesentlich von der Zulassung und den dann geltenden Kriterien abhängen. Das Screening auf Hepatitis B ist in Deutschland Bestandteil der Gesundheitsvorsorgeuntersuchung ab 35 Jahren. Eine Hepatitis-B-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) als Standardimpfung für alle Kinder empfohlen.

dpa/dia

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