Beruf „Spielerfrau“: „Hohle Nuss reicht nicht“

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Einmal angenommen, im Wirtschaftsteil der F.A.Z. stünde Folgendes: „Während der Chef der Deutschen Bank seinen Aktionären Erfreuliches verkündete, saß die Vorstandsfrau lächelnd in der ersten Reihe.“ Oder es würde die Garderobe der Betriebsratsfrau gelobt. Nicht auszudenken. Die „Spielerfrau“ indes ist längst ein fester Bestandteil des Sprachgebrauchs. Sie hat es sogar in den Duden geschafft. Dort steht: „Ehefrau, Partnerin eines Profisportlers, einer Profisportlerin“. Immerhin beweist der Duden Fortschrittsgeist, denn auch gleichgeschlechtliche Beziehungen soll es im Profisport ja geben.

„Hooligans mit Kreditkarte“

Die berühmteste ehemalige Spielerfrau ist unangefochten Victoria Beckham. Wobei die Bezeichnung inzwischen irreführend erscheint. Eigentlich müsste man von David Beckham als Victoria-Beckham-Mann sprechen.

Schon bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland stahl Victoria Beckham ihrem Mann fast die Show. Damals prägte die englische Boulevardpresse den Begriff „WAGs“ – Wives and Girlfriends. Das englische Team residierte in Baden-Baden, und Victoria Beckham, einst Spice Girl, zog mit gigantischer Sonnenbrille, Designerhandtasche und in Begleitung ihrer Freundinnen durch die Kurstadt. Ohne Rücksicht auf die dortigen Gepflogenheiten. Die englische Presse sprach laut „Rolling Stone“ von „Hooligans mit Kreditkarten“.

F.A.Z.

Peinlich in Erinnerung geblieben sind etliche Auftritte von Cathy Hummels, die als Ex-Frau von Mats Hummels wie kaum eine Spielerfrau das Klischee des Anhängsels bediente. Inzwischen ist sie – natürlich – Modebloggerin, Model und Moderatorin. Nicht fehlen darf in dieser Reihe Bianca Illgner, die die Ära der Spielerfrauen als Gattin des Torhüters Bodo Illgner 1990 einläutete. Sie zog im Hintergrund die Strippen und spielte sich im Vordergrund auf.

Für die meisten Spielerfrauen, die bei dieser Weltmeisterschaft ihren Partnern von der Tribüne aus zujubeln, gilt dennoch ein eher konservatives Rollenverständnis: schön im Hintergrund bleiben. Der Schatten des Mannes ist lang. Eigene Karriereziele darf die Spielerfrau trotzdem verfolgen: als Influencerin, Model oder Designerin, siehe Cathy Hummels. Auf diesem Feld hat es die ein oder andere zu eigenem Ruhm gebracht. Die dpa veröffentlichte eine unfreiwillig komische Bilderstrecke unter dem Titel: „Der Wandel der deutschen Spielerfrauen. Früher eher brave Hausfrauen oder Managerinnen ihrer Männer, heute Topmodels und Influencerinnen auf dem roten Teppich. Wir blicken zurück auf die Spielerfrauen der Nationalmannschaft der letzten Jahrzehnte.“ Emanzipation bedeutet demnach, dass die Spielerfrau den roten Teppich erobert hat. Das Label Spielerfrau behält sie trotzdem.

Einen lupenreinen Ruf genießt die Spielerfrau bis heute nicht. Vielen gilt sie als Ruhestörerin.  Seit Jahrzehnten wird ihr nachgesagt, sie sei kapriziös und lenke die Männer nur ab. In einem „Welt“-Interview mit Guido Buchwald und Thomas Helmer, die bei der WM 1994 in den USA spielten, heißt es, die Spielerfrauen hätten damals lauter Sonderwünsche geäußert. Guido Buchwald sagt: „Das Frauen-Thema war viel zu groß. Da haben sich dann einige noch beschwert, dass sie kein Auto haben, um damit herumzufahren.“ Die Theorie, fehlende Mietwagen hätten womöglich irgendetwas damit zu tun, dass die deutsche Nationalmannschaft versagte, ist zumindest ein origineller Erklärungsansatz.

Dass einem der Titel „Spielerfrau“ allein nicht weiterhilft, sagte kürzlich Claudia Effenberg im Gespräch mit dem jungen Youtuber Thommy Berglmeir: „Du musst schon auch was können. Wenn du eine hohle Nuss bist, bringt dir das auch nichts, wenn du mit einem Fußballer verheiratet bist.“

Die Spielerfrau ist wohl die letzte Spezies hierzulande, die danach benannt wird, womit ihr Mann sein Geld verdient. Oder sagt heute noch irgendjemand Förstergattin?

In der WM-Kolumne „Freistoß“ beleuchten wir die Welt des Fußballs aus feuilletonistischer Sicht.

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