Winamp bekommt ein eigenes Musik-Abo: Die Technik und den Katalog dafür liefert der französische Streaming-Anbieter Deezer, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit. Das Abo soll Teil eines von Grund auf neuen Winamp Players werden, der im ersten Halbjahr 2027 erscheinen soll.
Deezer stellt dafür seine Streaming-Technik und seinen weltweiten Musikkatalog bereit, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Verkauft wird das Abo aber unter der Marke Winamp. Das bedeutet: Winamp baut keinen eigenen Streamingdienst und verhandelt auch keine eigenen Lizenzverträge mit der Musikindustrie. Wer künftig ein WinAmp-Abo abschließt, hört Deezers Katalog über Deezers Infrastruktur, nur eben in einer WinAmp-Oberfläche. Deezer wiederum bekommt einen weiteren Vertriebskanal, ohne selbst neue Kunden werben zu müssen.
Alles in einem Fenster
Der neue Winamp-Player soll Streaming nicht isoliert anbieten, sondern mit lokalen Musiksammlungen, Internetradio, Podcasts und in der Cloud abgelegten Beständen kombinieren. Dazu verspricht Winamp eine weitreichend anpassbare Oberfläche und soziale Funktionen. Auch das Abo-Modell selbst wolle man neu denken, heißt es. Was das konkret bedeutet, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Wie viel das Abo kosten soll, ist unklar.
Offen bleiben damit die entscheidenden Punkte: Preis, Katalogumfang, Audioqualität und die Frage, für welche Plattformen der Player erscheint. Weitere Details sollen in den kommenden Monaten folgen. Das klassische Winamp für Windows bekommt das Abo laut Mitteilung erst nach dem Marktstart des neuen Players. Winamp beziffert dessen weltweite Nutzerzahl auf mehr als 40 Millionen.
Deezers Geschäft mit fremden Marken
Für Deezer ist ein solcher Deal Routine. Unter dem Dach Deezer for Business vermietet das Unternehmen seinen Katalog und seine Technik an Partner, die daraus eigene Angebote bauen. Zu den Kunden zählen laut einer Mitteilung vom März unter anderem der Lautsprecherhersteller Sonos, dessen Radio-Angebot seit 2023 auf Deezer-Technik läuft, sowie Telekommunikationsanbieter wie Orange und TIM. In Deutschland nutzt RTL die Technik für den Musikbereich von RTL+.
Für Winamp ist es der nächste Versuch, zurück zu alter Stärke zu kommen. Der 1997 veröffentlichte MP3-Player war jahrelang die Nummer 1 auf dem Windows-Desktop, verpasste dann aber den Übergang ins Streaming-Zeitalter. 2023 baute das Unternehmen den Player zu einer Art Patreon für Musiker um, inklusive Abo-Bereich für einzelne Künstler. Das damals ausgegebene Ziel von 250 Millionen Nutzern hat Winamp nie erreicht.
2024 folgte der nächste Anlauf: Winamp legte den Quellcode des Desktop-Players auf Github offen, allerdings unter einer selbst geschriebenen proprietären Lizenz, die Forks zunächst untersagte. Statt Mitentwicklern brachte der Schritt vor allem Kritik ein.
Hinter der Marke steht die börsennotierte Winamp Group mit Sitz in Brüssel, die bis Oktober 2025 noch Llama Group hieß und zu der auch die Rechteverwaltung Bridger und die Lizenzplattform Jamendo gehören.
(dahe)










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