„Unglaubliches und unbekanntes Phänomen“: Frankreichs Mega-Brände lösen womöglich seltene Feuergewitter aus

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Genährt vom Feuer können über besonders heißen und großen Waldbränden spezielle Gewitterwolken entstehen. Diese stark rußhaltigen Wolken mit der Bezeichnung Pyrocumulonimbus schaffen ihr eigenes Wetter. Die Feuerwolken sorgen für gewaltige Windböen und aus ihrem Inneren können Blitze zum Boden zucken.

Möglicherweise sind bei den immensen Bränden in der Nähe von Bordeaux in Frankreich solche Wolken entstanden – was absolut außergewöhnlich wäre. „Sie sind in Europa sehr selten“, sagte Jason Müller, der am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig diese Wolkenform erforscht. In Portugal habe es 2017 welche gegeben, sonst seien keine bekannt.

Bis zu 13 Kilometer hoch

Die Feuerwolken entstehen, wenn die Hitze eines extrem intensiven Vegetationsbrandes die Rauchsäule so weit nach oben treibt, dass sich in der Höhe Eis bildet und die Wolken bis in die Tropopausen-Region reichen. Die genaue Höhe variiert je nach Region – von mindestens acht bis zu 13 Kilometern, auf der Höhe von Langstreckenfliegern. In der Fachliteratur werden solche Wolken vor allem in den USA, Kanada und Australien beschrieben.

Auf jeden Fall haben sich in Frankreich Pyrocumulus-Wolken gebildet, also niedrigere rußhaltige Wolken, wie sie häufiger von großen Bränden erzeugt werden, meinte Müller. Aber hatten sie die Höhe und Intensität für Pyrocumulonimbus? „Da gibt es unter Fachleuten eine rege Diskussion.“ Wahrscheinlich sei es aber schon der Fall.

 Mike Mcmillan/Usda/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In den USA gibt es die Feuerwolken häufiger – wie hier beim „Cottonwood Fire“ in Utah.

© dpa/Mike Mcmillan/Usda

Unvorhersehbare „Feuerstürme“

Sophie Broacs, die Präfektin der Gironde, wo sich Frankreichs Mega-Brände konzentrieren, sprach laut der Zeitung „Le Monde“ von einem „unglaublichen, beispiellosen und unbekannten Phänomen“. Dabei verbänden sich die Feuer und die Gewitterwolken; sie sprach von einem „Feuersturm“.

Tatsächlich entstünden Pyrocumulonimbus-Wolken stets „sehr schnell und heftig“, erklärte Müller. Nötig sei eine Atmosphäre, die schon zu Gewitterbildung neige. Der Auslöser sei dann aber nicht – wie sonst bei Gewitterwolken – die atmosphärischen Bedingungen, sondern die Hitze des Feuers.

Das Feuer kann heißer werden und sich weiter ausbreiten, das kann zu einer Verstärkung des ursprünglichen Gewitters führen – es ist ein Teufelskreis.

Jason Müller, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung

Eine Wolke entsteht, wenn warme Luft aufsteigt und sich oben so weit abkühlt, dass Wasser kondensiert. Durch die starke Dynamik dabei entstehen auch starke Winde am Boden. „All das gilt auch für normale Gewitterwolken. Aber bei Pyrocumulonimbus fachen die Winde das Feuer weiter an“, sagte Müller. „Das Feuer kann heißer werden und sich weiter ausbreiten, das kann zu einer Verstärkung des ursprünglichen Gewitters führen – es ist ein Teufelskreis.“

Wie in anderen Gewitterwolken auch können in den Feuerwolken Blitze entstehen. Können diese wieder neue Feuer entfachen? Das werde derzeit diskutiert, sagte Müller. Präfektin Broacs meint, in Frankreich sei das tatsächlich passiert.

Laut Christophe Chantepy, einem Brandschutzexperten beim Nationalen Forstamt Frankreichs, sind die Wolken auch deswegen so gefährlich, weil sie das Feuer unberechenbar machten. „Neue Brände sind viel wahrscheinlicher, da glühende Trümmer, also brennende Pflanzenreste, aus der Konvektionssäule herausgeschleudert werden können“, sagte er laut „Le Monde“.

Forschung zu Feuerwolken dauert noch an

Pyrocumulonimbus-Wolken sind ein bisher wenig erforschtes und kaum vorhersagbares Extremwetter-Phänomen. Nach Angaben des US-Marineforschungslabors wirken die Wolken wie riesige Schornsteine, die Rauchwolken wie bei einem Vulkanausbruch bis in die Stratosphäre befördern können. Der Rauch könne dann die Erde umkreisen, Wettermuster verändern, die Lebensdauer und Ausdehnung des antarktischen Ozonlochs verlängern und die Temperatur der Erdoberfläche und der Atmosphäre beeinflussen.

Laut dem US-Forschungslabor wurden im Jahr 2023 über Kanada mehr als 140 Pyrocumulonimbus-Ereignisse beobachtet. Ein Zusammenhang zwischen der gestiegenen Waldbrandaktivität und dem allgemeinen Klimawandel sei unübersehbar.

Müller erklärte, dass es für diese Feuerwolken nicht reiche, wenn eine Wiese brenne. „Man braucht ein sehr starkes Feuer, nicht nur sehr groß, sondern auch sehr heiß, dafür muss viel Biomasse da sein, also braucht es trockene Wälder.“

Genau diese gibt es laut Klimaforschenden zunehmend in Europa: Der Klimawandel führt zu niederschlagsreicheren Wintern, wodurch viel Vegetation wächst. Anschließend folgen ebenfalls durch den Klimawandel häufiger gewordene Hitzewellen, die alles austrocknen. So entsteht jede Menge Brennmaterial für gewaltige Brände. (dpa)

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