Fette Reifen, tiefer Einstieg, faltbarer Stahlrahmen und 468 Wh für 649 Euro: Das Touroll S3 bietet viel Rad für wenig Geld. Der Test zeigt, wo es dafür spart.
Touroll sortiert sein Faltrad-Programm nicht ganz so, wie die Zahlen vermuten lassen. Das S3 steht unter dem Touroll S2 (Testbericht), nicht darüber: Das S2 fährt mit größerem Akku, kräftigerem Motor und 4 Zoll breiten Reifen vor. Das S3 bekommt 3 Zoll breite Reifen, 468 Wh und 40 Nm – und kostet dafür weniger.
Es gibt außerdem die Modelle S2 Pro und S3 Pro. Letzteres bietet 1296 Wh sowie 50 Nm und zielt auf alle, die Reichweite über alles stellen. Das S3 bedient dagegen den Einstieg: 649 Euro für ein faltbares Fatbike mit tiefem Einstieg, Stahlrahmen und Straßenzulassung. Wir klären, wo das S3 liefert und wo es sichtbar spart.
Aufbau, Optik & Verarbeitung
Das S3 kommt weitgehend vormontiert. Zu montieren bleiben Lenker, Pedale, Frontleuchte, Vorderrad und vorderes Schutzblech. Das dauert 20 bis 30 Minuten und gelingt auch Schrauber-Neulingen. Die Anleitung liegt auf Deutsch bei und fällt überraschend gut aus. Der Verpackungsmüll hält sich in Grenzen. Die vordere Scheibenbremse müssen wir vor der ersten Fahrt nachjustieren – bei mechanischen Anlagen dieser Preisklasse eher Regel als Ausnahme.
Optisch wirkt das S3 massiv und kompakt. Der Step-Thru-Rahmen mit tiefem Einstieg trifft auf die typische Fatbike-Silhouette, zur Wahl stehen die Farben Schwarz und Rot. Die Kabel vor dem Lenker stecken gebündelt in einem Stoffschlauch. Der Akku sitzt außerhalb des Rahmens hinter der Sattelstange.
Touroll S3 Bilder
Der Rahmen ist aus Stahl gefertigt – Touroll setzt hier bewusst auf Robustheit statt Leichtbau, was das Gewicht von 28 kg erklärt. Die Verarbeitung entspricht dem Einsteigerniveau: Kabel verlaufen sichtbar außen, Schweißnähte zeigen sich grob, aber dennoch solide. Der Gesamteindruck wirkt stabil, Lackfehler oder Kratzer sind keine zu finden, und während der Fahrt gibt es kein Klappern. Touroll gibt die Schutzart IPX4 an und räumt zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung ein.
Beim Falten klappen Rahmen und Lenkstange zusammen, die Pedale bleiben starr. Die Verschlüsse sind doppelt gesichert und rasten sauber ein. Gefaltet misst das S3 nachgemessen etwa 90 × 53 × 71 cm und passt damit in den Kofferraum eines Kompaktwagens, entfaltet kommt es auf rund 170 cm Länge. Der hintere Gepäckträger trägt bis 25 kg. Einen Haken hat die Sache allerdings – genauer gesagt fehlt er: Zusammengeklappt hält das S3 nicht von allein zusammen, weder Magnet noch Haken sichern die Rahmenhälften. Schieben klappt, doch bei 28 kg ist das Tragen selbst bei kurzen Strecken anstrengend. Wer sein Faltrad häufig schultert, greift besser zu leichteren Klapprad-E-Bikes wie dem 16 kg schweren Urtopia Carbon Fold 2 (Testbericht), das allerdings fast das Dreifache kostet.
Lenker & Display
Der gerade Lenker misst 64 cm und sitzt in einer ungewöhnlichen, geschweißten T-Form. Das sieht aufgeräumt aus, erschwert aber den Tausch gegen einen anderen Lenker erheblich. Die weichen Griffe sind ergonomisch geformt und liegen angenehm in der Hand.
Front- und Rücklicht hängen am Hauptakku, lassen sich aber nur manuell schalten, einen Dämmerungssensor gibt es nicht. Das Frontlicht sitzt recht weit unten über dem Vorderrad und lässt sich im vertikalen Abstrahlwinkel anpassen. Blinker fehlen, was bei diesem Preis niemanden überrascht. Auf ein Bremslicht verzichtet Touroll ebenfalls.
Mittig sitzt ein 2,6 Zoll großes LC-Display, das sich bei direkter Sonneneinstrahlung nur schwer ablesen lässt. Es zeigt die Geschwindigkeit mit einer Nachkommastelle, den Akkustand in fünf Balken, die Unterstützungsstufe und die gefahrenen Kilometer. Die fünf Unterstützungsstufen begrenzen die Endgeschwindigkeit auf 13, 16, 19, 22 und 25 km/h und regeln damit das Tempo statt der Motorkraft. Die Schiebehilfe arbeitet bis 4 km/h und bleibt damit unter den gesetzlich erlaubten 6 km/h.
Eine App oder Bluetooth bietet das S3 nicht, alle Anzeigen laufen über das Display. In einem versteckten Untermenü lassen sich Parameter wie die Einheitenwahl anpassen. Das Maximaltempo lässt sich dort nicht anheben – anders als beim Fiido M1 Pro 2024 (Testbericht), das sich per Tastendruck aus der Legalität befördert.
Fahren
Der Tiefeinsteiger-Rahmen erleichtert das Auf- und Absteigen spürbar. Touroll nennt eine empfohlene Körpergröße von 160 bis 195 cm. Unser 186 cm großer Testfahrer sitzt noch gut, darüber wird es eng: Die Sattelstütze ist schlicht zu kurz. Größere Fahrer sollten sie gegen eine längere tauschen. Der Sattel selbst ist angenehm breit und weich.
Vorn federt eine Gabel mit 60 mm Federweg, die sich nicht einstellen lässt. Hinten fehlt die Federung. Diese Lücke füllen die 3 Zoll breiten Reifen: Sie schlucken kleine Stöße, dafür sollten sie jedoch nicht prall aufgepumpt sein. Größere Schläge kommen mangels Hinterbaufederung beim Fahrer an. Für Schotter, Wurzeln und Bordsteine reicht das aus. Auf unebenem Untergrund bleibt das Fahrverhalten ruhig und kontrollierbar – leise rollen die Reifen obendrein.
Angetrieben wird das S3 von einem Heckmotor mit 250 W Nennleistung, bis zu 450 W Spitzenleistung und 40 Nm Drehmoment. Bei 25 km/h regelt er ab. Entscheidend ist der Sensor: Das S3 nutzt einen Trittfrequenzsensor, keinen Drehmomentsensor. Die Unterstützung setzt deshalb erst nach etwa einer halben Pedalumdrehung ein. In der Praxis fällt das weniger störend aus als befürchtet. Nach dem Einsetzen schiebt der Motor ruckfrei an, die Leistung kommt gleichmäßig statt in Schüben. Für einen Trittfrequenzsensor fährt sich das S3 damit gut. An die natürliche Dosierung eines Drehmomentsensors reicht es trotzdem nicht heran – wer das vom Mittelmotor des Engwe L20 3.0 Pro (Testbericht) kennt, merkt den Unterschied sofort.
An Steigungen geht dem Motor schnell die Kraft aus. 40 Nm bewegen ein 28 kg schweres Rad in der Ebene souverän, am Berg wird kräftiges Mittreten Pflicht. Der Motor arbeitet hörbar, laut ist er aber nicht. Die Shimano-Kettenschaltung mit sieben Gängen erledigt ihre Aufgabe im Test zuverlässig. Der höchste Gang reicht aus, um bei 25 km/h entspannt mitzutreten, keine Selbstverständlichkeit bei kleinen Laufrädern, wo die Trittfrequenz gern ins Hektische kippt.
Gebremst wird vorn und hinten mit mechanischen Scheibenbremsen auf 180 mm großen Scheiben mit 1,9 mm Stärke. Die Bremshebel trennen zusätzlich die Motorunterstützung. Die Verzögerung reicht für 25 km/h aus, eine hydraulische Anlage lässt sich aber besser dosieren.
Akku
Der Lithium-Akku liefert 36 V bei 13 Ah, macht 468 Wh. Er lässt sich zum Laden sehr einfach entnehmen und eingesetzt, abschließen. Das Netzteil liefert 42 V bei 2 A, also rund 84 W. Eine volle Ladung dauert damit 6 bis 7 h.
Touroll verspricht bis zu 65 km Reichweite. In der Praxis hängt der Wert an vielen Faktoren: Fahrweise, Zuladung und Unterstützungsstufe wiegen am schwersten, dazu kommen Untergrund, Steigungen, Gegenwind, Außentemperatur und Reifendruck. Auf höchster Stufe, mit 85 kg Zuladung und viel Stop-and-Go kommen wir auf etwa 45 km. Wer defensiver fährt und niedrigere Stufen wählt, holt mehr heraus. Für den Pendelbetrieb reicht das aus. Wer Tagestouren plant, kalkuliert die Ladepause ein oder greift gleich zum größeren Schwestermodell S3 Pro.
Preis
Das Touroll S3 kostet 649 Euro und wird versandkostenfrei aus der EU geliefert.
Fazit
Die Preis-Leistungs-Rechnung des Touroll S3 geht erstaunlich sauber auf. Der Stahlrahmen wirkt stabil und die fetten Reifen bügeln die fehlende Hinterradfederung etwas aus. Der recht große, entnehmbare und abschließbare Akku erleichtert den Alltag in der Stadtwohnung.
Gespart hat Touroll dort, wo Sparen sichtbar wird. Der Trittfrequenzsensor kostet Fahrgefühl, die mechanischen Bremsen Präzision, und am Berg geht dem Motor früh die Luft aus. Dass das Rad zusammengeklappt nicht von allein zusammenhält, ist ärgerlich, ein Magnet für ein paar Cent hätte gereicht. Wer ein günstiges Faltrad für Stadt, Kofferraum und gelegentliche Schotterwege sucht und die 28 kg selten tragen muss, bekommt hier trotzdem viel Rad für wenig Geld. Wer regelmäßig Steigungen fährt oder sein Faltrad häufig schultert, schaut besser eine Klasse höher.










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