Starbucks Südkorea schließt temporär Filialen, Angestellte müssen zu Schulung

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Kein Kaffee nach 15 Uhr: Starbucks will in Südkorea am 22. Juni landesweit alle Filialen vorzeitig schließen und seine Mitarbeitenden zu verpflichtenden Schulungen schicken. Das hat die Shinsegae Group, die die Starbucks-Lizenz für Südkorea hält, nun bekannt gegeben. Die Unterrichtseinheiten sollen die Angestellten demnach im Bereich Geschichte und Soziales sensibilisieren und bilden.

Hintergrund der Maßnahme ist nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP die heftige Kritik an einer Starbucks-Marketingkampagne: Die Kaffeekette versuchte jüngst, eine Serie von Edelstahlbechern namens »SS Tank« zu bewerben, indem sie den 18. Mai zum »Tank Day« erklärte. Das englische Wort »tank« kann sowohl »Behälter« als auch »Panzer« bedeuten.

Werbung wurde gestoppt

Viele Menschen reagierten entsetzt, denn am 18. Mai wird der Jahrestag des prodemokratischen Aufstands von 1980 in der südkoreanischen Stadt Gwangju begangen. Dieser wurde damals von der Militärregierung in Seoul gewaltsam niedergeschlagen, die Truppen, Panzer und Hubschrauber einsetzte. Hunderte Menschen wurden getötet oder verletzt.

Das Trauma von Gwangju prägt die südkoreanische Gesellschaft bis heute. Deswegen sahen viele Menschen in der Werbekampagne von Starbucks eine Replik auf die damaligen Militärverbrechen – und eine Verhöhnung der Opfer. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung schrieb bei X: »Was um alles in der Welt haben sie sich dabei gedacht, wo sie doch wissen, wie viele Menschen an jenem Tag ihr Leben verloren?«

Die übrigen Angestellten, inklusive der Leitungsebene, sollen nun an der Schulung teilnehmen. Die Inhalte sollen von Geschichts- und Soziologieprofessoren vermittelt werden. Alle Filialen der Kaffeekette schließen deshalb am 22. Juni um 15 Uhr, damit die Mitarbeiter der Schulung live oder virtuell beiwohnen können, so Shinsegae in einer Erklärung. Der Vorgang sei in der Geschichte des Unternehmens in Südkorea einmalig. Seit 1999 habe es so etwas nicht gegeben; es zeige aber, »wie ernst das Unternehmen die Marketingkontroverse nimmt und wie entschlossen es ist, ein erneutes Auftreten zu verhindern«.

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