Sazan: Ivanka Trump und Jared Kushner wollen aus der albanischen Insel ein privates Luxusresort machen

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Ivanka Trump und (im Schatten) ihr Mann Jared Kushner
Ivanka Trump und (im Schatten) ihr Mann Jared Kushner

Ivanka Trump und (im Schatten) ihr Mann Jared Kushner

Foto: Anna Moneymaker / CNP / ZUMA Press Wire / IMAGO

»Wir brauchen den Luxustourismus so sehr, wie die Wüste Wasser braucht«, sagte Albaniens Premierminister Edi Rama zum »Guardian« . Mit den Worten verteidigte er eine Genehmigung, die Insel Sazan vor der albanischen Küste zu einer privaten Luxusinsel auszubauen. Ende 2024 baten Ivanka Trump und Jared Kushner, Tochter und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, um Erlaubnis. Das Okay ließ nicht lange auf sich warten. Das Kushner-Unternehmen Atlantic Incubation Partners LLC plant, 1,4 Milliarden Euro zu investieren, um dort ein Luxusresort zu eröffnen. Es soll sich über die ganze Insel erstrecken.

In einem Podcast  schwärmte Ivanka Trump nun von dem Vorhaben. »Es ist eine unglaublich schöne 1400 Hektar große Privatinsel mitten im Mittelmeer. Wir waren auf dem Boot eines Freundes und haben angehalten, um zu schwimmen, so haben wir die Insel entdeckt. Wir sind hingeschwommen, sind dort gewandert, barfuß bis ganz nach oben, und waren total eingenommen. Über mehrere Jahre haben wir daran gearbeitet, das Potenzial dieser Insel auszuschöpfen und zu entwickeln. Mit viel Zurückhaltung und Sorgfalt, weil das Land so wunderschön ist«, sagte Trump im Podcast von David Senra.

Die Kommentare unter dem Podcast auf YouTube sind nicht ganz so schwärmerisch. »Die Insel Sazan ist keine abgelegene Insel mitten im Mittelmeer, Frau Trump. Und Sie sind auch keine moderne Piratin, die zufällig von der Jacht eines Freundes aus darauf gestoßen ist und sie ›entdeckt‹ hat. Sazan liegt direkt vor der Küste von Vlora und ist seit Generationen Teil der Geschichte, Geografie und Identität Albaniens. Vor allem aber ist sie kein Privatbesitz – sie gehört dem albanischen Volk«, schrieb ein User. Ein anderer hielt es kürzer: »Süße Korruption.«

Nicht nur online ist die Kritik an Trumps und Kushners Vorhaben groß. In Albaniens Hauptstadt Tirana versammelten sich am Dienstag Tausende Menschen, um gegen das milliardenschwere Bauprojekt zu demonstrieren. Auf Plakaten forderten sie: »Ivanka, geh nach Hause« oder »Albanien ist nicht zu verkaufen«. Sie sorgen sich vor Umweltschäden und Korruption.

Protest gegen das Bauprojekt in Tirana

Protest gegen das Bauprojekt in Tirana

Foto: AFP

Bereits vergangenes Jahr sagte auch Jared Kushner dem »Guardian«, er plane, auf Sazan »das ideale Resort zu schaffen, in dem ich gern mit meiner Familie und meinen Freunden Urlaub machen würde«. Eine »Privatinsel« für die Trump-Kushners und ihre superreichen Freunde. Im vergangenen Jahr hatten die albanischen Behörden das Immobilienprojekt sogar beschleunigt, indem sie Kushner den Status eines »strategischen Investors« verliehen. Die Menschen in Albanien nennen Sazan bereits »Insel der Trumps« .

Keine Steuern während der Bauphase

Bevor die Trumps kamen, war Sazan vor allem für unberührte Natur und als einstige Militärbasis bekannt. Sie ist keine Privatinsel, auch wenn Ivanka Trump das offenbar anders sieht, und auch keine 1400 Hektar groß, sondern etwa 600 Hektar. Die mit Pinien und Steineichen, Rosmarin und Lavendelkraut überwucherte Insel mit subtropischem Klima liegt einige Kilometer vor der Küstenstadt Vlora, zwischen Adriatischem und Ionischem Meer. Aus der Zeit als Militärstützpunkt sind auf Sazan immer noch ehemalige Bunker und Lagertunnel zu finden. Einige dieser Bauten, die mittlerweile von Schlangen, Fledermäusen und wilden Kaninchen bewohnt werden, sollen laut Kushner in sein Bauprojekt integriert werden. Doch nicht nur Bunker zeugen als Überbleibsel von der Militärvergangenheit der Insel. Sazan ist voller Landminen und Blindgänger, die noch entschärft werden müssen.

 Inselparadies im Mittelmeer

Sazan: Inselparadies im Mittelmeer

Foto: Armando Babani / Matrix Images / picture alliance

Doch Anwohner und Umweltschützer sorgen sich eher um die Flora und Fauna der Insel. »Dieses Gebiet liegt im Meeresnationalpark Karaburun-Sazan. Das bedeutet, dass die Strände und Gewässer im Umkreis von zwei Kilometern um die Küste geschützt sind. Welche Auswirkungen werden große öffentliche Bauvorhaben, der Bau von Anlegestellen, der Yachtverkehr und Abwasserabflüsse auf diesen Ort haben?« Olsi Nika, Umweltbiologe und Leiter der Nichtregierungsorganisation EcoAlbania, hat große Bedenken wegen des Trump-Kushner-Projekts. Kushners Firma beteuert, eine Beratungsfirma für nachhaltige Entwicklung angeheuert zu haben, die sich um den Umweltaspekt kümmert.

Albaniens für die Vergabe der Genehmigung zuständige Ministerin für Tourismus und Umwelt, Mirela Kumbaro, hat keine Bedenken. Sie unterstützt das Projekt. Für Trump und Kushner hilfreich, denn als »strategische Investoren« während der Bauphase werden sie von Steuern befreit, und der Staat stellt die gesamte Infrastruktur, einschließlich Wasser, Strom und Abwasser. Für Albanien sei das Vorhaben wichtig. Man könne mit den Nachbarländern Kroatien, Griechenland oder Italien nicht beim Massentourismus mithalten. Dafür fehle die Infrastruktur. Daher wolle man nun auf Luxustourismus gehen, sagte sie dem »Guardian«.

2024 reisten albanischen Medien zufolge fast zwölf Millionen ausländische Besucher in das Land, ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem für Osteuropäer wie Bulgaren oder Rumänen, die sich Reisen nach Mallorca oder Italien oft nicht leisten können, ist Albanien eine erschwingliche Destination am Mittelmeer. Viele kommen auch einfach nur zum Feiern dorthin. Zu viele, findet Kumbaro, die Touristen seien eine zu große Belastung für die Umwelt. »Sazan ist der richtige Weg. Das ideale Rezept: Natur und Luxustourismus.« Der Ministerin zufolge arbeitet Kushners Firma eng mit der Regierungsbehörde zusammen, die für strategische Investitionen zuständig ist, also solche, die 15 Millionen Euro übersteigen.

Auch Premierminister Rama sagte, sein Land könne es sich nicht leisten, ein Geschenk wie Sazan nicht auszunutzen, und versprach, dass der albanische Staat an dem Projekt beteiligt sein werde. Kein Wunder, dass Kushner nur nette Worte für Rama findet. Dieser sei »ein großartiger Partner«, sehr zukunftsorientiert und baue extra einen Flughafen nahe Vlora. Kushner war von 2017 bis 2021 offiziell als Berater von US-Präsident Donald Trump tätig. Auch heute noch zieht er in dessen Auftrag als Chefunterhändler durch die Welt, um in internationalen Konflikten die Positionen der US-Regierung zu vertreten. Doch er habe seine Position nie ausgenutzt, um Immobilienpläne voranzutreiben, sagte er. »Ich habe Premierminister Rama nie getroffen, als ich in der Regierung war«, sagte Kushner. »Aber selbst wenn ich das getan hätte, wäre das kein Interessenkonflikt. Menschen, die in der Regierung tätig sind, bauen andere Beziehungen auf.«

Die albanische Regierung wird wohl nicht von dem Projekt ablassen, Trump und Kushner auch nicht. Doch der Protest von Umweltaktivisten, Opposition und Albanern wird vermutlich ebenso wenig verstummen: Die Sonderstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Korruption und Organisierter Kriminalität in Albanien hat vor wenigen Tagen mitgeteilt, sie habe Ermittlungen zu dem Bauprojekt eingeleitet.

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