Plötzlich im Kriegsgebiet: Die Bundesregierung will vorerst nur Kinder, Kranke und Schwangere holen

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Urlauber in den Golfstaaten fanden sich in den vergangenen Tagen plötzlich in einem Kriegsgebiet wieder. Nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran trafen Vergeltungsschläge des Mullah-Regimes immer wieder touristische Ziele in der Region.

So stürzte eine iranische Drohne in ein Luxushotel auf der künstlichen Inselgruppe „The Palm“ in Dubai. Das berühmte Hotel Burj al Arab wurde ebenso getroffen wie der Flughafen von Dubai. Touristen, die Sonne tanken und eine unbeschwerte Zeit verbringen wollten, müssen nun Angst haben, von abgeschossenen Drohnenteilen getroffen zu werden.

Dabei haben die Golfstaaten den Iran nicht angegriffen. Doch das iranische Regime hofft offenbar, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und andere Staaten in der Region Druck auf die USA ausüben könnten, den Krieg möglichst rasch zu beenden. Dass auch westliche Touristen unter den Folgen des Krieges leiden, passt in das Kalkül des iranischen Regimes.

Keine Bundeswehrmaschinen

„Wir befinden uns im Nahen und Mittleren Osten in einer Großkrise, von der auch viele Deutsche betroffen sind“, sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Montagnachmittag in Berlin. Das Auswärtige Amt warnt seit Samstag vor Reisen nach Israel und in die palästinensischen Gebiete, in den Iran, Irak, Jordanien, den Libanon sowie in die Golfstaaten Bahrain, Kuwait, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien, Katar und Jemen.

German Foreign Minister Johann Wadephul addresses the press after a crisis team meeting at the Foreign Ministry in Berlin on March 2, 2026. (Photo by Axel Schmidt / POOL / AFP)

Außenminister Johann Wadephul (CDU) erläutert, wie er betroffenen Urlaubern im Nahen- und Mittleren Osten helfen will.

© AFP/AXEL SCHMIDT

Deutsche in der Region sollen sich in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ eintragen. Sie werden dann über die sogenannten Landsleutebriefe vom AA über die aktuelle Lage informiert.

„Die Sicherheit unserer Staatsangehörigen hat Priorität“, betonte Wadephul. Das bedeute auch, dass in den meisten betroffenen Staaten kein Lufttransport möglich sei. Der Außenminister will deshalb vorerst nur vereinzelt Evakuierungsflüge für vulnerable Gruppen wie Kinder, Kranke und Schwangere anbieten. Sie sollen in Riad in Saudi-Arabien sowie in Maskat, der Hauptstadt des Oman, starten. Der Luftraum dieser Staaten ist derzeit noch offen. Dafür werde man auf Steuerzahlerkosten Charterflüge organisieren, sagte Wadephul.

Über 30.000 deutsche Touristen in der Region

Wie der Deutsche Reiseverband (DRV) mitteilte, sind in den betroffenen Staaten aktuell 30.000 Pauschalurlauber mit deutschen Reiseveranstaltern unterwegs. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind besonders viele Reisende gestrandet. Allein hier sollen laut Regierungskreisen mehr als 10.000 Deutsche feststecken.

So liegt je ein großes Kreuzfahrtschiff von Tui Cruises mit mehr als tausend Passagieren in den Häfen von Doha und Abu Dhabi. Die Gäste befänden sich weiterhin an Bord der „Mein Schiff 4“ und der „Mein Schiff 5“ und würden dort fortlaufend und transparent über alle relevanten Entwicklungen informiert, teilt Tui Cruises mit. In Dubai und Abu Dhabi sind zudem viele Flugreisende gestrandet, die auf dem Weg zwischen Europa und Asien dort umsteigen wollten.

Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen

Außenminister Johann Wadephul (CDU)

Für sie sind die Airlines verantwortlich. Sie müssen sich, zeitlich unbegrenzt, um eine Unterbringung kümmern, solange die Passagiere nicht weiterkommen. Allerdings haben die Vereinigten Arabischen Emirate erklärt, dass sie die Kosten für die Betreuung übernehmen und Unterkünfte und Mahlzeiten bereitstellen.

Wadephul sieht weiterhin vor allem die Reiseveranstalter in der Pflicht, ihre Gäste heimzuholen. „Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen“, betonte er. Man tue alles, um das Krisenmanagement der Tourismusindustrie zu unterstützen.

Deshalb sei er im Gespräch mit Tui, der Lufthansa sowie dem Deutschen Reiseverband. Wadephul hat dazu auch mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr gesprochen. Die Lufthansa habe grundsätzlich die Kapazitäten, um viele deutsche Touristen in der Region heimzuholen, sagte Wadephul.

Wadephul betonte zugleich, dass noch logistische Fragen zu klären sind – etwa wie Touristen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo die Flughäfen geschlossen sind, auf dem Landweg nach Saudi-Arabien und Oman gelangen könnten. Wadephul gab außerdem zu bedenken, dass der Flughafen in Maskat nur eine geringe Kapazität habe.

Keine Reisewarnung für den Golf vor Kriegsbeginn

Evakuierungsflüge der Bundeswehr sieht man in der Bundesregierung weiterhin als letzte Alternative. So lautete der Konsens im Krisenstab der Bundesregierung, dessen Sitzung Wadephul am Montag leitete. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nahm ebenfalls teil.

Andere Staaten haben sich bereits entschieden, ihre Bürger in der Region mit Militärmaschinen abzuholen. So schickte Tschechien je ein Militärflugzeug nach Scharm El-Scheich in Ägypten sowie in die jordanische Hauptstadt Amman, um in Israel lebende Tschechen sowie EU-Bürger abzuholen.

In der ARD-Sendung Caren Miosga hatte Wadephul den gestrandeten Deutschen in der Region eine gewisse Mitverantwortung gegeben. „Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte“, sagte er zur Entwicklung in der Golfregion. Deshalb habe man schon seit sechs Wochen vor Reisen in die Region gewarnt. „Keiner wusste, dass es zu dieser Zuspitzung kommen würde, aber es musste damit gerechnet werden. Und jetzt helfen wir“, erklärte Wadephul.

Eine formale Reisewarnung für die Golfstaaten gab es vor Kriegsausbruch jedoch nicht. Die offiziellen Reisewarnungen führen dazu, dass Urlauber, die bei einem Reiseveranstalter eine Pauschalreise, also etwa Flug und Hotel, gebucht haben, von dieser Reise kostenlos zurücktreten können.

Ohne eine solche offizielle Warnung finden Reisen statt. Die Reiseveranstalter sind in der Pflicht, die gebuchten und bereits bezahlten Reisen durchzuführen. Sie haben ihrerseits Hotelzimmer und Plätze in den Flugzeugen eingekauft.

„Wer eine Pauschalreise gebucht hat und innerhalb der nächsten fünf bis sieben Tage nach Dubai, Jordanien oder ein anderes Land in der Krisenregion fahren wollte, kann die Reise jetzt stornieren, ohne dass ihm Kosten entstehen“, sagte der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karimi dem Tagesspiegel. Ist die Reise allerdings erst im April oder Mai geplant, geht das bislang nicht.

Allerdings sagen die Reiseveranstalter derzeit aktuelle Reisen in die Golfregion auch von sich aus ab. Die Rewe-Touristiktochter Dertour (Dertour, IST, Meiers Weltreisen) hat alle Reisen in die von der offiziellen Reisewarnung betroffenen Gebiete bis einschließlich Donnerstag storniert. Reisende können kostenfrei auf ein späteres Reisedatum umbuchen oder erhalten alternativ den Reisepreis zurück.

Auch Deutschlands größter Reiseveranstalter, die Tui, sagt Pauschalreisen in die Golfregion ab. Details stehen noch nicht fest, aber wahrscheinlich sind alle Reisen mit Abreise in dieser Woche betroffen, sagte ein Sprecher.

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