Der erste Quartalsbericht PayPals nach dem milliardenschweren Übernahmeangebot des Zahlungsabwicklers Stripe und des Private-Equity-Unternehmens Advent zeigt einen steigenden Umsatz und eine leicht erhöhte Marge pro Transaktion. Zwar gehen die Gewinne etwas zurück und auch der Ausblick ist verhalten, aber die Aktie zieht trotzdem etwas an. Das dürfte auch daran liegen, dass der neue PayPal-Chef eine Übernahme nicht grundsätzlich ausschließt. Laut Enrique Lores werde sein Unternehmen alle Möglichkeiten prüfen, die für Anleger vorteilhaft sein könnten.
Mitte dieses Monats wurde berichtet, dass Stripe und Advent 60,50 US-Dollar pro Aktie für die PayPal-Übernahme bezahlen wollen. Das liegt deutlich über den letzten Kursen und das Übernahmeangebot würde damit insgesamt 53 Milliarden Dollar umfassen. Zwar hat sich PayPal bislang nicht dazu geäußert, aber kurz darauf hieß es, dass der PayPal-Vorstand das erste Übernahmeangebot als unzureichend betrachtet. Offenbar bleibt PayPal trotz langer Talfahrt weiter zuversichtlich in der eigenen Entwicklung.
PayPal-CEO offen für Übernahme – bei gutem Angebot
Auch bei der gestrigen Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen wollte sich das PayPal-Management nicht konkret zu dem Übernahmeangebot von Stripe und Advent äußern, schreibt das Wall Street Journal. „Unser Verwaltungsrat und unser Führungsteam sind offen dafür – und sehen es als klare Verantwortung –, jede uns unterbreitete Gelegenheit objektiv zu prüfen, sie mit unserer eigenen Planung zu vergleichen und die Option zu wählen, die mehr Wert schafft“, erklärte Lores demnach.
Aktuell fokussiert sich PayPal aber auf die eigene Kehrtwende. „Wir haben eine sehr klare Vorstellung von dem Wert, den wir in den kommenden Jahren schaffen können“, so Lores weiter. Er war Anfang März als früherer HP-Chef zu PayPal gewechselt, um den Zahlungsabwickler wieder in die Spur zu bringen. Denn Anfang dieses Jahres hatte die PayPal-Aktie rund 17 Prozent eingebüßt. Daraufhin baute der neue PayPal-CEO den Zahlungsdienstleister um und setzte auf das Kerngeschäft und Sparmaßnahmen
Umsatz gestiegen, Gewinne aber fallen
Diese Strategie zeigte laut Lores im zweiten Quartal erste positive Ergebnisse. Der Nettoumsatz ist laut Quartalsbericht im Jahresabstand um 5 Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar gestiegen, was über den von Analysten erwarteten 8,47 Milliarden Dollar liegt. Der Betriebsgewinn gab dagegen um 5 Prozent nach und fiel auf 1,4 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn ist im Jahresvergleich sogar um 12 Prozent auf zuletzt 1,1 Milliarden Dollar gesunken.
Dabei ist die Zahl der Transaktionen im zweiten Vierteljahr um 8 Prozent auf 6,75 Milliarden und der damit verbundene Gesamtwert sogar um 10 Prozent auf 486,45 Milliarden Dollar gestiegen. Die Zahl aktiver PayPal-Konten ist mit 0,3 Prozent nur minimal auf 439 Millionen gestiegen, wobei die monatlich aktiven Nutzer um 1 Prozent auf 228 Millionen gewachsen ist. Dies führt PayPal auf die gestiegene Popularität der Geldtransfer-App Venmo zurück, insbesondere bei US-Teenagern. Venmo ist laut PayPal auch der Grund, dass sich die die Transaktionsmargen-Dollar um 1 Prozent auf 3,9 Milliarden erhöhten, ohne die Verzinsung von Kundenguthaben sogar um 3 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar.
Ausblick eher bescheiden
Für das derzeit laufende dritte Quartal erwartet PayPal einen Rückgang des Gewinns pro Aktie im niedrigen einstelligen Bereich. Im Gesamtjahr geht der Finanzdienst von einem Rückgang im mittleren einstelligen Bereich aus. Dabei soll die Transaktionsmarge aber weiter leicht wachsen. Der Aktienkurs von PayPal ist am gestrigen Börsentag um weitere 4 Prozent gestiegen und hat im nachbörslichen Handel lediglich minimal nachgegeben. Trotzdem bleibt der Wert des Papiers mit 58 Dollar weiter unter den für das Übernahmeangebot genannten 60,50 Dollar.
(fds)










English (US) ·