Die Lage am Abend Mer losse d’r Dom en Kölle – nur zahlen wir bald dafür
02.06.2026, 17.29 Uhr
Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar.
1. Assauers Erben
Dass viele Familien dysfunktional sind, wissen wir. Aber was meine Kollegin Julia Jüttner heute berichtet, klingt unterirdisch: Die Staatsanwaltschaft Essen hat die Tochter des langjährigen Schalke-Managers Rudi Assauer und dessen Ex-Privatsekretärin angeklagt, wegen des Vorwurfs des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs. Rudi Assauer starb 2019 mit 74 Jahren, in den Jahren zuvor litt er unter einer Alzheimer-Erkrankung und lebte bei seiner Tochter Bettina Michel. Die ist jetzt angeklagt (hier mehr dazu ).
Michel und Assauers Sekretärin Sabine Söldner sollen laut Anklage gemeinsam mit einem inzwischen verstorbenen Arzt, einem langjährigen Freund Assauers, und einem Fußballtrainer, den Assauer von Schalke kannte, als »Bande« agiert haben. Zu viert sollen sie Assauers Gesundheitszustand ausgenutzt und 767.000 Euro ergaunert haben.
Die Staatsanwaltschaft sieht Assauers Tochter als womöglich »treibende Kraft«, die sich jeden Monat 3500 Euro überweisen ließ für den Lebensunterhalt ihres kranken Vaters, das Geld aber nicht oder kaum in seine Pflege investiert haben soll. Assauer habe in einem zu kleinen Bett schlafen müssen und keine »vernünftigen Schuhe« besessen.
Nun ist eine Anklage noch kein Urteil. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die beiden Frauen bestreiten die Taten. Aber sollte das, was den Frauen in der Anklage vorgehalten wird, wahr sein, kann man nur sagen: So ein Ende wünscht man nicht mal seinem größten Feind.
2. Iran droht
Eigentlich haben Israel und die libanesische Regierung Mitte April eine Waffenruhe geschlossen. Doch die mit Iran verbündete Hisbollah-Miliz lehnt Verhandlungen mit Israel ab. Der Krieg geht weiter, Israel und Hisbollah greifen sich täglich an.
Deshalb hat Iran nun mit einem Abbruch der Verhandlungen mit den USA gedroht. Sollte »die israelische Aggression gegen den Libanon« andauern, werde man »nicht nur den Verhandlungsweg stoppen, sondern auch in eine direkte Konfrontation mit dem Feind treten«, schrieb Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf auf X. (hier mehr dazu).
US-Präsident Donald Trump betonte hingegen auf Truth Social, die Gespräche mit Teheran würden in »schnellem Tempo« fortgeführt. Israel und die Hisbollah-Miliz würden ihre gegenseitigen Angriffe vorerst stoppen, außerdem entsende Israel – anders als angedroht – keine Truppen in die libanesische Hauptstadt Beirut.
Der israelische Präsident Benjamin Netanyahu gab kurz darauf eine Erklärung ab, in der von einer neuen Waffenruhe keine Rede war. Allerdings schien er von seiner Ankündigung abzurücken, die Hisbollah in den südlichen Vororten Beiruts angreifen zu lassen. Einigkeit sieht anders aus.
Die Kämpfe zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah sind einer der Knackpunkte der Verhandlungen über ein Ende des Kriegs der USA gegen Iran. Während die Gespräche andauern, schafft Israel Tatsachen und verwüstet den Süden des Libanon.
Hier mehr über das Vorgehen Israels im Libanon: Israel verwüstet den Südlibanon – wie Gaza
3. Kölner Dom kostet demnächst Eintritt
Sollten Sie in den nächsten vier Wochen in Köln sein und wollten den Dom schon immer mal besichtigen, rate ich Ihnen: Tun Sie es. Denn ab 1. Juli müssen Sie dafür zwölf Euro Eintritt zahlen (hier mehr).
Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, teilte das Domkapitel mit. Man habe seit 2019 sechs Jahre in Folge Minus gemacht.
Natürlich gibt es zahlreiche Ausnahmen und Ermäßigungen: Für Gottesdienstbesucher und Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt der Dom kostenfrei; beim Nordeingang können Menschen einen kleinen Bereich zum Beten gratis nutzen. An einigen besonderen Feiertagen soll der Zugang komplett kostenfrei bleiben.
Andere Kathedralen wie der Mailänder Dom oder die Londoner St.-Pauls-Kathedrale kosten schon lange Eintritt. Gegner aber befürchten, dass der Dom seine Funktion als für alle zugängliches Herz der Stadt einbüßen wird, wenn der Besuch nicht mehr frei ist.
Touristen machen Dompropst Guido Assmann zufolge etwa 99 Prozent der Dombesucher aus.
Mein Kollege Christian Düren hat mit der Domschweizerin Nicole Arnold-Reitgruber gesprochen. Sie bewacht den Kölner Dom beruflich und erzählt von Besuchern, die auf dem glatten Boden Rollschuh fahren oder eine Schlange aus dem Rucksack holen. Besonders beliebt sei das Auf-den Altar-springen-und-singen. Mit dem Eintrittsgeld verbindet sie eine Hoffnung: "Wer einen kleinen Obolus zahlt, wertschätzt den Besuch im Kölner Dom vielleicht wieder mehr."
Lesen Sie hier mehr: Der Kölner Dom kostet bald zwölf Euro Eintritt
Was heute sonst noch wichtig ist
Ungarns neuer Premier Magyar will nächste Woche Selenskyj treffen: Unter Premier Orbán war Ungarn der große Bremser und Verhinderer in der EU, wenn es um Hilfe für die von Russland überfallene Ukraine ging. Sein Nachfolger Péter Magyar setzt ein anderes Zeichen, stellt aber auch Bedingungen.
Internationale Geldgeber investieren Millionen in Ebolaimpfstoffe: Die Zahl der Ebolainfizierten in Zentralafrika wächst. Im Kampf gegen die tödliche Krankheit bekommen Firmen und Forscher nun Finanzhilfen, ein großer Betrag geht an den US-Hersteller Moderna.
Tram in Berlin entgleist und aufgerissen – 20 Verletzte: Im Osten Berlins ist eine Straßenbahn entgleist. Drei Menschen wurden schwer verletzt.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Warum viele Tofu-Regale im Supermarkt leer bleiben
Ich habe heute Tempeh zu Mittag gegessen. Ist gesund, proteinreich und macht satt. Und anders als Tofu – der andere gesunde Fleischersatz – ist es noch problemlos im Supermarkt erhältlich. Denn offenbar boomt Tofu so sehr, dass die Produzenten kaum nachkommen. Warum sich an dem Engpass so schnell nichts ändern wird, erklären meine Kolleginnen Maria Marquardt und Kristina Gnirke hier: Deutschlands Tofu-Dilemma
Was heute weniger wichtig ist
Aus der österreichischen Lokalzeitung »MeinBezirk«
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Doku-Protagonist Merlin: 20 Stunden Bildschirmzeit
Foto:Maciej Rolbiecki / ZDF
Studien zufolge halten 75 Prozent der Jugendlichen den Sex in Pornos für realistisch. Auch wenn darin geprügelt, gewürgt und doppelt penetriert wird. Das ist die Ausgangslage für den Doku-Dreiteiler »Generation Porno – was unsere Kinder online sehen«, der heute Abend im ZDF und jetzt bereits in der ZDF-Mediathek zu sehen ist. Mein Kollege Christian Buß findet die Doku bemerkenswert, denn »der Impetus ist aufklärerisch, der Tonfall aber selten alarmistisch«. (Lesen Sie hier seine Rezension .)
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Laura Backes, Autorin

vor 1 Tag
1










English (US) ·