Nahost: USA rufen Bürger zur sofortigen Ausreise aus Nahem Osten auf

vor 1 Tag 3

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Israel weitet Einsatz in Libanon aus

Roter Halbmond spricht von fast 800 Toten in Iran

Erstes Flugzeug von Dubai unterwegs nach Frankfurt 

Teheran und Beirut unter Beschuss

Tui plant Rückholung von Urlaubern aus dem Nahen Osten - erste Flüge nach München

Katja Guttmann

USA rufen Bürger zur sofortigen Ausreise aus Nahem Osten auf

Das US-Außenministerium fordert Amerikaner zur sofortigen Ausreise aus mehr als einem Dutzend Ländern im Nahen Osten auf. Dies solle auf regulärem Weg geschehen, teilt die zuständige Abteilungsleiterin Mora Namdar mit. Auf der Warnliste stehen Bahrain, Ägypten, Iran, Irak, Israel, das Westjordanland und der Gazastreifen, Jordanien, Kuwait, Libanon, der Oman, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jemen. Zuvor hatten die USA die Botschaften in Saudi-Arabien und Kuwait geschlossen, nachdem sie von Drohnen getroffen wurden. 

Zur Begründung verwies eine Vertreterin des Ministeriums auf der Plattform X auf „schwerwiegende Sicherheitsrisiken“. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, rät US-Bürgern in Israel, die das Land verlassen möchten, dies über Ägypten zu tun. In einem Video auf sozialen Medien erklärt Huckabee, das das Tourismusministerium Busverbindungen von Herzliya, Tel Aviv, Haifa und Jerusalem nach Taba, direkt hinter der Grenze zu Ägypten, anbietet. Dort gebe es „begrenzte” Flüge, oder man könne mit dem Bodenverkehr nach Kairo fahren, „wo der Flughafen normal und effizient funktioniert”, mit Ausnahme von Flügen zu Zielen im Nahen Osten.

Nadja Lissok

Die Lage im Überblick

  • Israel und USA greifen Iran weiter an, das Land reagiert mit Gegenangriffen auf Israel.
  • Der Konflikt hat sich mittlerweile auf die gesamte Region ausgeweitet: Iran hat mutmaßlich US-amerikanische Stützpunkte und Botschaften in Riad und Kuwait-Stadt angegriffen.
  • Israel attackiert zusätzlich die von Iran finanzierte Hisbollah-Miliz in Libanon, diese hat Israel ebenfalls beschossen.
  • Außerdem hat Iran die für Öltanker strategisch wichtige Straße von Hormus für geschlossen erklärt.
  • Zehntausende Deutsche sitzen nach wie vor in der Region fest. Tui plant erste Rückholungen ihrer Kunden bereits für Dienstag.

Dominik Fürst

Erstes Flugzeug aus Dubai in Frankfurt gelandet

Ein erstes Flugzeug der emiratischen Airline Emirates aus Dubai ist nach zahlreichen Flugausfällen in Frankfurt am Main gelandet. Der Linienflug landete der dpa zufolge um kurz nach 13.30 Uhr. Die Airline äußerte sich bislang nicht dazu, wie viele Passagiere an Bord waren.

Wegen der Eskalation des Nahost-Konflikts seit dem Wochenende sitzen derzeit Zehntausende Menschen fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. Viele Staaten haben ihren Luftraum geschlossen, Kreuzfahrtschiffe liegen in Häfen fest. 

Christoph Heinlein

Iran verbietet Export von Lebensmitteln

Angesichts des Kriegs hat Iran sämtliche Lebensmittelexporte verboten. Einem Regierungsbeschluss zufolge sei auch die Ausfuhr von Agrarprodukten bis auf Weiteres untersagt worden, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Die Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern sei zur Priorität erklärt worden. 

Christoph Heinlein

Oman fängt Drohnen ab

Der Oman hat nach eigenen Angaben zwei Drohnen in Dhofar im Süden des Sultanats abgefangen. ​Eine dritte sei in der Umgebung des Hafens Salalah zerschellt, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur. Verletzte habe es nicht gegeben. 

Nadja Lissok

Israel greift Regierungsgebäude in Teheran an 

Israels Luftwaffe hat nach eigenen Angaben in der iranischen Hauptstadt Teheran wichtige Regierungsgebäude angegriffen. In der vergangenen Nacht hätten Kampfflugzeuge mehrere Ziele attackiert, teilte die israelische Armee mit. Darunter seien das Präsidentenbüro sowie Orte, an denen der mächtige Sicherheitsrat tagt, und ein Gebäude des Expertenrats, eines wichtigen Gremiums aus 88 Geistlichen. Das Militär bezeichnete den angegriffenen Komplex in einer Mitteilung als „wichtigstes und zentralstes Hauptquartier“ der Staatsführung. In ihm hätten sich hochrangige iranische Funktionäre häufig für Lagebeurteilungen getroffen. 

Newsdesk

Bernd Dörries, Kairo

Newsdesk

Israel weitet Einsatz in Libanon aus

Die israelische Armee (IDF) hat ihre Besatzung im Süden von Libanon ausgeweitet. Zusätzlich zu den bereits bestehenden fünf Stützpunkten auf libanesischem Territorium hat die IDF weitere „strategische Punkte“ besetzt, wie Verteidigungsminister Israel Katz mitteilte. Man wolle dadurch den direkten Beschuss Israels verhindern. Die von Iran aus finanzierte und gesteuerte libanesische Hisbollah-Miliz hatte am Montagmorgen erste Drohnen und Raketen in Richtung Haifa abgefeuert, Israel hatte mit der Bombardierung Dutzender Ziele im Süden des Landes und den Vororten von Beirut geantwortet. Die Hisbollah hat auch eine Drohne auf einen britischen Marinestützpunkt auf Zypern gestartet, die dort geringen Schaden anrichtete. Die Hisbollah feuerte auch am Dienstag weitere Drohnen auf Israel ab, gegen den entschiedenen Willen der libanesischen Regierung, die die Miliz entwaffnen will.

Das israelische Militär forderte die Bewohner von über zwei ​Dutzend Ortschaften im Süden Libanons zum Verlassen ihrer Siedlungen auf. Seit Beginn der Feindseligkeiten zwischen Israel und der Hisbollah haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mindestens 30 000 Menschen in Libanon Schutz in Notunterkünften gesucht.

Katja Guttmann

Stiller Protest von Irans Fußballerinnen

Vor ihrer Partie beim Asien-Cup in Australien haben Irans Fußballerinnen beim Abspielen ihrer Nationalhymne geschwiegen. Weder die Spielerinnen noch der Trainerstab sang mit, wie auf Bildern zu sehen war. Dass die Iranerinnen das Spiel gegen Südkorea mit 0:3 verloren, rückte angesichts der Eskalation im Nahen Osten in den Hintergrund.

Auch einige Fans auf den Tribünen trugen den Protest mit. Auf Bildern war zu sehen, wie viele Anhänger Flaggen aus der Zeit vor der Islamischen Revolution 1979 hochhielten. Im Vergleich zur aktuellen Flagge ist in der Mitte kein rotes Emblem zu sehen, sondern ein goldener Löwe und eine Sonne. 

Nadja Lissok

IAEA: Schäden an Eingang der Urananreicherungsanlage

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) bestätigt infolge des Krieges neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natans. Die Organisation geht nicht davon aus, dass radioaktive Strahlung freigesetzt wird. Auch an der Anlage selbst seien keine Auswirkungen festgestellt worden. Am Montag hatte IAEA-Chef Rafael Grossi in einer Sondersitzung des IAEA-Gouverneursrates noch berichtet, dass es im Zuge der jüngsten israelischen und US-amerikanischen Angriffe keine Anzeichen auf Treffer oder Schäden an Atomanlagen Irans gebe. Teherans Vertreter bei der IAEA, Resa Nadschafi, hatte dagegen von einem Angriff auf die Anlage in Natans gesprochen. 

Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Einrichtungen des iranischen Atomprogramms bombardiert und schwer beschädigt – darunter auch Natans, wo die Anlage zur Anreicherung von Uran steht. Die Technologie kann zur Herstellung von Reaktor-Brennstoff oder auch Atomwaffen genutzt werden. Teheran bestreitet aber, solche Waffen zu entwickeln. 

Nadja Lissok

Roter Halbmond spricht von fast 800 Toten in Iran

In Iran sind bei den israelisch-amerikanischen Angriffen nach Angaben des örtlichen Roten Halbmonds mindestens 787 Menschen ums Leben gekommen. Die Hilfsorganisation berichtete auf Telegram von Attacken in 153 Städten. Mehr als 3600 Mitarbeiter der Rettungsdienste seien landesweit im Einsatz. An vielen Orten werden demnach Such- und Bergungsarbeiten fortgesetzt.

Die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw sprach am Montag sogar von mehr als 1500 Todesopfern. Rund 1300 der Toten seien Mitglieder der Streitkräfte, etwa 200 Zivilisten. Die Aktivisten stützen sich bei ihrer Arbeit auf ein Netzwerk von Kontakten im Land. 

Katja Guttmann

Erstes Flugzeug von Dubai unterwegs nach Frankfurt 

Ein erstes Flugzeug der emiratischen Airline Emirates ist nach den zahlreichen Flugausfällen wegen des Iran-Krieges nun von Dubai nach Frankfurt am Main unterwegs. Eine Sprecherin der Fraport, der Betreibergesellschaft des bundesweit größten Flughafens bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den Flug. Laut der Fraport-Ankunftsseite im Internet wird die Maschine am frühen Nachmittag in Frankfurt erwartet.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bieten nach den Stornierungen in den ersten Tagen des Krieges Sonderflüge für gestrandete Passagiere an. Die Fluggesellschaft Emirates erklärte, zunächst Passagiere mit bereits bestehenden Buchungen bevorzugt zu berücksichtigen. Kundinnen und Kunden, die auf einen der eingeschränkt angebotenen Flüge umgebucht worden seien, würden direkt von ihr informiert. Am Samstag hatten die VAE eine teilweise Schließung ihres Luftraums angekündigt und alle Flüge an den Flughäfen von Dubai ausgesetzt.

Nadja Lissok

Teheran und Beirut unter Beschuss

Die iranische Hauptstadt Teheran ist erneut von schweren Bombardierungen erschüttert worden. Auch am Rand der östlichen Pendlerstadt Pardis schlugen rund ein Dutzend Raketen ein, wie iranische Medien berichteten. In den Hochhäusern der Neubaugebiete zitterten die Fenster, wie Bewohner der Deutschen Presse-Agentur berichteten. Auf Videos in sozialen Medien waren graue Rauchschwaden über den Hügeln am Rand des Albors-Gebirges zu sehen. Auch in Schiras im Südwesten Irans und in Isfahan im Zentrum der Islamischen Republik sollen Explosionen zu hören sein. Das meldet die iranische Nachrichtenagentur.

Zuvor hatte das israelische Militär angekündigt, parallel Teheran und die libanesische Hauptstadt Beirut anzugreifen. Auch aus Beiruts südlichen Stadtteilen zeigen Bilder Rauchschwaden. Die israelische Armee hatte Anwohner zuvor gewarnt, sich in Sicherheit zu bringen.

Katja Guttmann

Tui plant Rückholung von Urlaubern aus dem Nahen Osten - erste Flüge nach München

Der Reisekonzern Tui rechnet mit der Rückholung seiner im Nahen Osten festsitzenden Kunden binnen einiger Tage. Geplant sei, die Urlauber mit Partner-Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad nach Deutschland zurückzubringen, sagte Vorstandschef Sebastian Ebel im Programm von n-tv. Eine konkrete Zahl nannte er nicht.

„Wir gehen aktuell davon aus, dass wir die ersten Flüge mit diesen Unternehmen und unseren Gästen heute durchführen können“, sagte Ebel. Erste Flüge sollten nach München gehen. Zudem stünden eigene Flugzeuge von Tui Fly bereit. Diese seien „standby, sobald wir die Erlaubnis bekommen, dorthin zu fliegen und Kunden auch möglichst zügig abzuholen“. „Wir sind mit fast 100 Prozent der Gäste über die App in Kontakt“, sagte Ebel. 

Wie schnell die Rückholung abgeschlossen werden könne, hänge von der Sicherheitslage ab. „Das ist heute seriös nicht genau vorherzusagen.“ Er gehe jedoch davon aus, dass es „etwas ist, was einige Tage dauern wird“. Wegen der Eskalation des Nahost-Konflikts seit dem Wochenende sitzen derzeit Zehntausende Menschen fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. 

Katja Guttmann

Ölpreise steigen dritten Tag in Folge - Iran droht Schiffen in Straße von Hormus

Die Ölpreise sind ​am Dienstag den dritten Tag in Folge gestiegen. Zuvor hatte Iran gedroht, auf jedes Schiff zu feuern, das versucht, die Straße von Hormus zu durchfahren. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte ​sich um 1,4 Prozent auf 78,83 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI legte um ein Prozent ⁠auf 71,97 Dollar zu. Ein hochrangiger Vertreter der iranischen Revolutionsgarde erklärte laut iranischen Medien, die Meerenge sei geschlossen. Der unter honduranischer ‌Flagge fahrende Tanker Athe Nova brenne nach einem ‌Drohnenangriff, meldeten iranische Nachrichtenagenturen.

Analysten rechnen in den kommenden Tagen mit weiter steigenden Preisen. Die Investmentbank Bernstein hob ihre Brent-Prognose für 2026 ​von 65 auf ​80 Dollar an und sieht im Extremfall ​eines längeren Konflikts sogar 120 bis 150 Dollar. Saudi-Arabien musste nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie schließen. Die US-Dieselpreise erreichten ein Zweijahreshoch, europäisches Gasöl verteuerte ​sich um 2,7 Prozent.

Die Container-Reedereien Maersk und Hapag-Lloyd haben Schiffsdurchfahrten in der Straße von Hormus ausgesetzt. Durch die Meerenge werden täglich etwa 17 Millionen Barrel Öl transportiert, was rund 20 Prozent der weltweiten Produktion ⁠entspricht. Laut Schiffsdaten lagen am Sonntag mehr als ‌200 Schiffe ‌vor der gesperrten Meerenge vor Anker. 

Viktoria Spinrad

US-Botschaft in Riad angegriffen 

Die US-Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad ist nach vorläufigen saudischen Angaben von zwei Drohnen angegriffen worden. Es sei ein „begrenztes Feuer“ ausgebrochen, aber nur geringer Sachschaden entstanden, teilte ein Sprecher des saudi-arabischen Verteidigungsministeriums mit. Die US-Botschaft empfahl ihren Landsleuten in dem Königreich, sich sofort in Sicherheit zu bringen und die Botschaft bis auf Weiteres zu meiden, da es zu einem Angriff auf die Einrichtung gekommen sei. US-Präsident Trump hat bereits Vergeltung angekündigt. 

Das saudi-arabische Verteidigungsministerium erklärte außerdem, acht weitere Drohnen seien nahe Riad und Al-Chardsch, rund 80 Kilometer weiter südlich, abgefangen und zerstört worden. Auch an der US-Botschaft im kleinen Golfstaat Kuwait war am Montag offenbar ein Feuer ausgebrochen. Augenzeugen hatten der Deutschen Presse-Agentur von aufsteigendem Rauch an dem Gebäude berichtet.

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