Nahost: Trump: Große Angriffswelle steht noch bevor

vor 2 Tage 4

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Irans Raketenprogramm war Bedrohung für USA, sagt Trump

Flugverkehr in Dubai soll wieder anlaufen 

IAEA-Chef: Keine Anzeichen für Atomwaffen-Programm in Iran 

Libanon verbietet Hisbollah militärische Aktivitäten 

Israel greift erneut Teheran an

Julia Daniel

Die Lage im Nahen Osten - ein Überblick

  • Israel und die USA greifen Ziele in Iran an, Iran reagiert mit Vergeltungsschlägen.
  • Bei den Angriffen wurden neben dem geistlichen Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, auch der Chef der iranischen Streitkräfte und zwei weitere hochrangige Vertreter Chameneis getötet.
  • Mindestens 555 Menschen sind bei den Angriffen in Iran ums Leben gekommen.
  • Bei Vergeltungsschlägen sind vier US-Soldaten getötet worden. Auch in Israel gab es Tote.
  • In Dubai, Abu Dhabi, Oman, Katars Hauptstadt Doha und Manama, der Hauptstadt von Bahrain, hat es iranische Drohnenangriffe und Explosionen gegeben.
  • Die libanesische Hisbollah greift Israel an, Israel reagiert mit Gegenangriffen.
  • Der Flugverkehr im Nahen Osten ist weitgehend eingestellt.

Christoph Heinlein

Trump: Große Angriffswelle steht noch bevor

US-Präsident Donald Trump will die Angriffe auf Iran noch verstärken. „Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen“, sagte er in einem Interview dem Sender CNN. „Die große Welle kommt bald.“

Trump sagte, die Attacken liefen bislang sehr gut. „Wir prügeln sie windelweich.“ Er bekräftigte sein Ziel, den Krieg in etwa vier Wochen zu beenden. „Wir sind dem Zeitplan sogar voraus.“ Bislang hätten die USA 49 iranische Anführer ausgeschaltet. „Sie wissen nicht einmal, wer sie derzeit anführt.“

Wir prügeln sie windelweich.

US-Präsident Donald Trump

Als größte Überraschung nannte Trump die Angriffe Irans auf die arabischen Staaten in der Region und deren Reaktion. „Sie wollten sich nur sehr geringfügig beteiligen. Und jetzt bestehen sie darauf, einbezogen zu werden.“

Auch den Einsatz von Bodentruppen will der US-Präsident nicht ausschließen. Er habe keine Angst bei dem Thema, wurde Trump vom Boulevardblatt New York Post zitiert. „Jeder Präsident sagt: ‚Es wird keine Bodentruppen geben.‘ Ich sage das nicht“.  Zuvor hatte sich Verteidigungsminister Pete Hegseth ähnlich geäußert. Ihm zufolge sind bislang keine Bodentruppen in Iran im Einsatz. Darüber hinaus wollte er sich nicht dazu äußern, ob ein Bodeneinsatz künftig ein denkbares Szenario sei.

Die Debatte um die sogenannten „Boots on the ground“, also ob es zum Einsatz von Soldaten auf feindlichem Boden kommt, gilt in den USA als höchst heikel. Seit den langjährigen und verlustreichen Kriegen im Irak und in Afghanistan reagiert die amerikanische Öffentlichkeit besonders sensibel auf die Entsendung von Bodentruppen in den Nahen Osten. 

Christoph Heinlein

Griechenland schickt Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge nach Zypern

Nach dem jüngsten Drohnenangriff auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern verstärkt Griechenland seine militärische Unterstützung für die EU-Inselrepublik. Wie der zyprische Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis mitteilte, landeten am Abend vier griechische F-16-Kampfflugzeuge auf der Insel. Ursprünglich war die Rede von zwei solcher Flugzeuge. In den kommenden Tagen werden auch zwei griechische Fregatten vor Zypern erwartet. Die Kriegsschiffe seien mit modernen Luft- und Drohnenabwehrsystemen ausgestattet, teilte das griechische Verteidigungsministerium mit. 

Christoph Heinlein

Irans Raketenprogramm war Bedrohung für USA, sagt Trump

Iran wäre nach Aussage von US-Präsident Donald Trump schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen US-Territorium zu treffen. „Das Regime verfügte bereits über Raketen, die Europa und unsere Stützpunkte im In- und Ausland erreichen konnten“, sagte Trump bei einer Zeremonie zur Verleihung von Medaillen an Soldaten im Weißen Haus. „Bald hätte es auch Raketen gehabt, die unser schönes Amerika erreichen könnten.“ Er sagte weiter, das ballistische Raketenprogramm Teherans sei „rasant und dramatisch“ gewachsen. Das habe eine klare Bedrohung für Amerika und seine Einsatzkräfte in Übersee dargestellt.

Zudem betonte Trump erneut die Bedrohungslage durch das iranische Atomprogramm. Nach den Angriffen auf Atomanlagen vergangenen Sommer hätten die USA Teheran gewarnt, das Programm nicht andernorts wieder aufzunehmen. „Aber sie haben diese Warnungen ignoriert und sich geweigert, ihr Streben nach Atomwaffen aufzugeben.“ Bei den Verhandlungen habe das iranische Regime immer wieder Rückzieher gemacht.

Christoph Heinlein

Katar meldet Abschuss zweier aus Iran kommender Kampfflugzeuge

Katar hat nach eigenen Angaben zwei aus Iran kommende Flugzeuge abgeschossen. Dabei handele es sich um Flieger vom Typ Suchoi Su-24, teilt das Verteidigungsministerium mit. Weitere Einzelheiten zu dem Vorfall nennt das Ministerium zunächst nicht. Die Flugabwehr habe außerdem sieben ballistische Raketen und fünf Drohnen abgefangen.

Christoph Heinlein

Flugverkehr in Dubai soll wieder anlaufen 

Nach zahlreichen Stornierungen aufgrund des Iran-Krieges bieten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nun Sonderflüge für gestrandete Passagiere an. Die Zivilluftfahrtbehörde forderte in einer Erklärung betroffene Passagiere auf, auf eine Benachrichtigung über ihre neue Abflugzeit zu warten. Die emiratische Fluggesellschaft Emirates gab an, ab Montagabend wieder eine begrenzte Zahl von Flügen aufzunehmen. Wie das Unternehmen erklärte, würden zunächst Passagiere mit bereits bestehenden Buchungen bevorzugt berücksichtigt. Kundinnen und Kunden, die auf einen der eingeschränkt angebotenen Flüge umgebucht worden seien, würden direkt von der Airline informiert.

Zugleich riefen sowohl Emirates als auch die Zivilluftfahrtbehörde Reisende dazu auf, nicht zum Flughafen zu kommen, sofern sie keine entsprechende Benachrichtigung erhalten hätten. Dadurch sollten Menschenansammlungen vermieden und ein reibungsloser Ablauf der Maßnahmen gewährleistet werden. Am Samstag hatten die VAE eine teilweise Schließung ihres Luftraums angekündigt und zugleich alle Flüge an den Flughäfen von Dubai ausgesetzt. 

Christoph Heinlein

Israels Armeechef droht Hisbollah mit vernichtendem Schlag

Israels Generalstabschef Ejal Zamir hat der libanesischen Hisbollah-Miliz mit einem „vernichtenden Schlag“ gedroht. Das israelische Militär werde seinen Einsatz nicht beenden, solange „die Bedrohung aus Libanon“ nicht beseitigt sei, sagte Zamir Armeeangaben zufolge bei einer Lagebesprechung. Israel werde weiterhin auf die im Rahmen eines Waffenruhe-Abkommens vereinbarten Entwaffnung der von Iran unterstützten Miliz pochen, so der israelische Armeechef.

Gerichtet an die Menschen im Norden des Landes, der an Libanon grenzt, sagte er, Israels Armee kontrolliere den Luftraum des Nachbarlandes und werde jede erkannte Bedrohung beseitigen. „Wir werden diesen Einsatz nicht nur damit beenden, dass Iran getroffen worden ist, sondern auch damit, dass Hisbollah einen vernichtenden Schlag erleidet“, so der israelische Armeechef. 

Tobias Bug

Israelisches Militär: Bisher 600 Stellungen in Iran angegriffen

Seit Beginn des Angriffs gegen Iran am Samstag hat die israelische Luftwaffe nach Angaben eines Militärsprechers mehr als 600 Stellungen in dem Land angegriffen. Darunter seien mehr als 20 Ziele iranischer Militärführer, mehr als 150 Boden-Boden-Raketen und mehr als 200 iranische Luftverteidigungssysteme. Aus Iran wurden zahlreiche Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert, aber auch auf US-Ziele in den Golfstaaten.

In Libanon habe Israel mehr als 30 Hisbollah-Ziele angegriffen. Die pro-iranische Miliz in Libanon hatte mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Bisher seien mehr als 110 000 israelische Reservisten in Vorbereitung für Kämpfe an mehreren Fronten mobilisiert worden.

Tobias Bug

US-Verteidigungsminister: Ziel von Iran-Einsatz ist nicht Machtwechsel

Der andauernde Militäreinsatz gegen Iran soll US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zufolge nicht zu einem Machtwechsel in Teheran führen. „Dies ist kein sogenannter 'Regimewechselkrieg', aber das Regime hat sich tatsächlich geändert, und die Welt ist dadurch besser dran“, sagte er auf einer Pressekonferenz. Er behauptete, dass die USA nicht den Krieg begonnen hätten – „aber unter Präsident Trump beenden wir ihn.“

Zuvor hatten Trump und auch Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu indes deutlich gemacht, dass sie mit den Angriffen auf die Führungsriege des Landes den Weg für einen Machtwechsel ebnen wollen.

Hegseth bekräftigte das Ziel eines zeitlich begrenzten Krieges im Nahen Osten. „Dies ist nicht der Irak. Dies ist kein endloser Krieg“, sagte er. Die USA haben Hegseth zufolge ihre Lehren aus der Vergangenheit gezogen und gehen mit einem klaren Fokus in den Krieg: „Die Raketenbedrohung zerstören, die Marine zerstören, keine Atomwaffen.“ Präsident Donald Trump hatte zuvor vier Wochen als eine wahrscheinliche Dauer für den Krieg genannt. „Es wird vier Wochen dauern – oder weniger“, sagte er in einem Interview.

Tobias Bug

Augenzeuge: Hunderte Iraner überqueren Grenze zur Türkei

Hunderte Iraner überqueren einem Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge am Grenzübergang Kapiköy die Grenze zur Türkei. Einreisende berichten von Angst in der Hauptstadt Teheran, Bombardierungen militärischer Ziele und langen Schlangen an Tankstellen. Am Morgen hatte die Türkei den Grenzverkehr für Tagesausflügler noch ausgesetzt. Der türkische Handelsminister ​Ömer Bolat erklärt, der Frachtverkehr laufe unter kontrollierten Bedingungen weiter.

Julia Daniel

IAEA-Chef: Keine Anzeichen für Atomwaffen-Programm in Iran 

Aus Sicht der UN-Atomwächter hat es keine Anzeichen für ein Kernwaffen-Projekt in Iran gegeben. „Wir sehen kein strukturiertes Programm zur Herstellung von Atomwaffen“, antwortete der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in einer Pressekonferenz in Wien auf eine entsprechende Frage einer Journalistin.

US-Präsident Trump hatte als Begründung für die jüngsten Angriffe auf Iran unter anderem behauptet, dass die Islamische Republik dabei sei, ihr Nuklearprogramm zur Entwicklung von Atomwaffen wieder aufzubauen. 

Grossi schloss aber nicht aus, dass die aktuellen Militärschläge auf politischen Erwägungen beruhten, oder auf weiteren Informationen zum iranischen Atomprogramm, die der IAEA nicht vorlägen. Angesichts des Umfangs des Atomprogramms müssten IAEA-Inspektionen jedenfalls so bald wie möglich wiederaufgenommen werden, betonte Grossi.

Julia Daniel

Libanon verbietet Hisbollah militärische Aktivitäten 

Die libanesische Regierung hat die militärischen Aktivitäten der von Iran unterstützten Hisbollah-Miliz für illegal erklärt. Das kündigte Ministerpräsident Nauaf Salam in einer Fernsehansprache an. Damit verändert sich der Status der Gruppe von einer teilweise geduldeten Widerstandsbewegung zu einer verbotenen Organisation.

Salam betonte mit Blick auf den jüngsten Beschuss der Hisbollah auf Israel, dass Raketenangriffe vom libanesischen Staatsgebiet eine Verletzung von Waffenruheabkommen und Regierungsentscheidungen darstellen. „Der Staat lehnt jede militärische Aktion von seinem Territorium aus entschieden ab“, sagte er. Die Entscheidung über „Krieg und Frieden“ liege ausschließlich beim Staat. Das Armeekommando wurde angewiesen, den Entwaffnungsplan sofort voranzutreiben, insbesondere die Beschlagnahme von Waffen nördlich des Litani River. Seit November 2024 gilt eigentlich eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah, die beide Seiten aber regelmäßig missachten. 

Julia Daniel

Israel greift erneut Teheran an

Auch an diesem Montag melden iranische Medien mehreren Explosionen in der Hauptstadt. Fast zeitgleich kündigt Israel neue Angriffe auf Teheran an. 

Gestützt auf Geheimdienstinformationen ziele der Angriff „im Herzen von Teheran“ auf Sicherheitseinrichtungen des Landes, teilte das Militär mit. Zuvor hatte ein Sprecher bekanntgegeben, dass zwei Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstministeriums getötet worden seien, darunter ein für Israel zuständiger Beamter.

Augenzeugen in Teheran bestätigten schwere Bombardierungen in der Stadtmitte. Sie sollen sich in der Nähe des Parlaments ereignet haben. Auch im Norden der Millionenmetropole mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern wurden Raketeneinschläge beobachtet. 

Julia Daniel

Abgestürzte US-Kampfflugzeuge über Kuwait: Absturzgrund war "friendly fire"

Laut einer Mitteilung des für den Nahen Osten zuständigen Regionalkommandos (Centcom) auf der Plattform X war der Grund für den Absturz von drei US-amerikanischen F-15E Flugzeugen der irrtümliche Beschuss verbündeter Truppen. Die kuwaitischen Truppen hätten die US-Kampfflugzeuge abgeschossen, heißt es in der Mitteilung weiter. Alle sechs Crewmitglieder hätten die Maschinen rechtzeitig verlassen können, seien aufgefunden worden und befänden sich in stabilem Zustand. Kuwait hätte das "friendly fire" zugegeben. Die USA seien Kuwait dankbar für dessen Unterstützung in der laufenden Militäraktion gegen Iran. Der Vorfall werde weiterhin untersucht.

Julia Daniel

Iranischer Diplomat: Atomanlage Natans angegriffen 

Im Zuge der Angriffe Israels und der USA auf Iran ist nach Angaben eines hochrangigen iranischen Diplomaten die wichtige Atomanlage in Natans angegriffen worden. Wie Resa Nadschafi, Teherans Vertreter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, vor Journalisten sagte, erfolgte die Attacke am Sonntag.

Kurz zuvor hatte IAEA-Chef Rafael Grossi in einer Sondersitzung des IAEA- Gouverneursrates berichtet, dass es im Zuge der jüngsten israelischen und US-amerikanischen Angriffe keine Anzeichen auf Treffer oder Schäden an Atomanlagen Irans gebe.
 
Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Einrichtungen des iranischen Atomprogramms bombardiert und schwer beschädigt – darunter auch Natans, wo eine Anlage zur Anreicherung von Uran steht. Die Technologie kann zur Herstellung von Reaktor-Brennstoff oder auch Atomwaffen genutzt werden – Teheran bestreitet aber, solche Waffen zu entwickeln. 

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