Als Reaktion auf einen Hisbollah-Angriff hat Israel mehrere Ziele im Libanon attackiert. Die israelische Regierung droht mit weiterer Vergeltung, Frankreich mahnt.
Quelle: DIE ZEIT, AFP, KNA, dpa, yer 19. Juni 2026, 14:30 Uhr
Israel hat in der Nacht auf Freitag erneut Ziele im Libanon attackiert. Die israelische Armee teilte mit, man habe damit auf Verstöße gegen die Waffenruhe durch die Hisbollah reagiert. Man habe mehr als 80 Ziele attackiert, darunter zwei Kommandozentren der Hisbollah. »Dutzende Hisbollah-Terroristen« seien getötet worden.
Zuvor hatte die israelische Armee gemeldet, dass vier eigene Soldaten bei Hisbollah-Angriffen im Süden des Libanon getötet worden seien. Die mit dem Iran verbündete Miliz hatte mitgeteilt, israelische Streitkräfte in der Nähe der Ali-Taher-Hügel nahe der Stadt Nabatäa mit »Raketen und Mörsergranaten« beschossen zu haben.
Rechtsextremer Minister spricht Drohungen aus
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, die Hisbollah werde für die Angriffe »einen sehr hohen Preis« bezahlen. Um die Orte im Norden Israels zu schützen, werde Israels Armee »so lange wie nötig in der Sicherheitszone im Süden des Libanon bleiben«. Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir schrieb auf X, »der gesamte Libanon« solle »brennen«. Für jede Träne einer israelischen Mutter »sollen tausend libanesische Mütter weinen«. Der ebenfalls rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb auf X: »Zeit, mit Feuer zu sprechen. Die Pforten der Hölle zu öffnen.«
Die von den USA und dem Iran unterzeichnete Rahmenvereinbarung fordert ein Ende des Krieges auch im Libanon. Israel und die Hisbollah sind allerdings keine Vertragsparteien. Der Iran besteht darauf, dass sich Israel aus dem Südlibanon zurückzieht, den es seit März in weiten Teilen besetzt hält, doch das Rahmenabkommen verlangt dies nicht ausdrücklich und bekräftigt lediglich die Verpflichtung zur Gewährleistung der »territorialen Integrität« des Libanon.
Verschiebung der USA-Iran-Gespräche laut Berichten wegen Lage im Libanon
US-Vizepräsident JD Vance hatte am Donnerstag gesagt, dass Israel zwar das Recht auf Selbstverteidigung habe, den Friedensprozess aber respektieren müsse. Militärische Gewalt und Bomben seien keine dauerhafte Lösung für Israels strategische Herausforderungen.
Eigentlich für Freitag geplante Gespräche zur Ausgestaltung des Rahmenabkommens in der Schweiz wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Axios sagte ein hochrangiger US-Beamter, einer der Gründe für die Verschiebung der Reise der iranischen Delegation sei möglicherweise die Lage im Libanon. Das libanesische Nachrichtenportal Al- Majadin, das der Hisbollah nahesteht, berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte iranische Regierungsquellen, Iran werde an den Gesprächen wegen der israelischen Luftschläge im Libanon zunächst nicht teilnehmen.
Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot ermahnte Israel zur Einhaltung des Waffenstillstands. Das Abkommen zwischen Iran und den USA sehe die Einstellung der Kampfhandlungen vor. »Die israelische Regierung muss es respektieren, und die USA müssen ihrerseits Druck auf die israelische Regierung ausüben, damit dies geschieht«, sagte Barrot dem Sender FranceInfo.
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