Nahost: Israel bombardiert Ziele in ganz Libanon – Reaktion auf Hisbollah-Angriff

vor 2 Tage 5

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Kleinere vierstellige Zahl an EU-Bürgern ist noch in Iran

Deutschland, Frankreich und Großbritannien drohen Iran, „verhältnismäßige militärische Defensivmaßnahmen“ zu ermöglichen

Trump: Krieg könnte vier Wochen dauern

Schwere Explosionen erschüttern Teheran

Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad laut Bericht bei Luftangriff getötet - seine Partei dementiert

Israel bombardiert nach Hisbollah-Angriff Ziele in ganz Libanon

Das israelische Militär greift nach eigenen Angaben Ziele der Hisbollah in ganz Libanon an. Zuvor hatte die radikal-islamische Miliz Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert, was dem israelischen Militär zufolge einen Raketenalarm im Norden Israels auslöste. Die Hisbollah bezeichnete den Angriff als Vergeltung für die Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei bei einem israelischen Luftangriff am Samstag in Irans Hauptstadt Teheran. Das teilte die von Iran unterstützte Miliz in der Nacht mit. Kurz darauf begann die israelische Armee nach eigenen Angaben Stellungen der Hisbollah im nördlichen Nachbarland zu bombardieren. Augenzeugen berichteten von Explosionen auch in südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut, einer Hochburg der Schiiten-Milz.

Man werde gegen die Entscheidung der Hisbollah, sich an den iranischen Gegenangriffen zu beteiligen, vorgehen und nicht zulassen, dass die Miliz eine Bedrohung für den Staat Israel darstellt, teilte die israelische Armee mit. Sie fing kurz zuvor nach eigenen Angaben ein Geschoss der Hisbollah ab, mehrere andere seien in offenem Gelände niedergegangen.

Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel im November 2024, dass die von Iran unterstützte Schiiten-Miliz Israel mit Raketen angegriffen hat. Nach den jüngsten amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran hatte die Miliz den Verbündeten in Teheran ihre Solidarität zugesagt. Die USA und Israel würden von der Konfrontation "nichts außer Versagen ernten", teilte das Medienbüro der Organisation mit.

Die Folgen der "verräterischen Gewalt" der USA und Israels würden sich auf die gesamte Region auswirken, erklärte die Miliz. Sie gilt als einer der stärksten nicht staatlichen Akteure weltweit. Auch nach dem jüngsten Krieg mit Israel, in dem die Miliz stark geschwächt wurde, soll sie noch über Zehntausende Kämpfer und große militärische Fähigkeiten verfügen. Seit Monaten gibt es einen Konflikt über die Frage, ob und wie die Hisbollah ihre Waffen abgeben soll.

Julia Daniel

Die Lage im Nahen Osten - ein Überblick

  • Israel und die USA haben am Samstagmorgen Ziele in Iran aus der Luft angegriffen. Am Sonntag gehen die Angriffe der israelischen Luftwaffe auf Ziele in Iran weiter.
  • Bei den Angriffen wurden neben dem geistlichen Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, auch der Chef der iranischen Streitkräfte und zwei weitere hochrangige Vertreter und Familienangehörige Chameneis getötet.
  • Iran reagiert mit Vergeltungsschlägen.
  • Bei iranischen Angriffen auf Israel hat es in Tel Aviv und Bet Schemesch bei Jerusalem Tote und Verletzte gegeben. 
  • Die Flughäfen von Abu Dhabi und Dubai waren am Samstag Ziel von Angriffen. Der Flugverkehr im Nahen Osten ist weitgehend eingestellt.
  • In der katarischen Hauptstadt Doha sowie Manama, der Hauptstadt von Bahrain, hat es am Sonntagmorgen Explosionen gegeben. 
  • Auch in Oman hat es Drohnenangriffe gegeben. Vor der Küste des Golfstaates, in der Straße von Hormus, sind Öltanker angegriffen worden.
  • Proiranische Demonstrierende haben versucht, die US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad sowie das US-Konsulat in Karachi, Pakistan, zu stürmen. Dabei hat es Tote gegeben.

Israels Armee: Ranghohe Hisbollah-Mitglieder attackiert

Die israelische Armee hat bei nächtlichen Angriffen in der libanesischen Hauptstadt Beirut nach eigenen Angaben ranghohe Mitglieder der mit Iran verbündeten Hisbollah-Miliz angegriffen. Wie die Armee weiter mitteilte, sei ein weiterer wichtiger "Hisbollah-Terrorist" im Süden des Libanons getroffen worden.

USA informieren Kongress über Angriffe auf Iran

Die US-Regierung hat den Kongress über ihre Militärschläge gegen Iran informiert. Am Sonntag seien zunächst Mitarbeiter von Sicherheitsausschüssen im US-Senat und Repräsentantenhaus über den Angriff unterrichtet worden, teilt Dylan Johnson, ein Sprecher des Weißen Hauses, mit. Für Dienstag sei eine umfassende Unterrichtung aller Abgeordneten und Senatoren durch Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth geplant. 

Israels Luftwaffe startet neue Angriffswelle in Teheran 

 Die israelische Luftwaffe setzt ihre Attacken gegen Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran fort. Es sei eine neue umfangreiche Angriffswelle gegen das "iranische Terrorregime im Herzen von Teheran" begonnen worden, teilte das Militär in der Nacht ohne weitere Details mit.

Die Entfernung zwischen der israelischen Stadt Tel Aviv und Teheran beträgt Luftlinie rund 1600 Kilometer. Der am Samstagmorgen in Koordination mit den verbündeten USA gestartete Einsatz der israelischen Luftwaffe gegen den Erzfeind Iran ist nach Armeeangaben der bisher größte in ihrer Geschichte.

US-Militär setzt gegen Iran Tarnkappenbomber vom Typ B-2 ein

Bei den Angriffen auf Ziele in Iran hat das US-Militär nach eigenen Angaben auch Tarnkappenbomber vom Typ B-2 eingesetzt. Sie griffen mit gut 900 Kilogramm (2000 Pfund) schweren Bomben Irans besonders gut geschützte Einrichtungen für ballistische Raketen an, wie das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) auf der Plattform X mitteilte. "Kein Land sollte jemals Amerikas Entschlossenheit bezweifeln", hieß es.

Nur das US-Militär verfügt über die Tarnkappenbomber. Die Flugzeuge mit einer Reichweite von bis zu 9600 Kilometern sind regulär auf einem Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Missouri stationiert. Bei einem Einsatz über größere Distanzen müssen sie in der Luft betankt werden. Sie hatten im vergangenen Jahr bei US-Angriffen auf Teherans Atomanlagen massive bunkerbrechende Bomben vom Typ GBU-57 auf unterirdische Ziele in Iran abgeworfen.

Das US-Militär zeigte in seinem X-Post ein Video, das die Bomber am Boden und in der Luft zeigte, machte aber keine Angaben dazu, wo die Szenen aufgenommen wurden. Damit blieb auch unklar, von wo aus die Tarnkappenbomber nun zu ihrem Einsatz gestartet waren.

Kleinere vierstellige Zahl an EU-Bürgern ist noch in Iran

In Iran halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend Menschen auf, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates besitzen. Das sagte eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel. Viele von ihnen hätten allerdings auch die iranische Staatsangehörigkeit und wollten nicht zwingend das Land verlassen, ergänzte sie. Genaue Angaben zur Zahl der Menschen, die evakuiert werden wollen, machte sie nicht.

Deutlich mehr Menschen mit Staatsangehörigkeit eines EU-Staates sitzen den Angaben zufolge unfreiwillig in Ländern rund um Iran fest, weil ihre Flüge wegen Luftraumsperrungen gestrichen wurden. Um ihnen bestmöglich zu helfen, wurde ein EU-Netzwerk für konsularische Zusammenarbeit aktiviert, das die Koordinierung von Evakuierungsbemühungen erleichtern soll.

Israels Armee meldet Angriff aus dem Libanon

Israel ist nach Angaben des Militärs aus dem nördlichen Nachbarland Libanon beschossen worden. Ein Geschoss sei von der Luftwaffe abgefangen worden, mehrere andere in offenem Gelände niedergegangen, teilte das Militär in der Nacht mit. Es habe weder Verletzte noch Schäden gegeben. Zuvor hatten in mehreren Gebieten im Norden Israels Sirenen geheult. Von wem die Geschosse abgefeuert wurden, war zunächst nicht bekannt. 

Nach den jüngsten amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran hatte die Hisbollah-Miliz im Libanon Teheran ihre Solidarität zugesagt.

Emirate: 152 iranische Raketen und gut 500 Drohnen abgewehrt 

Das Militär der Vereinigten Arabischen Emirate hat nach eigenen Angaben inzwischen 152 ballistische Raketen und 506 Drohnen aus Iran abgewehrt. Das erklärte das Verteidigungsministerium auf der Plattform X. Zudem seien 35 Drohnen abgestürzt, 13 Raketen seien ins Wasser gefallen. Auch seien zwei Marschflugkörper abgefangen und zerstört worden.

Am Samstagabend hatten die Emirate bereits die Abwehr von 132 ballistischen Raketen und 195 Drohnen seit Beginn der iranischen Angriffe bestätigt.

Golfstaaten betonen nach Irans Angriffen Recht auf Selbstverteidigung

Die Staaten in der Region des Persischen Golfs haben Irans "ungerechtfertigte" Angriffe auf ihre Territorien verurteilt und ihr Recht auf Selbstverteidigung betont. Man werde "alle nötigen Maßnahmen" ergreifen, Sicherheit und Stabilität zu gewähren sowie alle Bürger zu schützen, "einschließlich der Option, auf die Aggression zu antworten", erklärten die Außenminister des Golfkooperationsrats (GCC) nach einer außerordentlichen Sitzung.

Bislang haben die Staaten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate die Angriffe Irans nur abgewehrt, sie haben nicht selbst zurückgeschlagen. In ihrer gemeinsamen Erklärung betonten sie, dass ein Angriff auf einen Mitgliedstaat dem Verteidigungsabkommen des Verbunds folgend einen Angriff auf alle Mitgliedstaaten darstelle. Irans Angriffe seien eine schwerwiegende Verletzung der Souveränität der Mitgliedstaaten.

Iran hat infolge der amerikanisch-israelischen Angriffe seit Samstag auch mehrfach Ziele in den Golfstaaten angegriffen, etwa in den Emiraten, in Bahrain und in Katar. Teils richteten sich die Angriffe gegen Stützpunkte des US-Militärs dort.

Mehr über Irans Angriffe auf die Golfstaaten lesen Sie hier: 

Christoph Heinlein

Bilder vom zweiten Kriegstag

Auch am Sonntag gingen die Angriffe Israels und der USA auf Iran weiter – und die Gegenschläge des Teheraner Regimes. Sie trafen nicht nur ihre Kontrahenten, sondern auch andere Länder in der Region. Die Auswirkungen des Kriegs sind weltweit zu spüren.

Christoph Heinlein

Deutschland, Frankreich und Großbritannien drohen Iran, „verhältnismäßige militärische Defensivmaßnahmen“ zu ermöglichen

Die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich und des Vereinigten Königreichs haben die Raketenangriffe Irans auf Länder der Region verurteilt und die Ermöglichung militärische Abwehrmaßnahmen angedroht. Die Angriffe seien „wahllos und unverhältnismäßig“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung, die auch das Bundespresseamt veröffentlichte.

„Wir fordern den Iran auf, seine rücksichtslosen Angriffe unverzüglich einzustellen“, erklärten die Staats- und Regierungschefs der sogenannten "E3"-Länder.  

Wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Interessen und die unserer Verbündeten in der Region zu verteidigen. Dies kann potentiell auch, falls notwendig, das Ermöglichen von verhältnismäßigen militärischen Defensivmaßnahmen einschließen, um die Fähigkeit des Iran, Raketen und Drohnen abzufeuern, an der Quelle zu zerstören. 

Aus einem gemeinsamen Statement der Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Deutschland und des Vereinigten Königreichs

Dazu werde man auch mit den USA und den Verbündeten in der Region zusammenarbeiten. Wie solche Abwehrmaßnahmen konkret aussehen könnten und inwiefern die europäischen Länder sie „ermöglichen“ würden, bleibt in dem Statement unklar. Laut einem Bericht der BBC will Großbritannien den US-Truppen die Nutzung britischer Basen im Nahen Osten für Einsätze gegen Iran erlauben.

Unter den vom Iran angegriffenen Ländern seien auch solche, die nicht an der ursprünglichen militärischen Operation der USA und Israels beteiligt gewesen seien, heißt es in dem Statement der "E3" weiter. „Die rücksichtslosen iranischen Angriffe richten sich gegen enge Verbündete und bedrohen unser Militärpersonal und unsere Bürgerinnen und Bürger in der gesamten Region“, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung. 

Christoph Heinlein

Trump: Krieg könnte vier Wochen dauern

Der Krieg mit Iran könnte nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump vier Wochen dauern. Von Anfang an sei man davon ausgegangen, dass es etwa vier Wochen gehen würde, sagte Trump laut der Zeitung Daily Mail in einem Telefoninterview. Iran sei ein großes Land. „Es wird vier Wochen dauern - oder weniger.“

In einem Video, das er auf der Plattform Truth Social postete, sprach Trump von „starken Zielen“, die zu erreichen seien.

Die Kampfoperationen dauern in diesem Moment in voller Stärke an, und sie werden andauern, bis alle unsere Ziele erreicht sind.

US-Präsident Trump

Ein Iran mit weitreichenden Raketen und Atomwaffen stelle eine ernsthafte Bedrohung für jeden Amerikaner dar, so Trump. „Wir können nicht zulassen, dass eine Nation, die terroristische Armeen aufstellt, solche Waffen besitzt.“ Trump rief die Revolutionsgarden in Iran erneut dazu auf, die Waffen niederzulegen. Zudem appellierte er an alle „iranischen Patrioten“, die Gunst der Stunde zu nutzen und das Land wieder an sich zu reißen. Es sei nun an ihnen, sagte Trump. „Aber wir werden da sein, um zu helfen.“ 

Trump würdigte drei getötete US-Soldaten. Wahrscheinlich werde es in dem Konflikt weitere US-Opfer geben, fügte er hinzu. 

Christoph Heinlein

Emirate ziehen Botschafter aus Iran ab

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schließen nach eigenen Angaben ihre Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran und ziehen ihren Botschafter sowie sämtliches diplomatisches Personal aus Iran ab. Es handle sich um eine Reaktion auf die „offenkundig iranischen Raketenangriffe“ auf das Staatsgebiet der Emirate, teilte das Außenministerium in Abu Dhabi mit. Das Ministerium sprach von einer gefährlichen und unverantwortlichen Eskalation. Diese bedeute eine eklatante Verletzung der nationalen Souveränität sowie einen klaren Bruch des Völkerrechts. 

Im Zuge der Eskalation zwischen Iran, den USA und Israel sind auch Ziele in den VAE unter Beschuss geraten. Das Verteidigungsministerium hatte angegeben seit Beginn des Konflikts unter anderem mehr als 500 iranische Drohnen erfasst zu haben. Außerdem seien 165 ballistische Raketen aus Iran in Richtung der VAE festgestellt worden, hieß es. Mindestens drei Menschen in den VAE wurden nach staatlichen Angaben getötet. 

Christoph Heinlein

USA: Bislang mehr als 1000 Ziele in Iran angegriffen 

Das US-Militär teilt mit, seit Beginn der Offensive am Samstag seien bislang mehr als 1000 iranische Ziele angegriffen worden. In einem Informationsblatt listet das Zentralkommando diverse Ziele auf, unter anderem Kommando- und Kontrollzentren der Revolutionsgarden, Standorte von Luftabwehrsystemen und ballistischen Raketen, Schiffe und U-Boote ​der iranischen Marine, Standorte für Schiffsabwehrraketen und Orte militärischer Kommunikation. 

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