Der österreichische virtuelle Netzbetreiber (MVNO) Spusu, kurz für „sprich und surf“, hat nach zehn Jahren rechtlicher Streitigkeiten unter anderem mit O2/Telefónica, die bis vor das Gericht der Europäischen Union (EuG) und die Bundesnetzagentur gingen, den Sprung nach Deutschland geschafft. Ursprünglich wollte das Unternehmen unter der Muttergesellschaft Mass Response Service GmbH das Netz von O2/Telefónica nutzen, nun ist es das von Vodafone geworden.
Keine Chatbots oder lange Laufzeiten
Das im Jahr 2015 von Franz Pichler in Wien gegründete Unternehmen ist schon länger in Österreich aktiv und hat dort eigenen Angaben zufolge rund 700.000 Kunden. Laut eigenen Angaben setzt der inhabergeführte Familienbetrieb auf „Bodenständigkeit, Regionalität und Kundennähe“. Diese Werte wolle Spusu auch in Deutschland im Telekom-Markt mit eigenem Standort und lokalem Team verfolgen.
Kundenzufriedenheit habe bei Spusu „oberste Priorität“, heißt es. Daher setze das Unternehmen beim Service im Unterschied zu manchem Mitbewerber nicht auf ausgelagerte Teams oder KI, sondern auf ein eigenes, internes Team. „Durch den Verzicht auf Chatbots und externe Callcenter können wir höchste Qualität und schnelle Abhebezeiten garantieren. Wenn ein Kunde bei uns anruft, heben wir in durchschnittlich zehn Sekunden ab und auch per WhatsApp sind wir rasch erreichbar“, erklärt Spusu-Gründer Pichler.
Ferner setzt das Unternehmen bei den Tarifen auf „maximale Transparenz, faire Vertragsbedingungen und dauerhafte Preisstabilität“. Sämtliche Spusu-Tarife seien ohne Mindestvertragslaufzeit und enthielten weder Anschlussgebühr noch andere versteckte Kosten.
Die Spusu-Tarife.
(Bild: Spusu)
Zudem böten alle Tarife Geschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit/s im Down- und im Upstream von bis zu 75 Mbit/s im 5G-Netz. Das gekaufte Datenvolumen könne zudem in der Schweiz, UK und in der EU genutzt werden. Nicht verbrauchtes Datenvolumen gehe außerdem nicht verloren, sondern könne mittels „daten.trans.fair“ in den Folgemonat mitgenommen werden. Sollte das vorab gebuchte Datenvolumen verbraucht sein, drosselt der Betreiber auf 128 kbit/s herunter.
Innerhalb Deutschlands, der EU und UK ist das Telefonieren unlimitiert, gleiches gilt für SMS. Für das Telefonieren aus Deutschland heraus in andere EU-Länder verfügte jeder Tarif über 1000 Minuten.
Sämtliche Verträge und Tarife bei Spusu seien zum Monatsende kündbar, lange laufende Verträge gebe es nicht. Ein neues Handy lasse sich über Spusu beziehen, der Kauf sei nicht an eine Vertragslaufzeit für den Mobilfunkanschluss gebunden.
Vodafone-Netz und eigenes Core-Netz
Im Hinblick auf die Technik betreibt Spusu als sogenannter Full-MVNO kein eigenes Mobilfunknetz, sondern setzt in Deutschland auf das 5G-Netz von Vodafone. Das Netz erreiche mehr als 94 Prozent der Bevölkerung und werde stetig ausgebaut, teilte das Unternehmen mit.
Das Unternehmen betreibt indes ein eigens entwickeltes Mobilfunk-Core-Netzwerk. Mit diesem könne der Anbieter viele „Abläufe selbst steuern, flexibel auf Kundenbedürfnisse reagieren und hochwertige Mobilfunkleistungen zu fairen Preisen anbieten“, erklärt Spusu. Das Core-Netzwerk könne man als technisches Herzstück eines Mobilfunkanbieters verstehen; es steuere unter anderem die Verbindung zu anderen Netzen und zum Internet.
Sven Müller, Director Strategy & Transformation und Mitglied der Geschäftsleitung von Vodafone Deutschland, freut sich über den Markteintritt von Spusu: „Wir haben in den vergangenen Jahren stark in den Ausbau unseres Mobilfunknetzes investiert und unsere Infrastruktur für Partner attraktiv gemacht. Mit Spusu gewinnen wir einen ambitionierten Partner, der in Österreich bereits bewiesen hat, wie man Kundinnen und Kunden begeistert. Unser Netz bietet Millionen Menschen hohe Geschwindigkeiten und zuverlässige Verbindungen – davon profitieren künftig auch die Kunden von Spusu in Deutschland.“
Spusu ist nicht der einzige Partner, der auf das Vodafone-Netz setzt: Auch 1&1 setzt beim nationalen Roaming auf Vodafone und spült mit den Mieteinnahmen viel Geld in die Kassen des Netzbetreibers. Heißt: Dort wo 1&1 noch kein eigenes Netz besitzt, nutzen die 12 Millionen 1&1-Kunden das Vodafone-Netz. O2 hat das Ende der Roaming-Partnerschaft mit 1&1 bei den Umsätzen schmerzhaft zu spüren bekommen.
(afl)











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