Mobileye hat angekündigt, seine Aktivitäten bei Robotaxis auszuweiten. Künftig wolle das Unternehmen nicht nur die Technologien für autonomes Fahren bereitstellen, sondern auch einen eigenen autonomen Fahrdienst betreiben, heißt es in einer Meldung. Nächstes Jahr soll es zunächst in einer US-Stadt losgehen.
Robotaxis als Ergänzung
Mit diesen Plänen krempelt Mobileye seine bisherige Unternehmensstrategie um und vereint seine „Kompetenzen im autonomen Fahren mit Flottenbetrieb, Fahrgastservices und Mobilitätsmanagement in einem vertikal integrierten Angebot“. Bislang fungierte das Unternehmen primär als Zulieferer für autonome Fahrzeugtechnologie für Automobilhersteller und Mobilitätsanbieter wie Volkswagen oder Zeekr. Mobileye wolle trotz der neuen Strategie weiterhin Anbieter des autonomen Fahrsystems Mobileye Drive für Automobilhersteller, Mobilitätsbetreiber und weitere Kunden bleiben. Mobileye sieht den direkten Betrieb von Robotaxis als ergänzenden Weg in den Markt.
Das Unternehmen sagt, es plane, „seine Rolle entlang der gesamten Robotaxi-Wertschöpfungskette“ auszubauen. Dazu werde das Produkt Mobileye Drive mit der Mobilitätsplattform der Tochtergesellschaft Moovit kombiniert, „um Nutzeranwendungen, multimodale Reiseplanung, die Steuerung autonomer Fahrzeuge (AV Mission Control), Technologien für das Flottenmanagement sowie die Anbindung an Teleoperations-Infrastrukturen zu nutzen“.
Partner plötzlich ein Konkurrent?
Durch den Betrieb einer eigenen Robotaxi-Flotte erhofft sich Mobileye, „den Einsatz autonomer Mobilität zu beschleunigen, operative Erfahrungen zu sammeln und die Leistungsfähigkeit der Mobileye Drive-Plattform im großen Maßstab zu demonstrieren“. Zudem geht das Unternehmen davon aus, dass „sowohl Kunden- als auch eigene Robotaxi-Programme parallel entstehen“. Dabei ist für Mobileye zu hoffen, dass durch diese Zweigleisigkeit keine Kunden abspringen, da der Partner plötzlich als Konkurrent gesehen werden könnte.
Mobileye plant zunächst den Einsatz einer Flotte von rund 100 Fahrzeugen „in einem großen Ballungsraum in den USA ab 2027“, heißt es in der Ankündigung. Dabei soll die Einführung schrittweise über das Jahr erfolgen und das Betriebsmodell unter vollständig fahrerlosen Bedingungen getestet werden. Nach einem erfolgreichen Betrieb der kleineren Flotte beabsichtigt Mobileye, das Geschäft deutlich zu skalieren. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen etwa 17.000 Fahrzeuge hinzukommen.
„Potenzial, Fortbewegung weltweit zu verändern“
„Die Robotaxi-Revolution hat gerade erst begonnen. Ihr Potenzial, unsere Fortbewegung weltweit zu verändern, wächst weiter“, sagt Professor Amnon Shashua, Gründer und CEO von Mobileye. „Mit dem steigenden Interesse an autonomer Mobilität ist die Branche zunehmend von einer kleinen Zahl von Technologieanbietern und Geschäftsmodellen abhängig geworden“, führt er weiter aus.
Ganz im Alleingang soll der neue Geschäftsbereich nicht entstehen: Mobileye möchte mit Herstellern von Fahrzeugplattformen zusammenarbeiten, die sich zu Robotaxis ausbauen lassen. Auch Flottenbetreiber, Integrationspartner und weitere Schlüsseltechnologieanbieter sucht das Unternehmen für sein Vorhaben. „Dieses Ökosystem wird es Mobileye ermöglichen, autonome Fahrdienste in einem einzigen Geschäftszweig zu verwalten und zu betreiben“, heißt es weiter.
Die Robotaxis kommen
Das 2017 von Intel übernommene, israelische Unternehmen arbeitet seit Jahren daran, autonome Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Schon 2020 hatte das Unternehmen angekündigt, autonome Fahrzeuge in Bayern zu testen. Einen Regelbetrieb gibt es bis heute nicht. Die größten Partner beim autonomen Fahren dürften Volkswagen und die Mobilitätsmarke Moia sein. Moia testet derzeit in Hamburg den Robotaxibetrieb mit dem ID.Buzz AD mit Mobileye-Technologie. Auch in Oslo und weiteren Städten wie Los Angeles – dort zusammen mit Uber – testet Moia seine Robotaxis.
Vor allem in den USA sind Robotaxis im Kommen: So bietet die Alphabet-Marke Waymo in zahlreichen Städten autonome Taxis an. Die zu Amazon gehörende Marke Zoox etwa in Las Vegas und Tesla versuchen, sich auch in einigen US-Städten zu etablieren. Der Fahrdienstanbieter Uber plant derweil, neben Moia und Zoox auch mit Rivian in das Robotaxi-Geschäft einzusteigen. Uber will zusammen mit Rivian in den nächsten Jahren bis zu 50.000 vollautonome Robotaxis auf den Markt bringen.
Auch in Deutschland gibt es abseits von Moia in Hamburg Robotaxi-Pläne: So will Uber zusammen mit Autobrains autonome Autos durch München rollen lassen, Lyft und Baidu hatten angekündigt, in diesem Jahr Robotaxis in ganz Europa fahren zu lassen. Stellantis und Bolt beabsichtigen, autonome Fahrzeuge in Europa anzubieten. Erste Testfahrten sollen in diesem Jahr beginnen.
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(afl)











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