Krieg in der Ukraine: Selenskij: „Wir haben den Winter überstanden“

vor 2 Tage 5

Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Ukraine attackiert russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk 

Selenskij: Moskau setzte im Winter fast 19 000 Drohnen ein 

Selenskij lobt entschlossene USA für Angriff auf Iran

Selenskij: Nächste Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi

Feuerpause am AKW Saporischschja

Tobias Bug

Selenskij: Haben Winter überstanden

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat das Ende des vierten Kriegswinters und den damit verbundenen Widerstand gegen die russischen Angriffe auf das Energiesystem seines Landes begrüßt. „Heute ist der Tag, an dem jeder von uns mit Fug und Recht sagen kann: Wir haben den Winter überstanden, den schwierigsten seit Beginn des Krieges“, sagte Selenskij in seiner Videoansprache am ersten Tag des meteorologischen Frühlings. „Die Russen wollten diesen Winter zur Vernichtung der Ukraine und der Ukrainer nutzen, aber die Ukraine hat nicht nachgegeben.“

Russland habe in einem der größten Angriffe am 6. Dezember über 700 Ziele attackiert, danach folgten regelmäßige Angriffe gegen diverse Einrichtungen zur Energieversorgung. „Kein Volk hat solche Prüfungen durchgemacht“, sagte Selenskij. „Die Ukrainer haben auch das überwunden.“

Mit den Angriffen, die die Versorgung mit Wasser, Strom und Wärme teilweise unterbrachen, versuchten die russischen Streitkräfte, die ukrainische Zivilbevölkerung massiv unter Druck zu setzen. Durch die russischen Attacken mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern kam es zu stundenlangen Stromabschaltungen in verschiedenen Landesteilen, die die ukrainischen Reparaturtrupps vor schwere Aufgaben stellten.

Julia Daniel

Ukraine attackiert russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk 

Bei ukrainischen Drohnenangriffen in der russischen Hafenstadt und Flottenbasis Noworossijsk wurden offiziellen Angaben zufolge fünf Menschen verletzt. Acht Wohnblocks und neun private Wohnhäuser seien bei der Attacke beschädigt worden, schrieb der Gouverneur von Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, bei Telegram. Er appellierte an die Bürger, weiterhin Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Die Behörden riefen in Noworossijsk den Notstand aus.

Derweil berichtete das unabhängige Portal Astra von einem Brand im Ölterminal Schechsaris im Süden von Noworossijsk. Dieser sei mutmaßlich durch die Drohnenangriffe hervorgerufen worden, hieß es. Schechsaris gilt als für Russland strategisch wichtiger Terminal zur Aufnahme, Lagerung und Verschiffung von Öl und Ölprodukten. Er spielt eine wichtige Rolle beim Ölexport über das Schwarze Meer. Ukrainische Drohnen haben Schechsaris bereits im November 2025 bei einem Angriff auf eine Militärbasis in Hafennähe beschädigt.

Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete den Abschuss von 172 Drohnen in der Nacht. 67 davon seien über dem Schwarzen Meer, 66 über dem südrussischen Gebiet Krasnodar liquidiert worden.  

Julia Bergmann

Vier Tote nach russischem Beschuss in Südukraine

Bei russischem Beschuss der Stadt Cherson im Süden der Ukraine sind vier Menschen getötet worden. Zwei ältere Frauen, die sich am Eingang eines Wohnhauses befanden, seien bei dem Angriff ums Leben gekommen, schrieb Gebietsgouverneur Olexander Prokudin bei Telegram. Eine 85-Jährige und ein 63 Jahre alter Mann seien im Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben.

Julia Daniel

Selenskij: Moskau setzte im Winter fast 19 000 Drohnen ein 

Russland hat in der Nacht erneut die Ukraine mit Angriffen überzogen. In der Region Dnipropetrowsk wurden laut Militärgouverneur Olexandr Hanscha bei Attacken mit Drohnen und Artillerie ein Mensch getötet und vier weitere verletzt. Moskaus Armee nahm demnach die drei Landkreise Nikopol, Synelnykowe und Dnipropetrowsk ins Visier.

Dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij zufolge setzte Russland allein in der vergangenen Woche mehr als 1720 Kampfdrohnen, fast 1300 Gleitbomben und mehr als 100 Raketen gegen sein Land ein. Er warf Moskau vor, in diesem Winter nicht einmal versucht zu haben, Angriffe auf zivile kritische Infrastruktur zu rechtfertigen. In den drei Wintermonaten habe Russland mit fast 19 000 Kampfdrohnen, mehr als 14 670 Gleitbomben und 738 Raketen angegriffen. Die meisten der Drohnen seien vom ursprünglich iranischen Bautyp Schahed, den die iranische Führung derzeit im Nahen Osten einsetze, schrieb er in sozialen Medien.

Das Böse müsse überall auf der Welt bekämpft werden, sagte Selenskij. „Wenn die Vereinigten Staaten und andere Partner genug Entschlossenheit zeigen, müssen letztendlich auch die blutigsten Diktatoren für ihre Verbrechen zahlen.“ 

Philipp Saul

Selenskij lobt entschlossene USA für Angriff auf Iran

Nach Angriffen Israels und der USA auf Iran hat sich der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij demonstrativ hinter die Regierung in Washington gestellt. Immer wenn die USA entschlossen seien, würden globale Verbrecher schwächer, teilte er in einer Videobotschaft mit. Dieses Verständnis müsse auch Russland, das seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, erreichen.

Es sei nur gerecht, dem iranischen Volk eine Chance zu geben, sich des „Terrorregimes zu entledigen“ und allen Völkern Sicherheit zu garantieren, die unter von Iran ausgehendem Terror gelitten haben. Obwohl die Ukraine Iran nie bedroht habe, habe sich die iranische Führung entschieden, Kremlchef Wladimir Putins Verbündeter zu sein, sagte Selenskij. Russland habe in seinem Angriffskrieg mehr als 57 000 Kampfdrohnen der ursprünglich iranischen Bauart Schahed eingesetzt.

Selenskijs Lob für den Angriff auf Iran dürfte auf das Wohlwollen von US-Präsident Donald Trump zielen. Die Ukraine ist im Krieg gegen Russland dringend auf die Unterstützung der USA angewiesen.

Philipp Saul

Vier Tote nach russischen Angriffen in der Nordostukraine

In der grenznahen nordostukrainischen Region Sumy sind infolge russischer Angriffe wohl mindestens vier Zivilisten getötet worden. Zwei Frauen und zwei Männer seien in Orten der Gemeinden Jampil und Woroschba umgekommen, teilte Militärgouverneur Oleh Hryhorow bei Telegram mit. Vier weitere Menschen wurden den Angaben nach verletzt. Insgesamt sind demnach innerhalb des vergangenen Tages 30 Siedlungen mehr als 100-mal beschossen worden. Zivile Gebäude und Infrastruktur seien beschädigt worden.

Carina Seeburg

Selenskij: Nächste Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi

Die nächste Runde der von den USA vermittelten Gespräche zwischen der Ukraine und Russland wird Angaben aus Kiew zufolge Anfang März in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet. „Es ist notwendig, alles, was für echte Sicherheitsgarantien erreicht wurde, zu finalisieren und ein Treffen der Staatschefs vorzubereiten“, sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij in einer Videobotschaft. Ein solches Gipfeltreffen könne helfen, „Schlüsselfragen“ zu lösen. „Wenn es um Russland geht, um ein so personalisiertes Regime, dann noch mehr als in anderen Ländern“, hob Selenskij hervor.

Zuvor hatten in der Schweiz Gespräche zwischen einer ukrainischen und einer US-amerikanischen Delegation zur Vorbereitung eines neuen dreiseitigen Treffens mit Russland stattgefunden. Selenskij habe dabei mehrmals mit den ukrainischen Unterhändlern Rustem Umjerow und David Arachamija sowie den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen. 

Auch Kremlsprecher Dmitrij Peskow bestätigte russischen Agenturen zufolge, dass eine neue Verhandlungsrunde geplant sei. Sobald es eine Einigung auf einen Termin und Ort gebe, werde darüber informiert. Zugleich beklagte er: „Bisher sind keine nennenswerten Veränderungen der Positionen des Kiewer Regimes festzustellen.“ 

Umgekehrt erneuerte Selenskij den Vorwurf, dass Moskau nicht bereit sei zu einem Friedensschluss. Der russische Präsident Wladimir Putin stoppe seine „Kriegsmaschine“ nicht. „Im Gegenteil, er bereitet sich darauf vor, weiterzukämpfen, und die Welt muss bereit sein, Druck auf Russland auszuüben, damit sich dies ändert“, sagte der Ukrainer. Das Rezept seien Sanktionen gegen russische Energieexporte und Banken.

Christoph Heinlein

Streit um Druschba-Pipeline: Selenskij lädt Fico nach Kiew ein

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij lädt den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico wegen des Streits um die zerstörte Druschba-Pipeline durch die Ukraine zu Gesprächen ein. In einem Telefonat habe Selenskij vorgeschlagen, alle bestehenden Probleme zwischen den beiden Ländern zu erörtern, teilt das Präsidialamt ​in Kiew mit. Hintergrund ist der Streit um den Transit von russischem Öl, den die Ukraine unterbrochen hatte. In der Slowakei und Ungarn, die noch immer stark von russischen Energielieferungen abhängen, führte die Unterbrechung zu Protest. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán wirft der Ukraine vor, die Lieferungen aus politischen Gründen gestoppt zu ⁠haben. Kiew führt den Stopp dagegen auf Beschädigungen der Pipeline durch einen russischen Drohnenangriff zurück.
 
Ungarn und die Slowakei vereinbarten mittlerweile die Gründung eines gemeinsamen Ausschusses zur Untersuchung der Schäden an der Ölpipeline in der Ukraine. Orbán forderte ​die Regierung in Kiew in einem Facebook-Video auf, dem Gremium Zugang zu gewähren.

Christoph Heinlein

Feuerpause am AKW Saporischschja

Unter ​Vermittlung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist eine lokale Feuerpause am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja in Kraft getreten. Ziel ​sei die Wiederherstellung der 330-Kilovolt-Reserveleitung, teilte die UN-Behörde mit. Die Versorgung über diese Leitung war nach Angaben der IAEA am 10. Februar unterbrochen worden. Die andere 750-Kilowatt-Leitung war demnach intakt geblieben. Derzeit liefen Entminungsarbeiten, um den Reparaturteams einen sicheren Zugang zu ermöglichen. Zuvor hatte bereits ​die ​russische Kraftwerksleitung die Feuerpause gemeldet und ‌erklärt, die Reparatur werde mindestens ‌eine Woche dauern. Die Strahlungswerte seien normal.

Das größte Atomkraftwerk Europas steht seit ​kurz nach ​Beginn des russischen Angriffskriegs im ​Februar 2022 unter russischer Kontrolle. Es produziert derzeit keinen Strom, ist aber auf externe Energie ‌angewiesen, um das nukleare Material zu kühlen und einen Unfall ‌zu verhindern. ‌Moskau und Kiew werfen sich regelmäßig ​gegenseitig vor, die Sicherheit der Anlage durch Angriffe in ​der Nähe zu gefährden. Die ‌Frage der künftigen Kontrolle über das Kraftwerk gilt als einer der Streitpunkte bei den schleppenden, von den USA vermittelten Friedensgesprächen, die im kommenden Monat ⁠fortgesetzt werden ‌sollen.

Viktoria Spinrad

Währungsfonds genehmigt neues Finanzierungsprogramm über 8,1 Milliarden Dollar

Der Internationale Währungsfonds hat am Donnerstag ein vierjähriges Finanzierungsprogramm für die Ukraine im Wert von etwa 8,1 Milliarden Dollar genehmigt. Dies ermöglicht die sofortige Auszahlung von etwa 1,5 Milliarden Dollar. IWF-Chefin Kristalina Georgieva sagte, die Vereinbarung ziele darauf ab, die makroökonomische Stabilität zu bewahren und Strukturreformen voranzutreiben.

Die Entscheidung ist eine Erleichterung für die Ukraine angesichts der Schwierigkeiten auf dem Schlachtfeld und des US-Drucks in Gesprächen mit Russland. Allerdings blockiert Ungarn weiterhin ein EU-Darlehenspaket über 90 Milliarden Euro für Kiew. Georgieva warnte, dass die Risiken „außergewöhnlich hoch“ seien und der Erfolg von der fortgesetzten internationalen Unterstützung abhänge. Der IWF rechnet mit einer Finanzierungslücke von etwa 136,5 Milliarden Dollar über den Programmzeitraum.

Ärger wegen Ungarn-Veto: Nato-Generalsekretär will helfen

Nato-Generalsekretär Mark Rutte bemüht sich offenbar um eine Lösung des Konflikts um die von Ungarn blockierte EU-Unterstützung für die Ukraine. Sein Job sei es, in solchen Debatten hilfreich zu sein, sagte Rutte in Brüssel. Was genau das bedeute, könne er allerdings erst nach einem Erfolg seiner Anstrengungen sagen. Zur Sache an sich wolle er sich öffentlich nicht äußern.

Die Aussagen macht Rutte bei einer Pressekonferenz mit der litauischen Regierungschefin Inga Ruginiene. Diese sagte, die EU müsse einen Weg finden, die Entscheidungen zur Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine voranzubringen. Für Litauen sei es inakzeptabel, diese zu stoppen.

Julia Daniel

USA und Ukraine beraten erneut über Wiederaufbau

Ungeachtet neuer schwerer russischer Luftangriffe haben Vertreter der Ukraine und der USA am Donnerstag in Genf Beratungen über den Wiederaufbau des Landes aufgenommen. Auf ukrainischer Seite führt Rustem Umjerow, Leiter des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, die Delegation an. Er trifft auf den ​US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, den Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Ein ukrainischer Regierungsvertreter hatte den Beginn der Gespräche für die Mittagszeit angekündigt.

Der Wiederaufbau der Ukraine gilt als zentraler Bestandteil der umfassenderen Verhandlungen zur Beendigung des Krieges. Die Regierung in ​Kiew hofft, in den kommenden zehn Jahren rund 800 Milliarden ​Dollar an öffentlichen und privaten Mitteln zu mobilisieren. Eine am Montag veröffentlichte Schätzung der Weltbank beziffert die Kosten für den Wiederaufbau der Wirtschaft derzeit auf 588 Milliarden Dollar. Diese Berechnung basiert auf Daten bis Ende 2025.

Die diplomatischen Bemühungen um eine Friedenslösung stecken allerdings fest. ‌Ukrainische und russische Unterhändler hatten sich in der vergangenen Woche ebenfalls in Genf zu einer dritten Runde unter US-Vermittlung getroffen, ohne jedoch einen Durchbruch zu erzielen. ‌Hauptstreitpunkt bleibt der Gebietsanspruch: Russland fordert die Abtretung ‌der verbleibenden 20 Prozent der Industrieregion Donezk, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen. Die Regierung ​in Kiew lehnt das kategorisch ab.

Hoffnung setzt die Ukraine auf direkte Gespräche auf höchster Ebene. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij und US-Präsident Donald Trump verständigten ​sich am Mittwoch in einem Telefonat darauf, dass die nächste Runde der trilateralen Gespräche mit Russland ‌im März in ein Gipfeltreffen der Staatschefs münden soll. "Dies ist der einzige Weg, alle komplexen und sensiblen Probleme zu lösen und den Krieg endlich zu beenden", erklärte Selenskij nach dem Gespräch, an dem auch Witkoff und Kushner teilnahmen.

Julia Daniel

Ungarn fordert EU-Untersuchung zu Druschba-Pipeline 

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán schlägt der EU eine Untersuchungsmission zur beschädigten Ölpipeline Druschba in der Ukraine ​vor. In einem Brief an EU-Ratspräsident António Costa, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, wirbt Orbán für den Einsatz ungarischer und slowakischer ⁠Experten vor Ort. Damit verbindet Orbán die Aussicht auf ein Ende seiner Blockade neuer Ukraine-Hilfen. Die Initiative ziele darauf ab, eine zeitnahe Lösung in dieser Frage zu erleichtern, heißt ​es in ​dem Schreiben.

Ungarn hatte aus Protest gegen den Stopp der Öllieferungen ‌neue Russland-Sanktionen und einen EU-Kredit für Kiew blockiert. Die Ukraine ‌begründet den Lieferstopp mit Schäden durch russische Angriffe Ende Januar.

Bericht: Russland hat Pokrowsk eingenommen – ukrainischer Armeesprecher räumt Verlust ein

Die russische Armee hat sehr lange und verlustreich um die Stadt Pokrowsk im Osten der Ukraine gekämpft – nun hat sie ihr Ziel offenbar erreicht. In der jüngsten Analyse des Institute for the Study of War (ISW) heißt es: Das ISW habe zuletzt am 28. Januar ukrainische Streitkräfte im Einsatz in Pokrowsk beobachtet und gehe davon aus, dass die russischen Streitkräfte die Eroberung des Ortes wahrscheinlich irgendwann in den vergangenen Wochen abgeschlossen hätten.

Auch Wolodymyr Polewyi, Sprecher des 7. Armeekorps der ukrainischen Luftangriffsstreitkräfte, erklärte laut einem Bericht des Tagesspiegel: „Wir haben Pokrowsk verloren.“ Zwar gebe es noch ukrainische Soldaten im Norden der Stadt, aber vielleicht nur noch, weil ein Rückzug zu gefährlich sei. Die Soldaten stünden sonst im Kreuzfeuer der Invasoren. Ein Abzug von Soldaten würde bedeuten, weitere Verluste in Kauf zu nehmen, heißt es im Tagesspiegel – deshalb nutze der 7. Armeekorps vorrangig ferngesteuerte Fahrzeuge für Evakuierungen. Drohnen versorgten die verbliebenen Kämpfer mit Lebensmitteln und Wasser.

Offiziell gibt es aus Kiew noch keine Bestätigung für den Verlust von Pokrowsk. Zuzugeben, dass die Stadt verloren sei, könne sich die Politik nicht leisten, sagte Polewyi dem Tagesspiegel. Warum? Darüber könne er nur mutmaßen. „Vielleicht, weil Donald Trump den Namen ‚Pokrowsk‘ kennt.“ Russland selbst meldete die Einnahme bereits Anfang Dezember 2025, allerdings war das zu dem Zeitpunkt falsch. Ende 2025 und Anfang 2026 hatte sich der Verlust für die Ukraine dann immer mehr angedeutet.

Der russische Vormarsch auf Pokrowsk begann im Februar 2024. Das ISW schreibt in seiner Einschätzung: „Pokrowsk war aufgrund seiner Funktion als wichtiger Logistikknotenpunkt von operativer Bedeutung, doch russische Angriffe verhinderten bereits im Juli 2025, dass die ukrainischen Streitkräfte die Stadt für logistische Zwecke voll ausnutzen konnten.“ Als Russland im Winter 2025 die Bemühungen zur Einnahme der Stadt intensivierte, habe Pokrowsk jedoch längst seine operative Bedeutung verloren.

Julia Daniel

Russland übergibt Ukraine 1000 Leichen von Soldaten 

Moskau und Kiew haben nach russischen Angaben erneut Soldatenleichen ausgetauscht. Die Ukraine habe die sterblichen Überreste von 1000 Soldaten von Russland erhalten, schrieb der russische Chefunterhändler bei den jüngsten Verhandlungen zwischen beiden Kriegsparteien, Wladimir Medinski, bei Telegram. Kiew übergab Moskau demnach 35 Soldatenleichen. Der Koordinationsstab für Kriegsgefangenenbelange in Kiew bestätigte bei Telegram, dass die Ukraine 1000 Leichname erhalten habe, die nach russischen Angaben ukrainischen Verteidigern gehören können. Die Behörde dankte dem Internationalen Roten Kreuz für dessen Unterstützung. 

Beide ​Seiten tauschen im Krieg immer wieder ihre Gefallenen aus. Allein im vergangenen Jahr erhielt Kiew nach offiziellen Angaben mehr als 15 000 Leichname gefallener Soldaten zurück. Moskau bekam nur einen Bruchteil dessen. Aufgrund des langsamen, aber stetigen Vormarsches der russischen Truppen kann die ukrainische Armee gefallene eigene Soldaten nicht immer bergen.

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