Es sind die stillen Helden der Republik. Nicht die Lautsprecher in Talkshows, nicht Dauerempörte auf digitalen Marktplätzen – sondern die, die im Rathaus das Licht anmachen, wenn andere noch schlafen. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister organisieren den Kompromiss, pflegen das Gespräch, halten den Laden mit Bürgerschaft und Verwaltung zusammen. Dafür gebührt ihnen Dank. Aber handfest.
Denn Dank allein trägt nicht. 69 Prozent der ehrenamtlichen Bürgermeister – insgesamt etwa 5000 – verbringen mehr als die Hälfte ihrer Zeit mit Verwaltung. Das sagt eine Studie der Körber-Stiftung für das „Demokratieforum Kommunalpolitik“ beim Bundespräsidenten. 88 Prozent nennen fehlendes Geld als größte Herausforderung. Wer gestalten wollte, fühlt sich plötzlich wie ein Insolvenzverwalter. Nur 33 Prozent sind mit ihren Einflussmöglichkeiten zufrieden: ein dramatischer Rückgang. Ein Warnsignal.
Mut zur Öffnung. Junge, Frauen, Menschen mit Einwanderungsgeschichte – sie gehören selbstverständlich ins Rathaus.
Stephan-Andreas Casdorff
Das Grundgesetz garantiert Kommunen das Recht auf Selbstverwaltung. Es ist ein Versprechen: Nähe schafft Verantwortung, Verantwortung schafft Demokratie. Aber was, wenn 70 Prozent die finanzielle Lage als schlecht bewerten? Wenn fast die Hälfte mindestens 20 Stunden pro Woche investiert – ehrenamtlich – und nur 13 Prozent Wertschätzung durch die Landesregierung erfahren? Wenn 37 Prozent bedroht wurden und 14 Prozent über Rücktritt nachdenken?
Gleichzeitig ist da dieses trotzig-zuversichtliche Moment: 92 Prozent sind überzeugt, dass die Mehrheit der Bürger ihrer Kommune vertraut. 83 Prozent loben die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Das Fundament steht also. Aber es bekommt Risse, wenn 72 Prozent ein Nachwuchsproblem erwarten und in manchen Orten niemand mehr kandidieren will.
Was folgt daraus? Erstens: Wer Aufgaben überträgt, muss sie finanzieren. Sind Bund und Länder die Auftraggeber, dürfen sie die Rechnung nicht einfach ins Rathaus schicken. Zweitens: Das Ehrenamt braucht Schutz – organisatorisch, finanziell, persönlich. Beratungsstellen, Sicherheitskonzepte, Vereinbarkeit mit Beruf und Familie sind keine Extras, sondern Voraussetzungen. Drittens: Mut zur Öffnung. Junge, Frauen, Menschen mit Einwanderungsgeschichte – sie gehören selbstverständlich ins Rathaus.
Die kommunale Ebene ist die Werkstatt der Demokratie. Wer Zukunft will, muss denen den Rücken stärken, die sie am Ort möglich machen. Nicht mit Applaus allein, sondern mit handfester Politik.

vor 1 Tag
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