KI-Müdigkeit: Fast drei Viertel wünschen sich die Arbeitswelt vor ChatGPT zurück

vor 13 Stunden 3

Die Jobs von Wissensarbeitern galten lange als sicher und gut bezahlt. Dazu zählen akademische Berufe wie Ärzte, Ingenieure, Anwälte und Redakteure. Gerade diese Berufsgruppen sind vom KI-bedingten Wandel der Arbeitswelt allerdings besonders stark betroffen. So warnt beispielsweise Anthropic-Chef Dario Amodei seit Längerem, dass KI Millionen gut bezahlter Arbeitsplätze vernichten und eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent verursachen könnte. Aber auch diejenigen, die noch fest im Sattel sitzen und heute schon regelmäßig mit KI arbeiten, sind damit oft nicht zufriedener. Viele sehnen sich stattdessen nach einer Arbeitswelt ohne KI zurück.

Tools wie ChatGPT haben schon jetzt die Jobs vieler Menschen verändert. Eine aktuelle Studie von OpenAI hat mehr als 800.000 Nachrichten von Nutzern untersucht, um herauszufinden, wie sich die Aufgabenbereiche bestimmter Berufsgruppen konkret verändern. Demnach erledigen vor allem Mitarbeiter in kleineren Unternehmen zunehmend Tätigkeiten, die eigentlich nicht zu ihrem Berufsfeld gehören.

Besonders häufig zeige sich das im Kundenservice und bei Designer, aber auch in den Bereichen HR, Marketing und Recht seien diese Tendenzen zu beobachten. Laut den Forscher ist diese Verschiebung in den Daten schon sichtbar, noch bevor sie sich in Stellenanzeigen niederschlägt.

Diese Entwicklung hat Folgen: Immer mehr Wissensarbeiter blicken sehnsüchtig auf die Zeit vor generativer KI zurück. In Deutschland gilt das für fast drei Viertel der Wissensarbeiter. 41 Prozent würden generative KI am liebsten sogar komplett abschaffen. Als Grund nennen 45 Prozent, dass die Auseinandersetzung mit minderwertigen KI-Ergebnissen ihre Arbeit weniger sinnvoll und eher repetitiv erscheinen lässt.

37 Prozent sagen, dadurch insgesamt weniger motiviert zu sein. Weitere 25 Prozent fühlen sich durch KI-Tools auch in ihrer Kreativität eingeschränkt. Das geht aus einer Umfrage des Technologieberatungsunternehmens Adaptavist hervor. Insgesamt wurden 2.500 Wissensarbeiter in mehreren Ländern befragt, davon 500 in Deutschland.

Ursprünglich sollten KI-Tools die Produktivität steigern und Fachkräfte entlasten. In der Praxis bleibt dieses Versprechen allerdings für viele unerfüllt. Oft verursacht die Technologie sogar Mehrarbeit. Laut der Umfrage investieren 39 Prozent der Wissensarbeiter in Deutschland mehr Zeit in die Überprüfung und Korrektur von KI-Ergebnissen, als sie durch den Einsatz einsparen.

42 Prozent geben an, dass minderwertige KI-Ergebnisse ihre Projekte aktiv verlangsamen, und 49 Prozent sehen dadurch die Gesamteffizienz des Teams beeinträchtigt. Gleichzeitig stehen Mitarbeiter unter wachsendem Druck, in einem maschinengestützten Umfeld schnellere und bessere Ergebnisse zu liefern.

Viele geben an, eine gewisse „KI-Müdigkeit” zu empfinden. Trotzdem lehnen Wissensarbeiter:innen KI nicht pauschal ab. In der Umfrage äußerten 67 Prozent sogar den Wunsch, dass ihr Unternehmen den KI-Einsatz ausweitet. „Diese Ergebnisse weisen auf eine grundlegende Diskrepanz hin, die wir bei den meisten KI-Implementierungen beobachten. Für Unternehmen ist es viel einfacher, sich auf Nutzungskennzahlen zu konzentrieren – beispielsweise, wer KI nutzt und wie oft sie genutzt wird –, als ihre Auswirkungen auf die Arbeit selbst zu messen“, kommentiert Neal Riley, AI Innovation Lead bei The Adaptavist Group.

Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.

(jle)

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