Iran-Krieg: Wer den längeren Atem hat

vor 1 Tag 5

Die iranische Führung will die Zeit für sich spielen lassen – weil ihre Drohnen und Raketen die Luftabwehr der Feinde bald überfordern könnten. Doch Israel und die USA bombardieren das iranische Raketenprogramm massiv.

3. März 2026

| Lesezeit: 5 Min.

Man befinde sich, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums am Dienstag, in „einem Krieg von Gut gegen Böse“. Aus seiner Sicht steht die Islamische Republik logischerweise für das Gute, sie sieht sich als Opfer. Seine wöchentliche Pressekonferenz verlegte der Sprecher in ein Klassenzimmer einer angeblich bombardierten Schule.

In diesen ersten Tagen seit dem Tod Ali Chameneis, des Obersten Führers, bemüht sich das Regime um den Eindruck, es sei handlungsfähig. Nicht ganz einfach, wenn die Übergangsführung in einem geheimen Kellerraum zusammenkommt, weil die Hauptstadt ständigen Luftangriffen ausgesetzt ist. Offiziere der Revolutionsgarde halten sich derzeit lieber in Kliniken auf als in ihren Kasernen und Büros.

Er bedauere den Raketenangriff auf Oman, sagt Irans Außenminister

Außenminister Abbas Araghtschi gab in einem Interview zu, dass die Führung zu einigen kämpfenden Einheiten keinen Kontakt mehr habe. Er bedauere einen Raketenangriff auf Oman, sagte Araghtschi. Das Land hatte in den Verhandlungen zwischen Iran und den USA bis vergangene Woche vermittelt. Nur könne die iranische Führung, so Araghtschi, solche Aktionen derzeit nicht mehr verhindern. Die Befehle seien erteilt worden, bevor der Krieg begann.

Die iranische Kriegsführung folgt also einer vorher festgelegten Strategie. Was auch heißt, dass sie wenig darüber aussagt, wie intakt das Regime noch ist. Die israelisch-amerikanischen Angriffe übertreffen den letzten Krieg, also im Juni 2025, bei Weitem. Andererseits fiel die iranische Reaktion anders aus als angenommen: heftiger und weiter in der Region verteilt.

Ali Laridschani, der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats und derzeit De-facto-Regierungschef, gab sich selbstbewusst. Anders als die USA sei Iran für einen langen Krieg vorbereitet. Auch Laridschani passte seine Rhetorik der historischen Lage an: „Wir werden unsere sechstausend Jahre alte Zivilisation verteidigen“, sagte er. Auf den Fakt, dass viele in Iran den Tod Chameneis bejubelt haben, ging er nicht ein.

Grafik: ISW

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Grafik: ISW/SZ-Recherche

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Am vierten Tag des Krieges stellt sich langsam die Frage, für welche Seite die Zeit spielt.

Die USA und Israel haben besonders am Samstag einige Regierungsgebäude angegriffen, darunter mehrere Ministerien und auch die Residenz von Ayatollah Chamenei. 

Foto: Vantor via Reuters

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Darauf folgten Luftschläge gegen Kommandozentralen der Revolutionsgarde und ihrer Freiwilligenmiliz, den sogenannten Basidsch, sowie gegen größere Polizeistationen.

Auch mehrere Standorte des iranischen Atomprogramms wurden erneut angegriffen, darunter die Urananreicherungsanlage in Natans, die bereits im vergangenen Sommer teilweise zerstört worden war. Getroffen wurde unter anderem der überdachte Eingang zu den unterirdischen Anlagen.

Foto: Vantor via AFP/Vertical 52

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Eine Großzahl der bisherigen Luftangriffe richtete sich aber gegen die Fähigkeit der Iraner, Langstreckenraketen und Drohnen einzusetzen. In Ammand wurde beispielsweise eine gerade erst wieder errichtete Raketenfabrik getroffen, wie Satellitenbilder zeigen. 

Foto: Planet Labs PBC/Vertical 52

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In der Nähe von Kermanshah wurde eine Drohnenbasis nahezu vollständig zerstört.

Foto: Vantor via AFP

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Grafik: ISW

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Am vierten Tag des Krieges stellt sich langsam die Frage, für welche Seite die Zeit spielt.

Grafik: ISW/SZ-Recherche

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Die USA und Israel haben besonders am Samstag einige Regierungsgebäude angegriffen, darunter mehrere Ministerien und auch die Residenz von Ayatollah Chamenei. 

Foto: Vantor via Reuters

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Darauf folgten Luftschläge gegen Kommandozentralen der Revolutionsgarde und ihrer Freiwilligenmiliz, den sogenannten Basidsch, sowie gegen größere Polizeistationen.

Grafik: ISW/SZ-Recherche

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Auch mehrere Standorte des iranischen Atomprogramms wurden erneut angegriffen, darunter die Urananreicherungsanlage in Natans, die bereits im vergangenen Sommer teilweise zerstört worden war. Getroffen wurde unter anderem der überdachte Eingang zu den unterirdischen Anlagen.

Foto: Vantor via AFP/Vertical 52

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Grafik: ISW/SZ-Recherche

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Eine Großzahl der bisherigen Luftangriffe richtete sich aber gegen die Fähigkeit der Iraner, Langstreckenraketen und Drohnen einzusetzen. In Ammand wurde beispielsweise eine gerade erst wieder errichtete Raketenfabrik getroffen, wie Satellitenbilder zeigen. 

Foto: Planet Labs PBC/Vertical 52

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In der Nähe von Kermanshah wurde eine Drohnenbasis nahezu vollständig zerstört.

Foto: Vantor via AFP

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Außerdem wollen die USA bereits elf iranische Kriegsschiffe zerstört haben, die vorher im Golf von Oman präsent gewesen seien.

US-Außenminister Marco Rubio bestätigte, es gehe darum, das iranische Raketenprogramm sowie die Marine zu zerstören. Iran, so Rubio, solle damit „keine Gefahr mehr“ darstellen. Man sei bereit, den Iranerinnen und Iranern bei ihrer Hoffnung auf einem Regimesturz „zu helfen“, den allerdings müssten sie nach Ende des Krieges selbst schaffen.

Seine ballistischen Raketen sind es, die das iranische Regime derzeit nicht nur gegen Israel einsetzt, sondern auch gegen die arabischen Golfstaaten, wo sich viele US-Stützpunkte befinden. Daneben greift Iran dort auch mit Drohnen an. Die Vereinigten Arabischen Emirate konnten bisher zwar die Raketen aus Iran abschießen, nicht aber mehr als 40 Kamikazedrohnen. Die Drohnen detonierten in dem Land und beschädigten nicht nur amerikanische Basen, sondern auch zivile Hochhäuser und den Flughafen von Dubai.

Das iranische Regime sieht sich in einem existenziellen Kampf. Es will den Krieg daher in die ganze Region tragen, ohne Rücksicht darauf, wie sehr es das Verhältnis zu den Nachbarn belastet. Es erhöht den Druck, damit die Golfstaaten die US-Regierung dazu drängen, die Angriffe einzustellen. Die Taktik ist allerdings riskant, weil sie schon jetzt dazu führt, dass sich die arabischen Länder gegen Iran wenden.

Iran scheint darauf zu bauen, dass es noch längere Zeit zu Angriffen in der Lage ist, während in den Ländern am Golf sowie in Israel und bei den US-Truppen die Luftabwehrraketen knapp werden – eine Wette darauf, wer den längeren Atem hat. Wie es weitergeht, hängt also einerseits vom Tempo ab, mit dem Israel und die USA die iranische Infrastruktur zerstören. Anders gesagt: Wie lange Iran überhaupt noch Drohnen starten und Raketen abschießen kann, zumindest in der derzeitigen Intensität. Und wie lange auf der anderen Seite des Persischen Golfs die Reserven der Luftabwehr reichen – gegen die noch massiven iranischen Angriffe.

Die Emirate, aber auch andere Länder am Golf, haben sich in der Vergangenheit mit US-amerikanischen Luftabwehrsystemen ausgerüstet. Knapp 1000 Luftabwehrraketen soll die Regierung in Abu Dhabi gekauft haben. Gemessen an der Zahl der iranischen Raketen und Drohnen im Moment würde die Luftabwehr nur noch einige Tage lang reichen. Selbst Israel musste zum Ende des Kriegs im Juni zulassen, dass einige iranische Raketen einschlugen.

Das gerade noch touristische Dubai gilt nun als Krisengebiet

Die israelische Luftwaffe zerstörte damals zwar einen großen Teil der mehreren Hundert iranischen Abschussrampen. Seither soll Iran aber viele davon wieder aufgebaut und auch die Produktion der Raketen beschleunigt haben. Laut israelischen Schätzungen besaß Iran vor Kriegsbeginn ungefähr 2500 ballistische Raketen, außerdem Kurzstreckenraketen in viel höherer Zahl.

Foto: Planet/Vertical 52

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Nahe einer Raketenbasis in Isfahan sind Raketenwerfer zu erkennen.

Nahe einer Raketenbasis in Isfahan sind Raketenwerfer zu erkennen.

Hinzu kommen zum Beispiel die Shahed-Drohnen, mit denen Iran die Golfstaaten angreift. Es sind jene, die das Regime auch an Russland verkauft. Zehntausende von ihnen soll das Regime inzwischen hergestellt haben, angeblich kosten sie pro Stück nur zwischen 20 000 und 50 000 US-Dollar. Und sie überwinden die Luftverteidigung der Golfstaaten zumindest so oft, dass dort schon jetzt ein enormer Schaden entsteht: Das gerade noch touristische Dubai gilt nun als Krisengebiet.

Für Teheran allerdings gilt das umso mehr. Den Himmel über der Stadt beherrschen jetzt Israel und die USA, unablässig schlagen Bomben und Raketen ein. Von der iranischen Luftabwehr ist so gut wie nichts übrig. Das Regime kann sich kaum noch wehren, solange der Krieg nicht aufhört. Es kann nur an anderen Fronten angreifen.

Text: Raphael Geiger, Leonard Scharfenberg

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Infografik: Julia Kraus

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Digitales Storytelling und Daten: Leonard Scharfenberg

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Bildredaktion: Niklas Keller

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Redaktion: Reymer Klüver

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Schlussredaktion: Cosima Kopfinger

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