Im Jahr 2024 brachte die chinesische Raumfahrtmission Chang’e 6 erstmals in der Geschichte Bodenproben von der Mondrückseite zur Erde. Das Material liefert der Wissenschaft seitdem unschätzbare Erkenntnisse, etwa Einblicke in die Entstehung des Erdtrabanten.
Erstmals Asteroideneinschläge auf Mondrückseite untersucht
Ein Forschungsteam unter Führung von Wissenschaftlern des Guangzhou Institute of Geochemistry hat nun den Einschlag von Asteroiden auf der erdabgewandten Seite des Mondes analysiert. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachjournal Science Advances publiziert. Von der Erforschung des Gesteins erhoffen sich die Forschenden auch Rückschlüsse auf die Evolution der Erde. Unser Planet und sein natürlicher Satellit teilen sich schließlich ihre Geschichte.
Doch während die Spuren früherer Einschläge von Asteroiden auf der Erde über Millionen Jahre größtenteils verwischt wurden, zeigt sich der Mond relativ jungfräulich.
„Der Mond ist wie eine Zeitkapsel – er hat Aufzeichnungen von Ereignissen bewahrt, die auf der Erde durch Erosion, Plattentektonik und andere geologische Prozesse ausgelöscht wurden“, sagte Fred Jourdan von der australischen Curtin University, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist, in einer Pressemitteilung.
Darum ist die Mondrückseite aufschlussreicher als die erdnahe Hälfte
Die Mondrückseite ist als Zeitkapsel noch besser geeignet als die der Erde zugewandte Hälfte. Denn sie wurde laut Fred Jourdan weniger von späteren geologischen Aktivitäten beeinflusst als die Mondvorderseite.
Die Seite des Mondes, die wir stets von der Erde aus sehen, wurde stark von der Entstehung des Mare Imbrium geprägt. Diese Tiefebene soll bisherigen Hypothesen zufolge durch einen der letzten großen Asteroiden-Einschläge auf dem Mond während des sogenannten späten schweren Bombardements (Late Heavy Bombardment, LHB) entstanden sein.
Doch die Analyse des Gesteins der Mondrückseite zieht gerade die LHB-Hypothese in Zweifel. Sie geht davon aus, dass es vor gut vier Milliarden Jahren zu einer letzten großen Bombardierung der Planeten im inneren Sonnensystem durch Asteroiden kam.
Die Untersuchung der von Chang’e 6 gewonnenen Proben zeigte, dass die Mondoberfläche wahrscheinlich über einen breiten Zeitraum dem Einschlag von Asteroiden ausgesetzt war. Das Alter der Einschläge variierte demnach zwischen 4,3 Milliarden und 1,13 Milliarden Jahren. Dies führt die Forschenden zu dem Schluss, dass es statt eines letzten schweren Bombardements ein kontinuierliches Abflauen von Asteroidenschauern gab.
„Diese Proben helfen uns dabei, Teile der Geschichte des Mondes neu zu schreiben, und deuten darauf hin, dass es im frühen Sonnensystem eher zu einem lang anhaltenden Rückgang der Asteroideneinschläge kam als zu einem einzigen katastrophalen Bombardement“, sagte Fred Jourdan.
Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.
(jle)










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