Forscher filmen erstmals ein lebendes Exemplar des „hässlichsten Haies“ der Welt

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Der Koboldhai gilt als eines der bizarrsten Tiere der Tiefsee und als „hässlichster Hai“ der Welt. Meeresbiologen präsentieren nun erstmals Sichtungen lebender Exemplare. Die Tiere verändern ihr Äußeres nach dem Tod drastisch.

Ein Gesicht, das nur die Mutter lieben kann, lässt Schlimmes befürchten. Im Fall des Koboldhaies erscheint die mehr oder minder subtile Beleidigung nicht einmal übertrieben. Der Raubfisch ist tatsächlich nicht nur selten hässlich, sondern fristet in den Tiefen der Ozeane auch meist ein Leben im Verborgenen.

Forschern ist es erstmals gelungen, lebende Koboldhaie in ihrem natürlichen Lebensraum in der Tiefsee zu dokumentieren und ihre Sichtungen auszuwerten. Die Aufnahmen entstanden während einer Expedition im Tongagraben im Jahr 2024 sowie bei Beobachtungen nahe Jarvis Island im Pazifik. Die Ergebnisse wurden jetzt gemeinsam im Fachjournal „Journal of Fish Biology“ veröffentlicht.

Der Koboldhai gilt als eine der rätselhaftesten Haiarten der Welt und wurde bislang fast ausschließlich tot oder als Beifang an Angelhaken dokumentiert. „Sie haben die Fantasie so vieler Menschen beflügelt, aber wir haben sie nie lebend gesehen“, erklärte Prof. Alan Jamieson, Direktor des Minderoo-UWA Deep-Sea Research Centre und Mitautor der Studie. „Tatsächlich wissen wir praktisch nichts über sie.“

Die Wissenschaftler zeichneten die Tiere mehr als 50 Tage lang in ununterbrochenen Filmaufnahmen auf. Das Video aus dem Tongagraben zeigt einen Koboldhai in einer Tiefe von knapp 2000 Metern und stellt damit die bislang tiefste bekannte Filmaufnahme dieser Art dar.

„Es ist das bizarrste Tier überhaupt“, sagte Jamieson dem britischen „Guardian“. „Sie haben dieses unglaubliche Maul, das aus dem Kopf hervorschnellen kann und wie eine Schleuder Beute schnappt.“ Der ungewöhnliche Kiefer sei das bekannteste Merkmal der Art. „Wenn der Hai lebt, ist das Maul jedoch vollständig in den Kopf eingezogen. Dann sieht man vor allem seinen extrem spitzen Kopf.“

Die neuen Sichtungen erweitern zudem das bekannte Verbreitungsgebiet der Art. Bisher wurde der Koboldhai vor allem vor den Küsten Japans, Australiens und der USA sowie in kleineren Regionen des Atlantiks und Indischen Ozeans vermutet. Die neuen Nachweise im zentralen Pazifik zeigen laut Jamieson, dass die Art offenbar über ein deutlich größeres Verbreitungsgebiet verfügt. „Es ist ein klassischer Fall eines Tiefseetiers mit sehr geringer Population, aber einer enormen geografischen Verbreitung.“

Im Jahr 2015 dokumentierten australische Fischer ein totes Exemplar, das sie in ihren Fischernetzen gefunden hatten. Auf den Fotos ist das ausgefahrene Maul des Koboldhaies gut zu erkennen.

Auch Prof. Culum Brown, Fischbiologe an der Macquarie University, zeigte sich fasziniert von dem Tier. „Sie sind wohl die hässlichsten Haie des Planeten“, stellte er gegenüber dem „Guardian“ fest. „Sie sehen geradezu grotesk aus. Nicht einmal ihre Mutter würde ihr Gesicht lieben.“

Brown beschreibt die Tiere als urtümliche Art, die sich in den vergangenen 125 Millionen Jahren kaum verändert habe. Koboldhaie besitzen einen langen, schlaffen Körper, können bis zu sieben Meter lang werden und bewegen sich vermutlich sehr langsam. „Wie viele Tiefseebewohner haben sie wahrscheinlich einen extrem langsamen Stoffwechsel und treiben eher gemächlich durch die Tiefe“, sagte Brown.

Der Name „Koboldhai“ geht laut den Forschern auf eine japanische Bezeichnung zurück, die sich auf eine Sagengestalt mit langer Nase und roten Wangen bezieht – eine Anspielung auf das markante Aussehen der Tiere.

rc

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