Dax-Sentiment: Kaum Impulse am Aktienmarkt – dafür Signale bei Bitcoin und Gold

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Während Gewinner des Booms um Künstliche Intelligenz, wie der Chipkonzern Infineon, weiter steigen und sich auch Rüstungsaktien wie Rheinmetall erholen, steht die Versicherungs- und Pharmabranche unter Druck. Deswegen sagt Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX: „Es kann von keinem breiten Aufwärtstrend gesprochen werden.“

Für das Dax-Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen bis Samstagabend mehr als 10.000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Heibel aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.

Durch die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Irankriegs sind Dax-Kurs und Anlegerstimmung (Sentiment) parallel gestiegen. Das Sentiment liegt in der aktuellen Auswertung bei 2,2 Punkten nach 1,3 Zählern in der Vorwoche.

„Ich würde das als moderat gut gelaunt bezeichnen“, sagt Heibel. Extremwerte starten bei plus und minus vier Punkten.

Mit der besseren Stimmung hat sich auch die zuvor gemessene Verunsicherung komplett abgebaut. Diese wird ermittelt, indem die Befragten angeben, ob sich ihre Erwartungen in der abgelaufenen Handelswoche erfüllt haben. Je weniger das der Fall ist, desto höher ist die Verunsicherung.

Stattdessen misst Heibel mit einem Wert von plus 0,8 Punkten eine leichte Selbstzufriedenheit. Diese liegt vor, wenn sich die Erwartungen erfüllen. Je mehr Erwartungen erfüllt werden, desto höher ist der Wert.

Allerdings denken immer weniger Anleger, dass die Erholungsrally noch lange anhalten wird. Mittlerweile erwartet nur noch jeder fünfte Umfrageteilnehmer, dass sich der Dax in drei Monaten in einem Aufwärtstrend befinden wird.

Dadurch sinkt die Zukunftserwartung mit minus 0,4 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Januar und zeigt Pessimismus an. Für die Ermittlung des Werts werden die Umfrageteilnehmer gefragt, welche Marktphase sie in drei Monaten erwarten.

Heibel sieht für den aufkommenden Pessimismus zwei mögliche Gründe. Die eine Alternative: „Börsenindizes notieren auf oder nahe bei Allzeithochs, und Anleger fürchten nun im Falle eines Friedensschlusses im Iran Gewinnmitnahmen, die zu einer Korrektur der erzielten Buchgewinne führen könnten“, sagt Heibel.

Der zweite mögliche Grund könnte die Sorge sein, dass die Hoffnung auf einen Frieden erneut enttäuscht würde und es zu einer Gegenreaktion am Markt komme, sagt Heibel. US-Präsident Donald Trump hatte bereits mehrfach von einer baldigen Einigung gesprochen, bislang wurde aber lediglich die Waffenruhe verlängert.

Trotzdem steigt die Investitionsbereitschaft auf 1,3 Punkte. Damit bleibt sie nach Heibels Einschätzung „konstruktiv positiv“.

Allerdings muss sich die Kaufbereitschaft nicht darauf beziehen, dass Anleger Aktien kaufen, um von steigenden Kursen zu profitieren. Denn eine separate Umfrage von AnimusX zeigt, dass die Absicherungen in den Depots hoch sind. Daraus schließt Heibel: „Die Investitionsabsicht vieler Anleger bezieht sich also auch auf Short-Positionen, mit denen man von fallenden Kursen profitieren möchte.“

Die verschiedenen Sentimentindikatoren zeigen damit in unterschiedliche Richtungen, ohne dass irgendwo Extremwerte erreicht würden. Heibel erwartet daher ohne nachrichtlichen Auslöser eine eher ruhige Börsenwoche: „Aus der Sentimentanalyse können wir keinen Schiefstand der Anleger ableiten, der sich in einer Marktbewegung in die eine oder andere Richtung entladen müsste oder könnte.“

Stimmung bei Gold und Bitcoin erreicht Extremniveau

Bei zwei weiteren Anlageklassen sind dagegen Extremwerte erreicht worden. Zum einen sind bei der Kryptowährung Bitcoin die Stimmung und die Zukunftserwartung auffallend niedrig. Bei ähnlich schlechter Stimmung stieg der Bitcoin in der Vergangenheit in den folgenden sechs Monaten um durchschnittlich 19 Prozent, bei ähnlich pessimistischen Zukunftserwartungen um 26 Prozent.

Heibel rät interessierten Anlegern trotzdem zu Geduld. Er verweist auf einen sich alle vier Jahre wiederholenden Zyklus, wonach aktuell „ein Krypto-Winter“ herrsche – also eine längere Phase fallender Kurse, geringer Handelsvolumina und mit einer pessimistischen Marktstimmung –, der noch über den Sommer hinaus anhalten könne. „Zum Einsteigen ist es also noch zu früh“, sagt der Sentimentexperte.

Anders sieht es am Goldmarkt aus. Hier zeigen die Daten von AnimusX ebenfalls eine extrem schlechte Stimmung an. Nur zehn Mal in den vergangenen 20 Jahren war die Stimmung am Goldmarkt vergleichbar schlecht.

Extremwerte sind der Sentimenttheorie zufolge Kontraindikatoren. Ist die Stimmung extrem schlecht, haben die meisten Anleger schon verkauft und der Verkaufsdruck ist gering. Es reichen dann wenige Käufer aus, um die Kurse wieder nach oben zu bewegen. In der Vergangenheit folgte auf negative Extremwerte bei Gold daher in neun von zehn Fällen ein Preisanstieg binnen sechs Monaten, sagt Heibel.

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Die Ausnahme ist das Coronajahr 2020, als der Goldpreis von September 2020 bis März 2021 um weitere sieben Prozent nachgab. Über alle zehn Ereignisse hinweg stieg der Goldpreis in den folgenden sechs Monaten jedoch durchschnittlich um gut neun Prozent an.

Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblattumfrage Foto: Matthias Martin, Berlin

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