Die italienische Großbank UniCredit hat ihren Anteil an der Commerzbank weiter ausgebaut und vorzeitig die Schwelle von 30 Prozent überschritten. Mit dem Übernahmeangebot für den deutschen Rivalen hat UniCredit schon zwei Wochen vor Ablauf der Annahmefrist 7,58 Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt, teilte das Institut mit. Die bisher starke Resonanz spiegele den Wert wider, den die Investoren in dem Übernahmeangebot von UniCredit sähen, erklärte das Geldhaus.
Damit hat UniCredit-Chef Andrea Orcel – trotz des Widerstands des Commerzbank-Vorstands – insgesamt 34,35 Prozent der Anteile sicher. Weitere Käufe wären damit möglich, ohne dass ein höheres Pflichtangebot fällig würde. Zuletzt hatte UniCredit einen Anteil von 26,77 Prozent gemeldet. Orcel arbeitet zugleich daran, die Beteiligung weiter auszubauen.
Weitere 3,22 Prozent kann UniCredit nach eigenen Angaben in jedem Fall erwerben, indem die Bank Kaufoptionen zieht, die sie von mehreren Investmentbanken erworben hat. Insgesamt könnte sich Orcel unter Umständen sogar Zugriff auf bis zu 50,8 Prozent der Commerzbank-Anteile verschaffen. Ab der 50-Prozent-Schwelle, also einer Mehrheit, verliert die Commerzbank ihre Eigenständigkeit.
UniCredit war im September 2024 nach einem Aktienverkauf des Bundes bei der Commerzbank eingestiegen und wurde zum größten Einzelaktionär vor dem Staat. Konzernchef Orcel wirbt seit Monaten für einen Zusammenschluss und sieht Potenzial für milliardenschwere Einsparungen. Management, Betriebsrat und Beschäftigte der Commerzbank lehnen das Vorgehen als »feindlich« ab.
Aufsichtsrat und Vorstand raten den Aktionärinnen und Aktionären, nicht anzudienen – auch weil das Angebot keine Übernahmeprämie enthalte, sondern einen Abschlag. Die Commerzbank warnt zudem vor Risiken, unter anderem wegen des Russlandgeschäfts von UniCredit. Außerdem rechne sie im Übernahmefall mit einem deutlich stärkeren Stellenabbau: Statt der geplanten 3000 Vollzeitstellen bis 2030 könnten nach Darstellung von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bis zu 11.000 Jobs wegfallen. Den von UniCredit vorgelegten Plan hält sie für unrealistisch.

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