Das schon im Juni öffentlich gemachte Foto ist ein interessanter Move für die Künstlerin, die zwei Jahre zuvor den bis dahin eher negativ besetzten Begriff »Brat« (etwa: Göre) positiv umdeutete und für ein trotziges, widerständiges, auf Traditionen pfeifendes weibliches Weltbild verbreitete. Was bedeutet es, dass Charli xcx drei in ihren Disziplinen längst ikonischen und kanonischen Männern die Bühne bereitet? Will sie jetzt selbst im klassischen Kulturbetrieb mitmischen?
Ein weiteres Indiz dafür wäre die jüngste Aktion, mit der die Veröffentlichung ihres neuen Albums begleitet wird. Wie die berühmte britische National Portrait Gallery mitteilte, soll dort nun auch Foto von Charli xcx an den von prominenten Gesichtern geschmückten Wänden hängen.
Kuratorin Brandei Estes erklärt zum Ankauf, dass Charli xcx schon deshalb einen Platz in dem Londoner Museum verdiene, da sie eine der kulturdefinierenden Figuren ihrer Generation sei. Ausgewählt wurde ein Porträt, das die Fotografin Harley Weir 2023 von dem Popstar aufgenommen hatte. Es zeigt Charli xcx – quasi in Vorbereitung auf den »Brat«-Sommer 2024 – in trotziger Pose und mit rausgestrecktem Bauchnabel an eine Wand lehnend. Die Haare wirken wie ein zerrupftes Vogelnest, die Augen verschwinden unter flächigen schwarzen Kajalstrichen.
So gesehen kontert Charli xcx ihre Annäherung ans Kultur-Establishment mit ihrer gewohnten Ihr-könnt-mich-alle-mal-Haltung. Dem Verkauf ihres Albums wird es nicht schaden. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn sie diese Woche nicht die neue Nummer eins der britischen Charts wird.

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