Börsenabsturz: SK Hynix rauscht trotz Rekordzahlen weiter ab

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Der weltweit zweitgrößte Speicherhersteller SK Hynix verbucht 79,3 Billionen Won (KRW) Umsatz für das zweite Quartal 2026. Umgerechnet sind das derzeit rund 48 Milliarden Euro. Der aktuelle Betriebsgewinn liegt demnach bei fast 37 Milliarden Euro. Das entspricht 51 beziehungsweise 61 Prozent Wachstum in nur drei Monaten. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum schießt der Betriebsgewinn um 557 Prozent in die Höhe. Dennnoch strafen die Börsen das Unternehmen ab,

SK Hynix profitiert massiv von der Speicherkrise und den daraus resultierenden Preissteigerungen: SK Hynix' durchschnittlicher Preis für DRAM-Bausteine ist im letzten Quartal um etwa 30 Prozent gestiegen. Dabei handelt es sich etwa um DDR5, LPDDR5X und High-Bandwidth Memory wie HBM3e und HBM4. NAND-Flash-Chips für SSDs wurden durchschnittlich mehr als 50 Prozent teurer.

Die fast 94 Billionen KRW Nettogewinn (57 Milliarden Euro) stellen eine Anomalie dar: SK Hynix hat 63,3 Billionen KRW (38 Milliarden Euro) mit dem „Verkauf und der Bewertung von Anlagevermögen“ erwirtschaftet. Hintergrund ist eine indirekte Beteiligung am japanischen NAND-Flash-Hersteller Kioxia. SK Hynix war über Zweckgesellschaften an Kioxia beteiligt, die die US-Investmentgesellschaft Bain Capital anführte. Bain Capital hat bis Anfang Juli 2026 – also nahe Kioxias Höchstbewertung – jedoch alle Anteile verkauft und darüber auch SK Hynix ausgezahlt.

Über eine letzte verbliebene Zweckgesellschaft hält SK Hynix noch Wandelanleihen, die der Hersteller in Aktien mit Stimmberechtigung umwandeln will. Sollten die Behörden zustimmen, wird SK Hynix mit einem Anteil von gut 14 Prozent zum zweitgrößten stimmberechtigten Kioxia-Anleger.

Börsen weltweit haben den Geschäftsbericht derweil schlecht aufgenommen. SK Hynix blieb hinter den Erwartungen zurück; Analysten hatten mit umgerechnet 51 Milliarden Euro Umsatz und 39 Milliarden Euro Betriebsgewinn gerechnet. Hintergrund sind offenbar Lieferverzögerungen, sodass SK Hynix Einnahmen teilweise erst im Folgequartal verbuchen kann.

An der Korea Stock Exchange (KRX) steht SK Hynix heute bei fast minus zehn Prozent, gegenüber dem Höchststand von Ende Juni bei minus 52 Prozent. Auch Konkurrent Samsung lässt Federn, heute steht der Konzern bei minus fünf Prozent. Der wichtigste südkoreanische Aktienindex Kospi ist seit Juni um 38 Prozent abgestürzt. Samsung und SK Hynix sind dort die größten Schwergewichte. Die hierzulande gehandelten Hinterlegungsscheine der zwei Unternehmen sind noch nicht ganz so stark gefallen.

Neben Zurückhaltung bei Großinvestoren verstärkt offenbar die Neigung zu Hebelprodukten in Südkorea das aktuelle Minus. Anleger bewegen so etwa auf Pump einen größeres Handelsvolumen, als ihr Einsatz mit normalen Aktien hergäbe. Anfang Juli sollen 70 Prozent des südkoreanischen Handelsvolumens Aktien von Samsung und SK Hynix sowie entsprechende Hebelprodukte ausgemacht haben. Das entsprach mehr als 2,5 Billionen Euro.

Gängig sind zweifach gehebelte Exchange Traded Funds für einzelne Aktien (Single-Stock-ETFs) anstelle von Indizes, die täglich Derivate oder Termingeschäfte (Futures) handeln. Im Bestfall verdoppeln solche die Rendite, in schlechteren Zeiten verdoppeln sie das Minus. Zusätzlich ist es in Südkorea nicht unüblich, Kredite für Aktiengeschäfte aufzunehmen.

Stärkere Regulierungen der Single-Stock-ETFs sollten die Volatilität im Kospi-Index reduzieren, verstärkten den Abwärtstrend offenbar aber nur. Unter anderem beschloss die südkoreanische Regierung Mindesteinzahlungen von 30 Millionen Won (aktuell 18.145 Euro) und Mindesthandelseinheiten von 20 Anteilen. Das wiederum würgte das Handelsvolumen ab.

Fallende Kurse und weniger Geld zum Abfedern lösten Nachschussaufforderungen (Margin Calls) aus; Positionen mussten liquidiert werden. Es folgt eine Kettenreaktion: Die Kurse fallen noch stärker, was wiederum weitere, konservativer angesetzte Nachschussaufforderungen auslöst.

SK Hynix bemüht sich derweil, genau wie andere Speicherhersteller, die Nachfrage durch den KI-Boom hochzuhalten. Auch die Firma schließt Langzeit-Lieferabkommen (Long-Term Agreements, LTAs) mit Großabnehmern ab. Sie definieren Liefermengen und Preisspannen für üblicherweise fünf Jahre, typischerweise mit milliardenhohen Strafzahlungen bei Nichterfüllung auf beiden Seiten. „Rund zehn“ LTAs hat SK Hynix laut eigenen Angaben abgeschlossen, weitere sollen folgen.

(mma)

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