Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin ist nach monatelanger Sanierung bald wieder durchgehend befahrbar – Fernzüge werden in den ersten zwei Wochen nach der Wiedereröffnung am 14. Juni aber langsamer fahren als geplant. Als Grund teilte die Deutsche Bahn mit, in dieser Zeit müsse sie noch die neue Signal- und Stellwerkstechnik abnehmen und die Belastung mit Testfahrten überprüfen. Abschnittsweise müsse dafür die Geschwindigkeit gesenkt werden.
Die Infrastruktursparte der Bahn erklärte, sie passe in Abstimmung mit den Zugbetreibern die Fahrpläne vorsorglich bis 30. Juni »im Minutenbereich« an. Zunächst hatte der »Tagesspiegel« berichtet, dass die ICEs auf der sanierten Strecke knapp zwei Stunden benötigen dürften – fünf bis zehn Minuten länger als laut Fahrplan vorgesehen.
Die planmäßige Fahrzeit zwischen beiden Metropolen wird ohnehin länger als vor der Sanierung: Statt 105 Minuten sollen die Züge mindestens 107 Minuten unterwegs sein – ursprünglich geplant war die Strecke für 90 Minuten, allerdings auch für erheblich weniger dichten Verkehr als heute.
Zu wenige Prüfer
Laut dem »Tagesspiegel«-Bericht hapert es an ausgebildeten Prüfern für die verwendete Leittechnik. Demnach könnten zwei modernisierte Zentralen, an denen mehrere Stellwerke hängen, noch nicht in Betrieb genommen werden. Daher müsse die Bahn auf den betroffenen Abschnitten auf ein altes Leit- und Sicherungssystem zurückgreifen, mit dem die Züge aber höchstens 160 statt 230 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Pikant ist, dass die Bahn bewusst auf noch modernere Technik verzichtet hatte, um Probleme zu vermeiden. Deshalb wählte sie auf Teilen der Strecke die sogenannte Linienzugbeeinflussung, die eigentlich nicht mehr neu verbaut werden sollte, statt des europäischen Standards ETCS. Die erste große Generalsanierung auf der Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim wurde auch genutzt, um dieses digitale System zu installieren, was jedoch erst mehr als ein Jahr nach Öffnung der Strecke funktionierte.
Nach dem Konzept der Generalsanierung sperrt die Bahn nacheinander mehrere Hauptstrecken monatelang, um Gleise, Weichen, Bahnhöfe und Leittechnik zu erneuern – dies soll ständige Störungen wegen nötiger Reparaturen im laufenden Betrieb vermeiden. Die Strecke Hamburg-Berlin wurde am 1. August 2025 gesperrt und sollte eigentlich Ende April saniert sein. Die Bauarbeiten verzögerten sich aber wegen des harten Winters. Datum der Wiederinbetriebnahme ist deshalb nun der 14. Juni.
»Ab diesem Tag verkehren alle Nahverkehrsverbindungen wieder nach regulärem Fahrplan«, erklärte die Bahn. Der Busersatzverkehr ende. Auch die Kapazitäten für den Güterverkehr zwischen Hamburg und Berlin seien vollständig wiederhergestellt.
»Restarbeiten« an manchen Bahnhöfen
So sei ab dem ersten Betriebstag ein stabiles und zuverlässiges Angebot für Reisende gewährleistet, erklärte der Konzern. Alle geplanten Züge fahren demnach »in voller Kapazität«. Fahrgäste sollten sich kurz vor Fahrtantritt über die elektronische Reiseauskunft auf www.bahn.de oder in der App DB Navigator noch einmal über ihre gebuchte Verbindung informieren, empfahl die Bahn.
An einigen Bahnhöfen entlang der Strecke werden laut Konzern noch »Restarbeiten« ausgeführt, die wegen der witterungsbedingten Einschränkungen zu Beginn des Jahres nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten. Es werde »mit Hochdruck« daran gearbeitet, diese Arbeiten schnellstmöglich abzuschließen.
Der bundeseigene Konzern kämpft seit Jahren mit der Pünktlichkeit, der Start ins laufende Jahr fiel dabei besonders schlecht aus. Begründet wurden die schlechten Zahlen mit der maroden Infrastruktur, den vielen Baustellen im Netz sowie dem strengen Winterwetter.
Wer in einen Fernzug der Deutschen Bahn steigt, kommt weiter nur in sechs von zehn Fällen planmäßig an. Im Mai hat die Pünktlichkeit lediglich knapp eine wichtige Zielmarke erreicht. Mehr dazu lesen Sie hier.

vor 12 Stunden
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