Bayern: Hotel weist israelische Gäste ab – Antisemitismus-Vorwurf erhoben

vor 14 Stunden 1

Es ist eine Antwort, die sich schwer erklären, schwer entschuldigen lässt: Gäste aus Israel wollten über ein Buchungsportal ein Hotel in der Oberpfalz reservieren und bekamen zur Antwort »Sorry, there are no jews allowed in our hotel«, also »Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt«.

Die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, verurteilte das Verhalten des Hotels scharf. Sie schrieb in einem Post auf der Plattform X: »Sind wir wieder in den 1930er Jahren?«

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Israelische Medien berichteten zuerst über den Vorfall. In der »Jüdischen Allgemeinen«  heißt es: »Nach einer Prüfung bestätigte sich nach Angaben der israelischen Diplomaten die Echtheit der Nachricht. Das Hotel habe zunächst bestritten, für die Mitteilung verantwortlich zu sein. Später sei jedoch eingeräumt worden, dass ein Mitarbeiter die Nachricht verschickt habe.«

Das Polizeipräsidium Oberpfalz bestätigte dem SPIEGEL einen Polizeieinsatz in dem Zusammenhang, der Vorfall werde von der Kriminalpolizei in Regensburg bearbeitet.

»Definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten«

Das Hotel entschuldigte sich laut Nachrichtenagentur dpa inzwischen per E-Mail bei dem Gast. »Das ist überhaupt nicht unser Weltbild«, sagte der Juniorchef des Hotels demnach auf Anfrage. »Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten«, schrieb das Hotel dem Gast in einer E-Mail, die auch an die Bayerische Staatskanzlei ging.

Darin erläutern die Betreiber des Familienhotels, wie es zu der Äußerung kam. Demnach kämpfe das Hotel seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishingversuchen über eine große Buchungsplattform, bei denen Nutzerdaten gestohlen worden sein sollen. Auch bei der Anfrage aus Israel habe man fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele, so berichtet es auch der Bayerische Rundfunk. 

»Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurden, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen«, heißt es in dem Schreiben, aus dem die dpa zitiert. »Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren.«

In der E-Mail lud das Hotel den Gast und dessen Familie für eine Woche kostenlos in die Oberpfalz ein, »um uns persönlich kennenzulernen, und um Ihnen zu beweisen, dass wir keine schlechten Menschen sind, die andere diskriminieren«.

Bei dem Hotel gehen nach Angaben des Chefs seither täglich Drohungen und Morddrohungen ein. Die Buchungsplattform Booking habe das Hotel von der Seite genommen. »Das ist ein Riesen-Problem«, sagte der Juniorchef. Er gehe aber nicht davon aus, dass sich trotz der Klarstellung daran etwas ändern werde.

Booking teilte dem SPIEGEL dazu mit, das Unternehmen dulde »keinerlei Diskriminierung« und weiter: »Wenn wir auf diskriminierendes Verhalten eines Unterkunftspartners aufmerksam gemacht werden, gehen wir dem immer umgehend nach und können Unterkünfte von unserer Plattform entfernen – so wie wir es auch in diesem Fall getan haben.«

Einer Studie der Universität Tel Aviv zufolge ist die Zahl judenfeindlicher Anschläge im vergangenen Jahr dramatisch gestiegen. In Deutschland wurden laut dem Bericht im Jahr 2025 insgesamt 5729 antisemitische Vorfälle registriert – ein Rückgang im Vergleich zu 6560 Fällen im Jahr zuvor. Allerdings lag die Zahl damit weiterhin deutlich über dem Niveau von 2022, als 2811 Vorfälle gezählt wurden.

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