Der Juli ist Piratenmonat. Nach dem gelungenen Remake des Piraten-Action-Abenteuers „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ dürfen sich nun Fans von Aufbaustrategiespielen ins wilde Piratenleben stürzen. Statt Action und Abenteuer erwartet Spieler in „Corsair Cove“ aber komplexe Städteplanung und cleveres Warenmanagement.
Da liegen wir nun am Strand. Von der Piratenanführerin betrogen, haben wir uns auf die einsame Insel gerettet und müssen jetzt unser eigenes kleines Piratenimperium aufbauen. Wir brauchen Hütten für unsere Piraten, ein Lagerfeuer zum Essen und irgendwann auch neue Schiffe, um die Meere zu erkunden. Dublonen und Rohstoffe sind lebensnotwendig, denn unsere Erzfeindin wird uns keine lange Ruhepause gönnen.
„Corsair Cove“ angespielt (5 Bilder)

heise medien
)„Corsair Cove“ ist ein Spiel der Details. Alles hängt zusammen, jeder Warenkreislauf muss auf den schnellsten Wegen laufen. Das Besondere: Wo Spieler bei der Konkurrenz von „Anno“ meist nur auf dem Boden bauen, errichten die Piraten ihre Gebäude auch auf den steilen Hängen der kleinen Inseln. Leitern und kleine Klippenpfade sorgen für reibungslose Transportwege. Über 130 Gebäude stehen im Laufe des Spiels zur Verfügung.
Wer sich am Ende als König auf den Piratenthron setzen will, muss sogenannte Prinzipien-Quests erfüllen. Sie geben so etwas wie die Story und den Spielstil vor. Wählen die Spieler den Weg des „Imperiums“, müssen sie in einer Questreihe ihre Städte ausbauen, wählen sie den Weg des „Reichtums“, sollten am Ende die meisten Dublonen in ihrer Schatztruhe liegen. Ähnliches gilt für die Prinzipien der „Seefahrt“ oder des „Ruhms“.
Spielspaß für Tüftler
Das geht langsam los. Die ersten Missionen lotsen die Spieler durch die Grundlagen. Erst einmal das Wrack ausschlachten, dann den Wald roden und ein paar Hütten bauen. Langsam wird die kleine Siedlung zu einem typischen Piratenunterschlupf mit Lagerfeuer, Taverne und Schnapsbrennerei. Schon bald können die Spieler einen Pier bauen und mit selbstgebauten Schiffen in See stechen. Dann müssen die Piraten Waren schmuggeln, Konkurrenten jagen oder einfach die Welt kartografieren.
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Der „Kompass“ dient als eine Art Fertigkeitenbaum. Aufgeteilt in die einzelnen Prinzipien schaltet er neue Gebäude frei oder erhöht die Effektivität der Arbeiter. Eine „Spielhölle“ verstärkt die Produktion und auf einem „Großen Markt“ werden Waren getauscht. Jeder Weg bietet Vor- und Nachteile, wirkte aber bei unseren Anspielstunden nicht ungewöhnlich oder originell. Genrefans werden sich hier sofort zu Hause fühlen.
Kleine Insel, große Probleme
Der Siedlungsbau auf der kleinen Insel erfordert von den Spielern Eingewöhnungszeit. Bis der Kanonenturm mit Munition versorgt ist oder das erste Schiff vom Pier läuft, sollten sich die Spieler erst einmal mit der unübersichtlichen Karte herumplagen. Wo die Konkurrenz scheinbar endlos Platz bietet, konzentriert sich die Städteplanung auf eine kleine Insel. Es ist nicht immer zu erkennen, welche Gebäude miteinander verbunden werden können. Ständig wird die Kamera justiert, um sich Überblick zu verschaffen.
Die Expeditionen über das Meer laufen geradliniger ab. Nachdem die Spieler einen von mehreren Kapitänen ausgewählt und in der Taverne die Mannschaft rekrutiert haben, geht es per Mausklick ans Ziel. In der Regel endet das mit einer Seeschlacht, die rundenweise über Würfel und Karten ausgetragen wird. Manchmal müssen die Piraten einfach den Gegner besiegen, manchmal sich auch nur davonschleichen. Anfangs ist das noch simpel. Später können die Spieler ihre Schiffe verbessern oder gleich stärkere Schiffe kaufen, um neue Spielmöglichkeiten freizuschalten.
Abseits der Prinzipienquests gibt es noch den Modus „Freies Spiel“ in dem sich die Spieler auf mageren drei Inseln austoben dürfen. Diese boten zwar unterschiedliche Herausforderungen, sahen sich aber visuell sehr ähnlich. Bis jetzt ist „Corsair Cove“ eine klassische Einzelspielererfahrung. Das macht das Piratenabenteuer fast schon zu einer puristischen Aufbaustrategieerfahrung, die das Genre bis auf wenige Details nicht neu erfindet. Auf Steam können sich Fans eine kostenlose Demo herunterladen, um in das gar nicht so feucht-fröhliche Piratenleben hineinzuschnuppern.
Zwischenfazit
So ein Piratenleben kann ganz schön anstrengend sein. In „Corsair Cove“ werden schon kleine Details zum Verhängnis. Irgendwo einen Weg vergessen, die Träger nicht rechtzeitig beauftragt oder einfach vergessen, Essen zu kochen? Plötzlich stockt dann der Warenkreislauf, und die Piraten fangen an zu meutern. Das Spiel verzeiht wenig, wird deshalb aber Genrekenner angenehm fordern.
Die müssen sich aber trotzdem zuerst an die Steuerung gewöhnen. Es ist nämlich gar nicht so leicht, sich auf den kleinen Inseln zurechtzufinden. Die an sich clevere Idee, den Bau in die Vertikale zu verlagern, sorgt für Unübersichtlichkeit. Dazu kommen dann noch komplexes Städtemanagement und Würfel-Glück auf See. „Corsair Cove“ ist ein Rohdiamant, der Einarbeitungszeit, Geduld und nicht zuletzt ein paar Updates erfordert, um das Piratenleben zu genießen.
„Corsair Cove“ erscheint am 31. Juli für Windows. Der Preis stand zum Zeitpunkt des Artikels noch nicht fest. Auf Steam gibt es eine kostenlose Demo. Es ist im PC Game Pass von Microsoft enthalten. USK nicht geprüft.
(dahe)










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