Amazon-Manager soll umstrittene KI-Schauspielerin zum Franchise ausbauen

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Das KI-Unternehmen Particle6 will die KI-Schauspielerin Tilly Norwood groß herausbringen. Helfen soll dabei ab sofort Mark Whelan, der zuvor bei Amazons Streamingdienst Prime Video für Social-Strategien in mehreren europäischen Märkten zuständig war und an Marken wie „The Grand Tour“ und „Clarkson’s Farm“ arbeitete. Laut einer Pressemitteilung soll Whelan nun die Rolle als strategischer Leiter des „KI-Talent-Studios“ Xicoia übernehmen und den Ausbau der Marke Tilly Norwood und eines sogenannten „Tillyverse“ übernehmen.

An der Seite von Particle6-CEO Eline van der Velden soll Whelan eine digitale Welt aufbauen, in der Tilly Norwood zusammen mit weiteren computergenerierten KI-Figuren agieren kann. Das „Tillyverse“ ist als fortlaufend wachsendes Online-Universum konzipiert, in dem die KI-Charaktere zusammenarbeiten und ihre eigenen Karrieren vorantreiben. Wie das konkret aussehen soll, bleibt vorerst offen. Der Start ist noch für dieses Jahr vorgesehen.

Whelan soll nach Angaben des Studios nicht nur die erzählerische und strategische Ausrichtung von Tilly Norwood prägen, sondern auch neue proprietäre KI-Figuren entwickeln lassen. Darüber hinaus will Xicoia maßgeschneiderte digitale Talente für externe Auftraggeber produzieren. Van der Velden erklärte in einer Mitteilung, Whelan werde jede Ebene von Tillys Welt mitgestalten, ihren Humor und ihr Alltagsleben prägen und Karriereentscheidungen sowie die Interaktion mit dem Publikum auf unterschiedlichen Plattformen mitgestalten.

Während das Unternehmen von schnellem Wachstum spricht, kommt aus Hollywood scharfe Kritik. Die Figur Tilly Norwood ist vollständig computergeneriert, wird vom Studio aber als Schauspielerin positioniert. Genau das sorgt in der Branche seit Monaten für Widerstand. Die US-Gewerkschaft SAG-AFTRA stellte klar, Norwood sei keine Darstellerin, sondern das Produkt einer Software, die mit Arbeiten zahlreicher Profis trainiert worden sei – ohne deren Zustimmung oder Vergütung.

Die Organisation wirft den Machern vor, auf dieser Grundlage Arbeitsplätze zu gefährden und künstlerische Leistungen abzuwerten. Auch einzelne Filmschaffende äußerten öffentlich deutliche Ablehnung. Van der Velden wies die Vorwürfe bereits zuvor zurück. Digitale Figuren sollten reale Schauspielerinnen und Schauspieler nicht ersetzen. Vielmehr handele es sich um ein künstlerisches Projekt.

(joe)

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