Venedig Schwimmt im Geld: Goldrausch in der blauen Lagune

vor 7 Stunden 2

Ein Geldbad ist, so wusste schon Dagobert Duck, „wirklich sehr empfehlenswert, nicht nur bei Bankiersjucken“. Auch in Venedig scheint man seit einiger Zeit statt am Lido im Geld zu schwimmen. Schon jetzt Ende Juli spülte das 2024 eingeführte Tagesticket für Touristen dieses Jahr mehr als fünf Millionen Euro in die Stadtkassen.

Doch nun das. Trübsinn steht an in der „Heitersten“ und „Erhabensten“, „La Serenissima“ eben. Vielleicht dichten die berühmten Bänkelsänger ja sogar elegische Gesänge auf die „Diplomatie der Schönheit“, wie der Biennale-Präsident, Pietrangelo Buttafuoco, die Rückkehr Russlands zur Kunstbiennale verbrämte. Zwei Millionen Euro kostete diese ,Diplomatie. Denn wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, ist aufgrund der Teilnahme Russlands die EU-Förderung für die Kunstbiennale in Venedig offiziell eingestellt worden.

In Venedig heiratet auch ein Jeff Bezos gerne

Sehr wahrscheinlich, dass die Russen ihre Rückkehr mit Rubeln einkauften. Und selbst wenn nicht – keine Sorge, liebes Venedig. Irgendein Potentat findet sich doch immer. Dürfen es vielleicht Freunde vom Persischen Golf sein? Ein Flugzeug haben die Qataris zwar noch nicht verschenkt, jedenfalls nicht an euch. Aber eine „sozio-ökonomische Vereinbarung“ ist auch nicht übel: eine Finanzspritze, für die man denn auch „nur“ den ersten neuen Biennale-Länderpavillon seit dreißig Jahren springen lassen musste. Das war doch ein recht hübscher Handel und befestigt die alte Brücke zwischen Okzident und Orient, die der Stadt wahrlich noch nie geschadet hat.

Man ist aber weniger freigiebig derzeit in den Petrostaaten. Was musste Don Donald auch Feldherr spielen. Doch wiederum: Keine Sorge, liebes Venedig! Hat man denn umsonst die kunstvollste Kulisse der Welt? Hunderttausende zahlen, um eure „schmeichlerische Schöne“ zu sehen. Und wisst ihr noch, letzten Sommer? Da mietete man sie gar – oder doch zumindest beinah. In der Stadt der Liebe heiratet auch ein Jeff Bezos gern. Geld ließ er reichlich da. Ob es wohl bald wieder einen venezianischen Geheimschatz gibt, wie ihn einst Honoré de Balzac imaginierte?

All die epischen Untergangsgesänge vergangener Jahrhunderte könnt ihr jedenfalls getrost über Bord in den Canal Grande werfen. Gustav Ferdinand Kühne zum Beispiel. „Eingesargtes Leben“ war ihm Venedig, eine „prachtvoll beigesetzte Königsleiche, die der Fluch getroffen“. Welcher Fluch? „[Du] sollst wach bleiben, obwohl du schon todt bist, sollst, eine starre Mumie mit blinzelndem Auge, zusehen, wie dein Tod sich ausnimmt, dein Glanz verfällt und alle deine Herrlichkeit versinkt!“

Erfreulicherweise ist die Untote wieder zum Leben erwacht – sollte der sagenhaften Renaissance ihres Reichtums nicht der Klimawandel zuvorkommen. Dann freilich könnte es ein neues Atlantis geben. Bis dahin darf man ihren Unternehmungen gespannt entgegensehen. Ein Schnippchen hat die Adriastadt uns jedenfalls schon geschlagen: In Nolans Neuverfilmung der Odyssee dienen nicht etwa nur genuin griechische Bauten als Kulissen. Sondern auch: die venezianische Festung Methoni.

Gesamten Artikel lesen