„Es gibt keinen Weg, Spanien besonders schlecht zu behandeln.“ Zu dieser Feststellung sah sich Friedrich Merz am Ende seiner Washington-Reise veranlasst. Kurz bevor er das Flugzeug gen Berlin bestieg, wies der Kanzler also darauf hin, Drittstaaten könnten nicht ein einzelnes EU-Mitglied bestrafen. Die Handelspolitik – wer weiß das nicht? – liege in den Händen der EU.
Merz‘ Worte waren mehr ein Signal der Schadensbegrenzung an Madrid als ein Hinweis an Donald Trump. Während ihres Treffens wenige Stunden zuvor im Oval Office nämlich, vor Mikrofonen und laufenden Kameras, hatte Merz Trump dessen Wutausbruch gegen Spanien noch flankiert.
Wo Trump Madrid eine mangelnde Unterstützung im Krieg gegen Iran und zu geringe Verteidigungsausgaben vorwarf, bekräftigte Merz den zweiten Punkt. In der Sache hat der Kanzler völlig recht. Die sicherheitspolitische Trittbrettfahrerei Spaniens ist ein Ärgernis. Doch es kommt nicht nur darauf an, was ein Kanzler wie sagt, sondern auch darauf, wo und mit wem er es sagt. Zumal, wenn es sich um Trump handelt.
Der Nationalist Trump verachtet die EU. Er versucht, sie zu spalten, etwa indem er bilaterale deals versucht. Das ist weitgehend erfolglos, erfreulicherweise. Umso ärgerlicher ist Merz‘ Reaktion im Oval Office.
An anderer Stelle, etwa bei seinem Hinweis darauf, wie inakzeptabel die russischen Forderungen nach Gebietsabtretungen der Ukraine seien, hat Merz geschickt argumentiert. Am selben Ort, beim Antrittsbesuch in Washington im Sommer 2025, wies Merz Trump darauf hin, dass Russland Täter und die Ukraine Opfer sei. Merz macht sich eigentlich nicht klein vor Trump. Wohl genau deshalb respektiert Trump den Bundeskanzler mehr als andere und mehr als dessen beide Vorgänger.
Umso unverständlicher ist, warum Merz auf Trumps Wutrede gegen Spanien nicht umsichtiger reagierte. Es hätte gar keine Gegenrede sein müssen. Der nüchterne Hinweis darauf, dass ein Handelskrieg mit einem einzelnen EU-Staat jedweder Basis entbehrt, hätte genügt.
Dass Merz darauf öffentlich erst Stunden später hinwies, macht das Versäumnis offenbar. Donald Trump, der jede Schwäche anderer wittert, dürfte diesen deutschen Patzer genau registriert haben.

vor 10 Stunden
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