News des Tages: Fußball-WM, Donald Trump, Wladimir Putin, Russland, Google, Stechmücken

vor 2 Stunden 1

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1. Die WM dürfte ein Trump-Turnier werden

Heinrich Heine hatte zwar keine Ahnung vom Fußball, trotzdem ist dieser extrem spielfreudige Schriftsteller der Pate eines Fußballbegriffs. Heine veröffentlichte 1844 das Buch »Deutschland. Ein Wintermärchen«, viele Jahre später wurde »Sommermärchen« zur Bezeichnung für eine grandios gelungene Fußball-Weltmeisterschaft. Die aktuelle Titelgeschichte des SPIEGEL berichtet davon, dass Sportveranstaltungen im besten Fall einen Rausch der guten Laune auslösen können – und dass die in wenigen Tagen beginnende Fußball-WM der Männer zu großen Teilen in einem Land stattfindet, dessen Präsident Donald Trump die Feierstimmung stark bremsen dürfte. (Lesen Sie hier mehr .)

»Vieles deutet darauf hin, dass diese Fußball-WM ein Trump-Turnier wird«, schreiben meine Kollegen Simon Book, Jens Glüsing, Claus Hecking, Marc Pitzke und Thomas Schulz in der Titelstory. Die Fifa habe sich dem US-Präsidenten ausgeliefert. »Und dann sind da noch die Partnerländer: Mexiko, das Trump gern als von Drogenkartellen regierte Bananenrepublik beschimpft. Kanada, das er zum 51. Staat der USA machen will.«

Kaum Chancen auf ein Sommermärchen also? Konflikte scheinen vorprogrammiert. Vor den Stadien könnte ICE pa­trouillieren, die gefürchtete Einsatztruppe des US-Heimatschutzministeriums, vielen Fans dürfte ein Trip in die USA als zu teuer oder zu riskant erscheinen. »In Washington gibt es nicht wenige politische Beobachter, die den Tumult um die WM mit Häme verfolgen«, schreiben meine Kollegen. »Die ganze Welt schaut zu, wie die USA das größte Sportereignis des Jahres in den Sand setzen? Nur ein weiterer Beweis, dass der Präsident große Töne spuckt, aber nichts auf die Beine gestellt bekommt?« Andererseits: Vor den märchenhaft fröhlichen Olympischen Spielen 2024 in Frankreich war die Stimmung auch dort miserabel.

2. Putins Machtbasis bröckelt nicht

Erinnert sich noch irgendwer an Donald Trumps oft wiederholtes Wahlkampfversprechen, er werde den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine innerhalb kürzester Zeit beenden? Im fünften Jahr des Krieges scheint Wladimir Putin keineswegs beeindruckt zu sein von dem, was Trump und die USA bisher für eine Beendigung des Krieges getan haben, in Russland aber wächst die Kriegsmüdigkeit. »An der Front in der Ukraine bleiben größere Erfolge aus, zuletzt machte Kyjiw Geländegewinne«, berichtet meine Kollegin Ann-Dorit Boy. »Gleichzeitig ist die Stimmung in Russland durch die umstrittene Sperrung des beliebten Messengerdienstes Telegram und Abschaltungen des mobilen Internets belastet.« (Hier mehr dazu. )

Russische Experten äußern nun erstmals öffentlich Zweifel am Krieg. Die Boulevardzeitung »Moskowski Komsomolets« etwa berichtete, dass die Fachleute gespaltener Meinung darüber seien, wie es mit der sogenannten militärischen Spezialoperation in der Ukraine weitergehen solle. Es gebe das Lager derjenigen, die bezweifelten, dass Russland in der Ukraine noch etwas ausrichten könne, und die anderen, die überzeugt seien, der Kreml könne seine Maximalziele im Nachbarland noch erreichen.

»Öffentliche Diskussionen über die Fortführung des Krieges hat es in Wladimir Putins repressivem Staat bisher nicht gegeben«, so meine Kollegin. Sie könnten Belege dafür sein, dass der Kreml zunehmend unter Druck gerät. Die russische Wirtschaft ist im ersten Quartal dieses Jahres geschrumpft. Von Ann-Dorit befragte Beobachter des russischen Systems sehen aber keine ernsthafte Bedrohung für Putins Macht. »Gefährlich werden könnten Putin nur die sogenannten Siloviki, Mitarbeiter des Sicherheitsapparats. Es gebe aber keinerlei Anzeichen dafür, dass diese ihm gegenüber nicht mehr loyal seien.«

3. Die Fortpflanzung gefährlicher Mücken soll blockiert werden

Ratten und Giftschlangen sind bei Menschen nicht besonders beliebt, aber für mich gehört Stechmücken der Spitzenplatz in der Hitliste der abscheulichen Lebewesen. Meine Kollegin Alina Schadwinkel berichtet heute darüber, dass der US-Techkonzern Google in den USA nun Mücken mit 64 Millionen Mücken bekämpfen will. (Hier mehr .)

»Stechmücken übertragen die Erreger gefährlicher Krankheiten wie Malaria, Dengue, Zika, Chikungunya und Gelbfieber. Sie infizieren Schätzungen zufolge jährlich bis zu 700 Millionen Menschen, von denen mehr als eine Million sterben«, berichtet meine Kollegin. Durch Klimawandel, Globalisierung und Urbanisierung breiteten sich Mücken weltweit in neue Regionen aus. Genau die besonders riskanten Mücken wolle Google mit seinem Projekt »Debug« treffen: »Das Unternehmen hat bei der US‑Umweltbehörde EPA beantragt, Millionen mit Bakterien besiedelte Mücken freizusetzen – im ersten Jahr bis zu 16 Millionen in Florida, anschließend weitere 16 Millionen in Kalifornien und im zweiten Jahr dieselbe Menge noch einmal.«

Die Idee der Debug-Forschenden: Sie züchten die für Krankheiten verantwortlichen Mücken in Fabriken und statten sie mit einem Bakterium namens »Wolbachia« aus. Die Mückenmännchen werden mithilfe von künstlicher Intelligenz aussortiert und gezielt freigesetzt. Das Wolbachia-Bakterium in den Mückenmännchen hindert diese nicht daran, wild lebende Weibchen ohne Wolbachia zu finden und sich mit ihnen zu paaren – aber es verhindert Nachkommen. »Bisherige Versuche zeigen«, so Alina, »es braucht ein Heer unfruchtbarer Mücken, um die eigene Art niederzuringen. Wenn die veränderten Männchen ihre wild lebenden Artgenossen zahlenmäßig deutlich übertreffen, paart sich der Großteil der Weibchen mit ihnen, Nachwuchs bleibt aus.«

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Hisbollah lehnt Waffenruhe mit Israel ab: Einer zwischen Israel und Libanon vereinbarten Waffenruhe hat die Hisbollah eine Absage erteilt. Das Abkommen sei ein »Fahrplan zur Zerstörung eines Teils des libanesischen Volkes und zur Unterwerfung des übrigen Teils«.

  • Deutsche Kürzung von Asylleistungen rechtswidrig: Einem Asylsuchenden, der abgeschoben werden sollte, wurden 2022 Leistungen für Kleidung und Haushaltsprodukte gekürzt. Der Schritt verstieß gegen EU-Recht, das hat nun der Europäische Gerichtshof befunden.

  • Obduktion von Buckelwal hat begonnen, der Kadaver wurde aufgeschnitten: Vor rund drei Wochen wurde der Kadaver des mehrfach in der Ostsee gestrandeten Wals vor der dänischen Insel Anholt angespült. Nun hat die Untersuchung begonnen.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Szene im Garten eines Pflegeheims in Düsseldorf

Szene im Garten eines Pflegeheims in Düsseldorf

Foto:

Kai Kitschenberg / Funke Foto Services / IMAGO

Höhere Beiträge, weniger Leistungen – so teuer wird die Pflege für die Bürger: Gesundheitsministerin Warken muss Milliarden sparen, sie plant harte Einschnitte für Pflegebedürftige und Angehörige. Für einen Teil der Beitragszahler soll es deutlich teurer werden. Auf wen was zukommt: der Überblick .

Was heute weniger wichtig ist

Foto: Sam Navarro / IMAGN IMAGES / Reuters

Leselampenfieber: Der US-amerikanische Schauspielstar Tom Holland, 30, ist nach eigener Auskunft zwar ein guter Leser, aber ein sehr schlechter Vorleser. Er habe jede Anfrage abgelehnt, als Gastgeber der legendären US-Sendung »Saturday Night Live« aufzutreten, weil man in dieser Rolle von Stichwortkarten vorzulesen habe. Selbst gemeinsame Drehbuchlesungen mit anderen Film-Mitspielern fielen ihm wegen seiner Dyslexie schwer: »Es ist wie eine mentale Blockade.«

Von der Website der »Rheinischen Post«, rp-online.de

Von der Website der »Rheinischen Post«, rp-online.de

 »Wenn Sie Budget einsparen wollen, Herr Wüst, können Sie auch einfach Herrn Merz’ Garderobe auftragen.« Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Debatte über Kanzlertausch: »Wenn Sie Budget einsparen wollen, Herr Wüst, können Sie auch einfach Herrn Merz’ Garderobe auftragen.« Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Leonard Riegel / DER SPIEGEL

Und heute Abend?

Könnten Sie sich den Kinoklassiker »Kap der Angst« ansehen. Entweder in der genialen Version von 1962 mit Robert Mitchum und Gregory Peck oder in der nicht ganz so tollen von 1991 mit Robert De Niro und Nick Nolte.

 Endlich wieder Psycho

Darsteller Bardem in »Kap der Angst«: Endlich wieder Psycho

Foto:

Hopper Stone / Apple TV+

Beide Filme sind nach Meinung meines Kollegen Oliver Kaever besser als die Serie »Kap der Angst« mit Javier Bardem, Amy Adams und Patrick Wilson, die morgen bei Apple TV startet. Die Serie hat zehn Folgen, jede ist über 45 Minuten lang. Das, so findet Oliver, »strapaziert selbst das genialste Ausgangsmaterial«. (Lesen Sie hier seinen Text .)

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort

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