Ende Juli und Anfang August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.
1. Merz’ Fehleinschätzung
Bundeskanzler Friedrich Merz
Foto:Michael Kappeler / dpa
Alles begann mit einem Baby, das kann man sich heute kaum noch vorstellen: Jens Spahn trat als Fraktionschef der Union im Bundestag ab, nachdem er und sein Ehemann mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden waren; zuvor hatte Spahn diesen Weg politisch abgelehnt.
Nun, keine zwei Wochen später, hat die Fraktion den bisherigen Kanzleramtsminister Thorsten Frei zu Spahns Nachfolger gewählt – und Kanzler Friedrich Merz nutzte die Gelegenheit zu einer überraschend umfassenden Kabinettsumbildung. Am Mittag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unter anderem dem bisherigen Verkehrsminister Patrick Schnieder seine Entlassungsurkunde ausgehändigt. (Lesen Sie hier mehr dazu.)
Doch mit der Art und Weise der Rochade hat Merz politisch mehr verloren als gewonnen. Der Kanzler unterschätzte offenbar, welcher Sturm der Entrüstung ihm aus den Heimatbundesländern des geschassten Verkehrsministers oder auch des entlassenen Parlamentarischen Staatssekretärs im Gesundheitsministerium, Tino Sorge, entgegenwehen würde. Merz mache »handwerkliche Fehler in Serie«, schreibt mein Kollege Roland Nelles in seinem Leitartikel, die Autorität des Kanzlers gerate ins Wanken (hier mehr dazu ).
Das Abstimmungsergebnis für Frei fiel mit 91,9 Prozent dennoch gut aus (hier mehr), »sogar sehr gut«, sagt mein Kollege Christian Teevs, der den Ausgang der Fraktionssitzung in Berlin verfolgt. »Das ist ein Zeichen, dass sich der Frust nicht gegen Thorsten Frei richtet«, analysiert Christian. »Die Abgeordneten unterscheiden zwischen ihrem neuen Fraktionschef und dem Kanzler: Sie wollten nicht den Falschen treffen.«
2. Verkauft Infantino die WM?
Fifa-Präsident Gianni Infantino
Foto:Claudio Thoma / KEYSTONE / picture alliance
Wenn ich an die jüngsten Fußball-Weltmeisterschaften zurückdenke, bleibt jeweils ein Störgefühl in der Erinnerung: 2018 in Russland, dem Land von Machthaber Putin, der damals bereits die Krim annektiert hatte. 2022 in Katar, mit den katastrophalen Bedingungen von Bauarbeitern in Stadien. Und diesen Sommer in den USA, Kanada und Mexiko – mit der Einflussnahme des Präsidenten Donald Trump auf die Rotsperre eines US-Spielers. Und den vermeintlichen Trinkpausen, die vor allem Werbepausen waren.
Fifa-Präsident Gianni Infantino treibt die Kommerzialisierung des Fußballs auf die Spitze. Nun plant der Funktionär, Anteile an künftigen Turnieren wie der WM an private Investoren zu verkaufen. »Es ist seine Mission geworden, Geldquellen aufzutun, wo immer er sie erahnt«, sagt mein Kollege Peter Ahrens (hier mehr dazu ). Als ein möglicher Investor gilt ausgerechnet Joshua Kushner – der Bruder von Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Vertrautem.
Mit einem Einstieg in die Fifa-Tochtergesellschaft würden Investoren unter anderem an den gewaltigen Fernseheinnahmen und Werbeerlösen der WM teilhaben. »Dieses Geld blieb bisher komplett im Verwertungskreislauf des Fußballs«, erklärt Peter. Kein Wunder also, dass Kontinentalverbände wie die Uefa nun aufmucken.
Infantino wiederum könnte sich selbst zum Geschäftsführer der neuen Tochtergesellschaft aufschwingen – wenn sie von der nötigen Mehrheit der Fifa-Mitglieder auf den Weg gebracht wird. »So könnte Infantino sein persönliches Gehalt deutlich steigern«, unkt Peter. In der Uefa diskutiert man mittlerweile eine Frage, die sich viele Fernsehzuschauer schon seit Jahren stellen: Muss man bei einem solchen Turnier wirklich dabei sein?
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Mehr Geld! Mehr! Noch mehr!
3. Das Chinaproblem der Industrie
BMW-Stand auf der Automesse IAA
Foto: Krisztian Bocsi / Bloomberg / Getty ImagesDie Autobranche ist der wichtigste Industriezweig Deutschlands – umso härter schlagen die Nachrichten dieser Tage ins Kontor: Bei BMW sollen 8000 Stellen wegfallen (mehr dazu), rund 9000 bei Porsche (hier mehr), bei VW sind gar bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr.
Die Konzerne haben ein Problem gemeinsam: »Sie haben unterschätzt, wie drastisch der Absatzmarkt in China und die dortigen Gewinne wegbrechen«, sagt mein Kollege Martin Hesse (hier mehr dazu ). Im einst wichtigsten Wachstumsmarkt der Industrie verlieren deutsche Hersteller massiv an Boden; der Trend geht klar in Richtung Elektro- und Hybridautos. Zugleich drängen chinesische Autobauer immer stärker nach Europa und in andere Märkte.
In der Folge können und wollen sich BMW und Co. nicht mehr so viele Gremien und komplizierte Entscheidungswege leisten – die vorher kaum ins Gewicht fielen, als die Zahlen noch stimmten. Entscheidend für die Zukunft ist, dass die deutschen Hersteller neue und bessere E-Autos auf den Weltmarkt bringen, analysieren Martin und unser Kollege Timo Schober. »Im besten Fall können die neuen Modelle den Abwärtstrend stoppen«, schreiben sie. »Umdrehen werden sie ihn wohl nicht.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Was hinter dem Stellenabbau bei BMW steckt – und was die Münchner trotzdem besser machen als die Konkurrenz
Mein Lieblingsinterview heute: Lohnt sich jetzt eine Klimaanlage?
Installation eines Klimageräts
Foto:Manuel Kamuf / imageBROKER / picture alliance
Hier in Brüssel wurden für heute Abend noch 30 Grad vorhergesagt, in deutschen Städten ist es kaum kühler. Da rüsten viele Menschen technisch nach: In unserer unmittelbaren Nachbarschaft hat der erste Haushalt schon ein Klimagerät in Betrieb genommen – mit einem weißen Schlauch, der etwas improvisiert aus dem gekippten Fenster baumelt. Eine andere Nachbarin beschwerte sich daraufhin über den Lärm des Apparats. Die einen wollen es kühl, die anderen leise.
Doch für wen ist eine Klimaanlage sinnvoll? Wie viel kosten die Geräte? Und ist ihr schlechter Ruf als Stromfresser berechtigt? Das hat mein Kollege Arno Makowsky den Bauingenieur Peter Schick gefragt (hier mehr dazu ), der Projektleiter bei der Stiftung Warentest ist.
Lesen Sie hier das Interview: Lohnt sich jetzt eine Klimaanlage?
Was heute weniger wichtig ist
Marc Cucurella mit dem WM-Pokal
Foto: Tom Weller / dpaArm dran: Der spanische Fußballspieler Marc Cucurella, 28, hat sich das Konterfei des Nationaltrainers Luis de la Fuente auf den linken Trizeps tätowieren lassen. Ein gewagter Stich, wenn man bedenkt, wie schnell Trainerkarrieren zu Ende gehen können. Doch Cucurella löste mit dem Tattoo ein Versprechen ein, nachdem Spanien Fußball-Weltmeister geworden ist. Nun prangt de la Fuente also mit Pokal in der Hand auf dem Oberarm des Verteidigers.
Deutschen Sportsfreunden wird Cucurellas Arm aus ganz anderem Grund in Erinnerung bleiben: Im Viertelfinale der Europameisterschaft 2024 zwischen Deutschland und Spanien flog ein Ball in der Verlängerung an die linke Hand des Lockenkopfs, doch es gab keinen Elfmeter für die DFB-Elf – eine Fehlentscheidung, wie die Uefa-Schiedsrichterkommission längst eingestanden hat. Bleibt die Frage, wer sich am Ende mehr ärgern wird: der damalige Schiedsrichter – oder Cucurella über seine Tätowierung.
»Promesa cumplida«, schrieb Cucurella auf Instagram: »Versprechen gehalten.«
Mini-Hohlspiegel
Aus dem »Kölner Stadt-Anzeiger«: »Ein Sonnenstich sei wiederum meist kein Notfall. Dieser sei an Kopfschmerzen, einem getöteten Kopf, Schwindel, Übelkeit und Nackensteifigkeit zu erkennen.«
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Thomas Plaßmann
Zehn verschiedene Entwürfe stehen zur Auswahl
Foto:EZB / DER SPIEGEL
Der Euro ist eine der größten Errungenschaften des vereinten Europas: Die gemeinsame Währung in 21 Staaten hat den nervigen Umtausch in spanische Peseten, italienische Lire oder griechische Drachmen überflüssig gemacht. Und entgegen allen Unkenrufen hat die exportorientierte Wirtschaft in Deutschland massiv vom Euro profitiert. Ein Austritt, wie ihn manche Radikale fordern, wäre ökonomischer Wahnsinn.
Bislang zeigen die Scheine imaginäre Brücken, Tore und Fenster. Doch nun überarbeitet die Europäische Zentralbank (EZB) die Banknoten grundlegend (hier mehr ) – und Sie können per Onlineabstimmung mitentscheiden, was auf dem künftigen Papiergeld zu sehen sein soll: Vögel oder historische Persönlichkeiten? Parlamentsgebäude oder Straßenmusik? Endgültig entscheiden will der EZB-Rat bis Ende des Jahres. Also nutzen Sie die Gelegenheit und geben Sie den Banknoten Ihre persönliche Note.
Das SPIEGEL-Abstimmungstool: Wie sollen die Euro-Scheine von morgen aussehen?
Die offizielle Abstimmung der EZB: https://surveys.ecb.europa.eu/10b/neweuro/
Ich wünsche Ihnen einen feinen Abend. Herzlich
Ihr Benedikt Müller-Arnold, Brüssel

vor 4 Stunden
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