News des Tages: Bonner Nordbrücke, AfD-Mitglieder horten Waffen, Trinkpausen beim Fußball

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1. Die alte Rheinbrücke ist nicht zu reparieren, eine neue soll 2028 fertig sein

Politikerinnen und Politiker bezeichnen sich in ihren Reden selbst gern als Brückenbauer, manchmal darf man das beinahe wörtlich nehmen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder von der CDU hat heute in Bonn bekannt gegeben, dass ein, wie es im Behördendeutsch heißt, »Ersatzneubau« die Bonner Nordbrücke über den Rhein ersetzen soll (hier mehr dazu). Die Autobahnbrücke war Anfang Juni aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt worden.

Dann prüften Experten, wie und mit welcher Technik sie die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben könnten. Nun sagte Schnieder, an der der linksrheinischen Vorlandbrücke sei der Schaden noch größer als angenommen. Die Brücke soll abgerissen werden. 2028 »gegen Ende des Jahres«, so der Minister, könnten die Bauarbeiten am Neubau abgeschlossen sein und Autos wieder drüberfahren.

Die Bonner Nordbrücke ist Teil der A565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. »Dass die 1967 errichtete Nordbrücke baufällig ist, steht schon lange fest«, berichteten meine Kollegen Steve Przybilla und Christoph Winterbach vergangene Woche, da tobte das Verkehrschaos schon (lesen Sie hier mehr ).

»Bereits im Jahr 2007 meldete der Landesbetrieb Straßenbau NRW, dass das Bauwerk generalüberholt werden müsse. Fast 20 Jahre lang wurde die Sanierung danach immer wieder verschoben. Mal war das Geld knapp, ein andermal hatten andere Projekte Vorrang.«

2. Offenbar horten viele AfD-Mitglieder Waffen

»Die gefährlichsten Waffen sind Menschen kleinen Kalibers«, hat der polnische Schriftsteller Wieslaw Brudzinski behauptet. Schusswaffen sollte man trotzdem fürchten. In Deutschland versuchen Waffenbehörden seit Jahren, Extremisten den Zugang zu Schusswaffen entweder zu verwehren oder ihnen die Erlaubnis zum Tragen einer Waffe wieder zu entziehen. In den Fokus geriet in den vergangenen Jahren die AfD. Viele Behörden halten ihre Mitglieder für Verfassungsfeinde.

»Die Innenminister der Länder beraten seit Monaten über die Entwaffnung von Extremisten», berichtet mein Kollege Fabian Hillebrand heute. »Eigentlich wollten sie sich längst auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und flächendeckend AfD-Vertreter entwaffnen. Bisher ist das nicht passiert.« (Lesen Sie hier mehr .)

Wie viele Waffen überhaupt im Besitz von Extremisten sind, zeigt nun eine Abfrage bei den Innenministerien, initiiert von der Kampagnenorganisation Campact. In Sachsen-Anhalt sind 56 AfD-Mitglieder mit Waffenbesitzkarte registriert. Der dortige AfD-Landesverband gilt laut Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem. In Baden-Württemberg besaßen 214 Extremisten eine waffenrechtliche Erlaubnis. Wie viele davon bei der AfD sind, ist nicht erfasst. In Mecklenburg-Vorpommern entfallen auf 70 Rechtsextreme 398 Waffen – im Durchschnitt mehr als fünf pro Person.

Ein Grund dafür, dass die Entwaffnung der AfD nur langsam vorankomme, seien unterschiedliche Gerichtsentscheidungen, schreibt Fabian. »So hat etwa das Verwaltungsgericht Gera erst Anfang 2026 entschieden, dass die bloße Mitgliedschaft in der AfD nicht ausreicht, um Waffenbesitzern ihre Waffen zu entziehen oder eine Waffenbesitzkarte vorzuenthalten.«

3. Die Trinkpause ist besser als ihr Ruf

Fußballfans kann man es praktisch nie recht machen, derzeit beschweren sich viele über die Trinkpausen bei der WM. Die werden für Werbeeinblendungen genutzt, was viele Menschen stört. Sie sind aber aus gesundheitlichen Gründen grundsätzlich sinnvoll. Das sollte eigentlich den allermeisten deutschen Fußballfans einleuchten, angesichts der heute gemessenen Temperaturen haben hoffentlich auch sie an diesem Freitag viele Trinkpausen eingelegt – in Köln und Stuttgart waren es über 33 Grad und in Berlin über 34 Grad Celsius, wie Sie hier auf dem SPIEGEL-Hitzemonitor verfolgen können .

Meine Kollegin Annika Schultz hat sich mit einem Sport- und Pausen-Fachmann darüber unterhalten, welchen taktischen Einfluss die Trainer in den Trinkpausen nutzen können. André Henning ist Trainer der Hockey-Nationalmannschaft der Männer und weiß aus Erfahrung, welche Vorteile der neue Viervierteltakt hat (hier mehr ).

Im Hockey wurde vor sieben Jahren die Spielzeit von zweimal 35 Minuten auf viermal 15 Minuten umgestellt. Zwischen den Vierteln gibt es zwei Minuten Pause.

»Die Spieler sind körperlich am Limit und emotional aufgewühlt«, sagt Henning über die Trainerarbeit mit dem Team in den Pausen. »Man sollte nicht glauben, dass man in zwei Minuten ein komplexes neues System erklären kann.« Ein wenig Ordnung schaffen könne man aber schon. Mannschaften, die sportlich gerade wackeln, profitierten stärker von den Unterbrechungen.

Mein Lieblingsgespräch heute: »Keith ist nicht online. Er hat keine E-Mail. Ich muss zu ihm fahren und es ihm vorspielen«

Meine Kollegen Andreas Borcholte und Philipp Oehmke haben Mick Jagger zum SPIEGEL-Gespräch getroffen, wofür sie von vielen Menschen beneidet werden dürften – von mir jedenfalls sehr, obwohl ich die Beatles lieber mag als die Rolling Stones. Philipp und Andreas haben einen zugewandten, freundlichen Mann erlebt. »Jagger erkundigt sich genau nach den Vornamen seiner Interviewer und lehnt sich in seinem Stuhl nach vorn«, berichten die Kollegen. »Seine einst ikonischen Lippen haben sich mit dem Alter zurückgebildet.«

Musiker Jagger

Musiker Jagger

Foto:

Thea Traff / The New York Times / Redux / laif

Meine Lieblingsstelle im Gespräch? Über eine zufällige Begegnung mit Paul McCartney bei Aufnahmen im Studio in Los Angeles sagt Jagger: »Paul und ich sind immer gut miteinander klargekommen. Er ist eine sehr easygoing person. Wir haben dann in derselben Woche zwei Songs zusammen aufgenommen.« Und Jagger lobt: »Paul hat als Bassist eine unglaubliche Bandbreite. Ich hatte vorher nie wirklich mit ihm als Bassspieler zusammengearbeitet. Aber ich muss sagen, er ist ein wirklich großartiger Bassist.«

Was heute weniger wichtig ist

Foto: Christopher Polk / Billboard / Getty Images

Doppelte Popstar-Identität: Olivia Rodrigo, 23, US-amerikanische Entertainerin, betrachtet ihr privates Ich und ihr professionelles Ich als getrennte Identitäten. In einem Interview mit Apple Music und Zane Lowe berichtete die Sängerin, sie habe früh in ihrer Karriere gelernt, »wie wichtig es ist, die Olivia, die meine Freunde und meine Familie kennen, von der Olivia zu trennen, bei der jeder das Gefühl hat, eine Meinung über sie haben zu können«.

Mini-Hohlspiegel

Bildunterschrift auf SPIEGEL.de: »Am 32. Mai entscheiden die Bürger, ob sie eine Olympia-Bewerbung ihrer Stadt wollen.«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann

Darsteller Navarrette, Johnston in »Obsession«

Darsteller Navarrette, Johnston in »Obsession«

Foto:

Focus Features / Universal Pictures

Könnten Sie sich den Horrorfilm »Obsession« im Kino ansehen. Er erzählt auf raffinierte Weise von einer mordenden Frau, hat schon fast 300 Millionen Dollar eingespielt und ist Anlass einer Diskussion über Frauen- und Männerrollen im wirklichen Leben. »Im Kern der Debatte geht es um die Frage, wessen Opfer der Protagonist von ›Obsession‹ eigentlich ist: das seiner Freundin Nikki, die sich von einer Traumfrau zum Monster entwickelt?«, schreibt mein Kollege Lars-Olav Beier über den Film (hier mehr dazu ). »Oder das seines Wunschs, Nikki nur für sich zu haben und sie sich gefügig zu machen, notfalls gegen ihren Willen? Oder ist vielleicht in erster Linie Nikki das Opfer, die sich in einen komplett anderen Menschen verwandelt?« Es gebe im modernen Horrorfilm immer wieder Frauen oder weibliche Roboter, die sich wehren und gegen die Rollen aufbegehren, die Männer ihnen zuweisen. Denn, so mein Kollege: »Das Genre erzählt auch von weiblicher Selbstermächtigung.« (Hier die ganze Rezension .)

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort

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