Zuschauer nutzten das Spiel Iran gegen Neuseeland für politischen Protest. Zur Nationalhymne ertönten Pfiffe. Irans Justiz will offenbar rechtliche Schritte einleiten.
Quelle: DIE ZEIT, dpa, vsp 17. Juni 2026, 1:10 Uhr
Der Iran will einem Bericht zufolge gegen iranische Fußballfans vorgehen, die beim WM‑Spiel gegen Neuseeland regimekritische Slogans gerufen und die Nationalhymne missachtet haben sollen. Iranische Behörden hätten bereits »eine erhebliche Zahl« dieser Fans identifiziert, meldete das dem iranischen Sicherheitsrat nahestehende Nachrichtenportal Nour News. Gegen sie würden nun rechtliche Schritte eingeleitet und Strafen verhängt.
Unter anderem drohe den regimekritischen Fans die Beschlagnahmung ihrer Vermögenswerte im Iran, meldete Nour News auf Telegram. Die Justiz wolle auch bei den nächsten beiden WM‑Gruppenspielen der iranischen Nationalmannschaft gegen die »Störenfriede« rechtliche Schritte einleiten und ähnliche Strafen verhängen.
Das Spiel gegen Neuseeland in der Nacht zum Dienstag war das WM-Auftaktspiel für Irans Nationalelf. In dem riesigen Stadion in Los Angeles versammelten sich auf den Zuschauertribünen Anhänger und Gegner der iranischen Regierung. Einige nutzten Banner und Slogans, um politische Botschaften zu senden.
Laute Pfiffe zur iranischen Nationalhymne
Zu sehen waren sowohl die aktuelle iranische Fahne als auch die ältere aus der Zeit vor der Islamischen Revolution. Letztere ist mit dem Symbol eines Löwen und einer Sonne geschmückt und gilt als Symbol der iranischen Opposition, die in der südkalifornischen Diaspora viele Anhängerinnen und Anhänger hat. Die Fifa ist per Gerichtsbeschluss berechtigt, die alte Flagge einzuziehen, was während des Spiels mehrfach geschah. Während der iranischen Nationalhymne waren zudem laute Pfiffe zu hören. Einige Fans senkten demonstrativ ihre Daumen als Zeichen der Ablehnung.
Oft fotografiert wurde zudem ein Banner mit der Aufschrift »42.000 #IranMassacre«. Die Botschaft wurde als Hinweis auf die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Teheran Anfang des Jahres mit Tausenden Toten verstanden. Eine andere Kleingruppe zeigte ein Plakat mit der Aufschrift »Minab168« – eine Anspielung auf die 168 Toten des Bombenangriffs auf eine Mädchenschule im Süden Irans am 28. Februar. Medienberichten zufolge sollen US-Streitkräfte für den Angriff auf die Schulkinder verantwortlich sein.

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