Extremwetter in den USA: Das Märchen von den klimasicheren Regionen

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Die Amerikaner sind Feuer- und andere Naturkatastrophen in vielen Regionen gewöhnt, ob sie diese nun dem Klimawandel zuschreiben oder nicht. Angesichts der verheerenden Waldbrände in Spanien, Frankreich und Portugal liegt die Frage nahe, was sich von den USA in Sachen Anpassung lernen ließe, und sei es aus amerikanischen Fehlern. Das betrifft nicht nur Katastrophenschutz und Baumaßnahmen, sondern auch das Phänomen der Binnenwanderung. Beobachter sprechen mittlerweile von Klimamigration, auch wenn sich die Effekte der Erderwärmung nicht immer von „normalen“ extremen Wetterereignissen abgrenzen lassen werden.

Innere Wanderungsbewegungen aufgrund von Feuern, Fluten und Stürmen beschrieb etwa der Journalist Jake Bittle vor drei Jahren in seinem Buch „The Great Displacement“, andere Autoren folgten. Diese Binnenmigration beginnt oft nicht mit einem Umzug in eine vermeintlich sichere Region, sondern als Evakuierung. Nach einem Hurrikan oder Waldbrand verbringen viele Menschen Monate bei Verwandten oder Freunden, in der Hoffnung auf Rückkehr. Doch immer öfter steht am Ende der dauerhafte Verlust der Heimat.

Staatliche Hilfe ist mangelhaft

Zwischen 2008 und 2024 registrierten die Behörden rund 22,3 Millionen zeitweilige oder dauerhafte Umzüge aus Gründen, die mit dem Wetter oder Naturkatastrophen zusammenhingen. Die Zahl erfasste vor allem Evakuierungen, aber nicht ihre Dauer. Eine Befragung von 2022 und 2023 kam auf 3,1 Millionen Betroffene. Davon kehrten Schätzungen zufolge insgesamt eine Million Menschen mehr als sechs Monate nicht mehr oder nie an ihre Heimatorte zurück.

 ein Paar vor dem Eintreffen von Tropensturm EtaMiami Beach ist nicht immer ein Paradies: ein Paar vor dem Eintreffen von Tropensturm EtaWilfredo Lee

Für etwa ein Drittel der Menschen, die wegen extremer Wetterereignisse oder -bedingungen umziehen, ist das also kein kurzer Ausnahmezustand. In den USA endet die finanzielle Nothilfe allerdings nach wenigen Wochen. Dann entscheiden Ersparnisse, Versicherungen oder ein zweites Zuhause darüber, wer sich stabilisieren kann. Viele Menschen bleiben in Motels, Obdachlosenheimen, beschädigten Häusern oder bei Angehörigen.

Forscher fanden Hinweise darauf, dass die meisten „Klimamigranten“ nicht weit ziehen. Eine Studie zu staatlichen Aufkäufen gefährdeter Häuser ergab etwa, dass fast drei Viertel der Betroffenen im Umkreis blieben. Die Abwanderung nach Wetterereignissen, die durch die Erderwärmung häufiger werden, führt häufig in ein höher gelegenes Viertel, in den Nachbarort oder die nächste Stadt.

Sichere Häfen gibt es nicht

Initiativen für bezahlbare Wohnungen in den Aufnahmegebieten können die Lage verbessern. Oft passiert aber genau das Gegenteil, wenn etwa in Miami bislang ärmere Viertel plötzlich attraktiv für diejenigen werden, die nicht mehr am Strand wohnen wollen. In den letzten Jahren bürgerte sich für die anschließende Verdrängung der Begriff „Klima-Gentrifizierung“ ein.

 Makler hatten die Stadt vorher als klimaresistent beworben.Asheville nach dem Hurrikan: Makler hatten die Stadt vorher als klimaresistent beworben.Mike Stewart

Vollkommen sichere Regionen, die manch einer schon als „climate havens“ bewerben wollte, gibt es Wissenschaftlern zufolge im Grunde nicht. Asheville in North Carolina etwa wurde vor einigen Jahren von Maklern als klimaresistent angepriesen und 2024 von Hurrikan Helene verwüstet; Staaten wie Vermont und Wisconsin erlebten schwere Überschwemmungen und Winterstürme. Und der Süden des Landes bleibt immer noch die am stärksten wachsende Region. Eine massenhaft nachweisbare Klimaflucht von dort aus gibt es also noch nicht.

Dennoch forschen Wissenschaftler bereits an Konzepten, um die Klimaanpassung durch Migration in der Zukunft besser zu organisieren. Die US-Kontrollbehörde GAO (Government Accountability Office) empfahl 2020 zum Beispiel Pilotprojekte für die Umsiedlung ganzer Gemeinden, die ihre kommunale Struktur so bewahren könnten. Eine andere häufige Forderung ist, die finanzielle und sonstige Unterstützung nach Katastrophen auch von Bundesseite auszubauen. Unter der Regierung von Donald Trump ist das nicht realistisch. Viele europäische Staaten sind den USA hier ohnehin voraus und würden das amerikanische Hilfssystem wohl eher als abschreckendes Beispiel behandeln.

Der Wissenstransfer in Sachen Klimaanpassung verläuft auch jetzt schon in beide Richtungen. Nach Hurrikan Sandy wandten sich New York und New Jersey an niederländische Fachleute; Konzepte von dort prägen den Schutz der U-Bahn und neue flutresistente Uferparks. Europa kann mit den USA also Technik und Know-how austauschen, von der Erfahrung mit Wanderungsbewegungen nach Katastrophen lernen und sich sozialpolitische wie strukturelle Mängel als warnende Beispiele vornehmen.

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