Auktion in Ahrenshoop: Am Leuchtfeuer der Künstler

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Ist das der Schlot einer Industrieanlage, der da neben einem Strommast in den Himmel ragt? Nein, es ist der Leuchtturm am Darßer Ort, dessen Feuer noch heute Schiffern bei ihrer Fahrt über die Ostsee Orientierung gibt. Der 1920 aus Berlin in die vorpommersche Boddenlandschaft gezogene Maler Hans Brass (1885 bis 1959) setzte den inzwischen ältesten in Betrieb befindlichen Leuchtturm Deutschlands 1931 mit neusachlicher Manier ins Bild.

Werk eines Suchenden

Sein Motiv lässt sich als Zeichen der Beständigkeit deuten; Brass selbst blieb dagegen zeitlebens nicht nur stilistisch ein Suchender. Im Kreis der Anerkannten des Kunstbetriebs kam er nie wirklich an, trotz einer frühen Ausstellung in Herwart Waldens Sturm-Galerie. Während der NS-Zeit als Avantgardist verfemt, in der DDR des Formalismus bezichtigt, malte er mal eher kubistisch, mal mehr konstruktivistisch, dann abstrakt expressiv oder figurativ. In seinem langjährigen Wahlheimatort Ahrenshoop, der ein paar Kilometer südwestlich der Halbinsel Darß liegt, erinnerte man sich an ihn vor allem als Bürgermeister und Mitgründer der nach wie vor bestehenden Buch- und Kunsthandwerkshandlung Bunte Stube.

 Hans Brass, „Leuchtturm Darßer Ort“, 1931, Öl auf Holz, 60 × 45 cmStartpreis 12.000 Euro: Hans Brass, „Leuchtturm Darßer Ort“, 1931, Öl auf Holz, 60 × 45 cmAhrenshooper Kunstauktion

Eine umfangreiche Schenkung aus Brass’ Nachlass an das Ahrenshooper Kunstmuseum, das dem Künstler im Frühjahr eine Einzelausstellung widmete, änderte das. Bei der am 1. August zum 52. Mal in Ahrenshoop stattfindenden Kunstauktion kommt nun sein Gemälde „Leuchtturm Darßer Ort“ zum Aufruf, taxiert auf 12.000 bis 16.000 Euro.

Preislich gehört es zur Spitzengruppe der knapp 200 Lose zählenden Offerte. Ebenso hoch bewertet ist das Gemälde noch ganz expressionistisch aufgefasster „Felsen am Meere“, die der rumänische Künstler Arthur Segal 1912 kurz nach einem Frankreichaufenthalt malte. Seine Verbindung zu Ahrenshoop und der dortigen Künstlerkolonie stellte die Malerin Dora Koch-Stetter her.

Als drittes Toplos geht mit einer Erwartung von 12.000 bis 15.000 Euro eine Kleinplastik in Bronze von Gerhard Marcks an den Start, der von 1929 bis 1946 im heutigen Ahrenshooper Ortsteil Niehagen lebte und arbeitete. Inspiriert von Impressionen hinter dem Deich könnte die „Sich niedertuende Kuh“ sein, entstanden 1949, gegen Ende der Tätigkeit von Marcks an der Landeskunstschule in Hamburg und kurz vor seinem Umzug nach Köln. Ein Exemplar von zehn aus der Gussserie wurde 2018 beim Auktionshaus Lempertz für knapp 30.000 Euro brutto verkauft.

 Gerhard Marcks, „Sich niedertuende Kuh“, 1949, Bronze, 26,5 × 48 × 13 cmTae 12.000 bis 15.000 Euro: Gerhard Marcks, „Sich niedertuende Kuh“, 1949, Bronze, 26,5 × 48 × 13 cmAhrenshooper Kunstauktion/VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Sammler mit einem Faible für Tierfiguren könnte auch ein 26 Zentimeter hoher „Reiher“ aus Bronze locken, den der auf Norderney geborene und nach seiner Ausbildung in München dort sesshaft gewordene Bildhauer Wilhelm Krieger um 1920 schuf. Anders als Marcks wurde der auf Fauna spezialisierte Krieger in der NS-Zeit nicht mit Berufs- und Ausstellungsverbot belegt, sondern war – von 1932 an mit NSDAP-Parteibuch ausgestattet –  während der Diktatur bei der jährlichen Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst vertreten. Die stilisierte Vogelfigur des Künstlers, der 1945 starb, soll 3600 bis 4800 Euro erlösen.

Der Gründervater und seine Frau

Das Licht über dem Wasser, die Weite des Horizonts und malerisch eingefangene Stimmungen der Natur beherrschen insgesamt wieder das Auktionsangebot, aktuell mit einer „Winterlichen Landschaft bei Ahrenshoop“ aus dem Jahr 1905 (Taxe 11.000 bis 14.000 Euro) von Paul Müller-Kaempff, dem Gründervater der Künstlerkolonie. Wie er vor Ort lebte, zeigt eine Ansicht des „Musikzimmers Ahrenshoop“ (950/1600), die seine Ehefrau Else Müller-Kaempff in Ölfarben festhielt. Es ist ein ebenso lichtes wie kaiserzeitlich zugestelltes Interieur mit gardinenverhangenem Ausblick ins Freie, dem sich die Malerin 1918 entzog, als sie wieder eine Wohnung in Berlin anmietete – fürs Erste und auf Jahre allein.

Ein stetes Kommen und Gehen, wechselhaft wie der Wind, ist die Konstante am Seebad Ahrenshoop. Die Kunstauktion bildet es ab, auch mit zahlreichen Grafiken. Die teuersten Blätter stammen wieder von Lyonel Feininger, der nur wenige Bleistiftlinien brauchte, um 1912 eine „Meereslandschaft mit Schiff am Horizont auf ein Blatt Papier zu werfen (5000/8000).

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