Zinsentscheid: Erhöht die US-Notenbank die Zinsen? Unberechenbare Fed macht die Märkte nervös

vor 8 Stunden 3

Frankfurt. Diese Situation ist ungewohnt für Anleger und Investoren: Bis zum letzten Moment bleibt offen, ob die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen erhöht. Den Terminmärkten zufolge stehen die Chancen dafür bei bis zu 40 Prozent, während die meisten Beobachter eine verlängerte Zinspause prognostizieren.

Mit der offiziellen Bekanntgabe des Zinsentscheides am Mittwochabend (20 Uhr deutscher Zeit) wird die Fed wohl für viel Bewegung an den Börsen sorgen. Anleger stehen ohnehin unter erhöhter Anspannung, weil parallel die Tech-Konzerne Microsoft und Meta die neuesten  Geschäftszahlen präsentieren – die ebenfalls die Märkte bewegen dürften.

Eine Zinserhöhung würde die Kurse der US-Aktienindizes voraussichtlich unter Druck setzen. Analysten müssen bei steigenden Zinsen ihre Gewinnprognosen für US-Konzerne absenken und Ökonomen ihre Wachstumsprognosen, weil Investitionen und Konsum auf Pump teurer werden. Investoren könnten zudem in festverzinsliche Wertpapiere umschichten, zulasten von Aktien.

Die Analysten der Bank of America können sich nicht erinnern, dass die Fed jemals ohne Vorwarnung die Leitzinsspanne erhöht hat. Doch diesmal sei es denkbar, dass sie die Investoren überrascht. „Die Märkte zeigen sich hinsichtlich Zinserhöhungen ausgesprochen nervös“, sagt Brendan Murphy von Insight Investment.

Fed-Chef Warsh grenzt sich von Vorgänger Powell ab

Der Grund hat einen Namen: Kevin Warsh. Mitte Mai hat der 56-Jährige an der Notenbankspitze Jerome Powell abgelöst und mit dem Stil seines Vorgängers gebrochen. Während Powell die Märkte behutsam auf Kurswechsel einstimmte, hat Warsh die Unberechenbarkeit zum Markenzeichen seiner Amtszeit erklärt.

Wir dachten, wir müssten die Märkte mit dem Löffelchen füttern. Kevin WarshUS-Notenbankchef

Als Warsh vor einem Monat beim Notenbankerforum der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra zu Gast war, erläuterte er sein geringes Mitteilungsbedürfnis so: Die Notenbanker neigten dazu, „die Märkte mit dem Löffelchen füttern zu müssen“. In Krisen sei das Vorgehen richtig gewesen. „In den jetzigen Zeiten ist es das nicht.“

Warsh will es den Marktteilnehmern wieder selbst überlassen, Schlüsse aus Daten zu Inflation, Arbeitsmarkt und Konjunktur zu ziehen. Investoren sollen also weniger an den Lippen der Notenbanker hängen, um die Entwicklung der Zinsen abzuschätzen. Warsh verspricht sich davon geringere Schwankungen an den Finanzmärkten.

Der Zinsentscheid an diesem Mittwoch wird der erste Realitätstest für die neue Ära, mit der Warsh die Fed von anderen großen Notenbanken abgrenzt. So sind Investoren und Analysten schon fünf Wochen vor dem nächsten Zinsentscheid der EZB überzeugt, dass die Leitzinsen in der Euro-Zone steigen werden.

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Für eine Zinserhöhung in den USA spricht, dass Warsh damit frühzeitig sein klares Bekenntnis zur Preisstabilität untermauern könnte. Die Inflation in den USA liegt seit fünf Jahren permanent über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Die inflationsgeplagten US-Bürger erwarten Umfragen zufolge keine Besserung. Außerdem könnte Warsh sich von US-Präsident Donald Trump emanzipieren, der unablässig niedrigere Zinsen fordert. Die US-Leitzinsen liegen derzeit in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent.

Andererseits ist die Inflation zuletzt etwas gesunken, und der Arbeitsmarkt zeigte sich nicht mehr ganz so stark. Ein weiteres Argument für eine längere Zinspause ist, die Ergebnisse von fünf Arbeitsgruppen abzuwarten, mit denen Warsh die Fed grundlegend neu ausrichten könnte.

Im Offenmarktausschuss, dem Beschlussgremium der Fed, machten sich zuletzt mehrere Notenbanker für Zinserhöhungen stark. Analysten rechnen deshalb mit Abweichlern, falls am Mittwoch keine Mehrheit für eine straffere Geldpolitik zustande kommt.

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