In einem offenen Brief hat sich Wolodymyr Selenskyj an Wladimir Putin gewandt. Der ukrainische Präsident bietet Putin direkte Friedensgespräche an.
Quelle: DIE ZEIT, dpa, yer 5. Juni 2026, 8:29 Uhr
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich mit Russlands Präsident Wladimir Putin treffen und direkte Friedensverhandlungen führen. In einem an Putin gerichteten offenen Brief schrieb Selenskyj: »Ich schlage Ihnen ein Treffen vor.« Es seien Anführer, die Schlüsselfragen klären müssten. Die USA seien mit dem Irankrieg beschäftigt, und es sei falsch, darauf zu warten, bis der Ukrainekrieg wieder in den Fokus gerate.
Der Brief wurde während einer Pressekonferenz Putins für internationale Journalisten im Rahmen des Wirtschaftsforums in St. Petersburg veröffentlicht. Als ersten Schritt schlug Selenskyj eine Waffenruhe entlang der jetzigen Frontlinie vor, die von den Vereinigten Staaten überwacht werden soll. Dem könne ein Gefangenenaustausch »aller gegen alle« und eine Rückkehr von Zivilisten und »während des Krieges verschleppten« Kindern folgen. An den Gesprächen sollten der Ansicht Selenskyjs nach zudem Vertreter Europas und der Vereinigten Staaten auch als mögliche Garanten beteiligt werden.
Selenskyjs Brief hat stellenweise einen drohenden Unterton. Früher hätten viele Menschen in der Ukraine Putin positiv gesehen. Jetzt sehe es die überwältigende Mehrheit der Ukrainer positiv, dass »unsere Langstreckendrohnen der Eröffnung Ihres Forums in St. Petersburg einen Besuch abgestattet haben«. Die Ukraine hatte am Mittwoch Ziele in St. Petersburg angegriffen. Die Drohnen hätten dabei mehr als 1.000 Kilometer zurückgelegt, schrieb Selenskyj. Und weiter: »Wie Sie sehr genau wissen, ist diese Entfernung nicht die Grenze dessen, wozu wir fähig sind.«
Selenskyj schließt Treffen in Moskau oder Kyjiw aus
Putin-Sprecher Dmitri Peskow ging vor Journalisten in St. Petersburg nicht auf den Inhalt des Briefes ein. »Präsident Putin hat gesagt, dass Selenskyj nach Moskau kommen könne, wenn er reden möchte«, sagte Peskow. Das hat Selenskyj bereits mehrmals abgelehnt. Auch im offenen Brief schließt er sowohl Moskau als auch Kyjiw als Verhandlungsorte aus und schlägt stattdessen die Schweiz, die Türkei oder die arabischen Länder als mögliche Gastgeber vor.
US-Präsident Donald Trump sagte im Weißen Haus als Reaktion auf Selenskyjs Brief, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyj käme.
Seit vergangenem Jahr drängt die US-Regierung Russland und die Ukraine zu einem Friedensschluss in dem seit 2022 andauernden Krieg. Russland hat dabei mehrfach einen Abzug ukrainischer Truppen aus den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk zur Bedingung gemacht. Die Ukraine lehnt einen solchen Gebietsverzicht ab.
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