Ich musste für dieses Rezept vier Stunden lang einkaufen. Nicht unbedingt, weil die Zutaten so wahnsinnig selten sind, sondern weil Städte nicht immer auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind, die in ihnen leben. Und sobald ein Supermarkt das gewünschte Produkt nicht vorrätig hat (damn you, Veggie-Hack!), kann es dauern, bis man den nächsten erreicht hat. Als mittelalter und mobiler Mensch mit einer durch den Job subventionierten Monatskarte für den Bus ist das noch recht einfach. Wer sehr jung oder alt, krank oder arm ist, steckt aber selbst in einer Großstadt schnell fest . Von der Kleinstadt oder dem Dorf gar nicht erst zu reden.
Forscherinnen und Forscher haben daher das städtebauliche Konzept der 15-Minuten-Stadt erdacht. Dabei geht es darum, alle relevanten Knotenpunkte des menschlichen Lebens, vom Späti über die Schule bis zum Sportzentrum, in 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichen zu können. In Zukunft soll es weniger konzentrierte Shoppingmeilen und -zentren geben, die extra mit dem Auto oder der Bahn angesteuert werden müssen. Und stattdessen mehr gemeinsame Orte, die Menschen eines Viertels miteinander in Kontakt bringen und zu Fuß angesteuert werden können. Wenn Fahrten vermieden werden können, spart das auch Ressourcen und Platz, der sonst für Parkflächen draufgehen würde. Das Gemeinschaftsgefühl wird gleich mit gesteigert, weil Menschen mehr Zeit in ihrem Viertel verbringen statt im Auto. Und die Luft ist auch besser.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Weil ja aber jeder Mensch andere Bedürfnisse und Wünsche dazu hat, was in 15 Minuten Laufweite wirklich unabdingbar erreichbar sein muss, gibt es Umfragen dazu. Wenn Sie Ihren Senf dazu abgeben möchten (und damit zukünftig Stadtplanerinnen helfen wollen, den idealen Lebensraum zu entwerfen), können Sie das zum Beispiel hier tun . Die Umfrage dauert weniger als 15 Minuten – in etwa so lang wie die Vorbereitungszeit unseres Rezepts, für das ich sooo lange einkaufen musste.
All der Ärger begann nämlich damit, dass ich Dumplings machen wollte, also Teigtaschen. Chinesisch inspiriert, genauer gesagt, geschmacklich angelehnt an die legendären Suppenknödel Xiaolongbao . Nur sind sie eben unfassbar schwierig in der Herstellung. Dankenswerterweise gibt es virale Internettrends, die aus fast denselben Zutaten Gerichte machen, die den Geschmack hinbekommen, ohne den Koch oder die Köchin in den Wahnsinn zu treiben.
Denn während man bei Xiaolongbao eine Teigtasche mit würziger Hacksuppe füllt (irre!), kann man auch einfach aus denselben Zutaten eine Lasagne machen, die genauso gut schmeckt. Oder: das Hack zu Bällchen formen, diese in der Pfanne anbraten und dann mit Gyoza- oder Wonton-Blättern bedecken und dann dämpfen. Diese »Bettdecken«-Dumplings sind ebenfalls ultralecker. Beide Varianten zeige ich Ihnen heute. Die Lasagne funktioniert besser mit echtem Fleisch, die Decken-Dumplings kann man auch prima mit Veggiehack zubereiten – allerdings besser mit den »rosa« Varianten, weil diese in der Pfanne nicht so schnell auseinanderfallen.
Übrigens: Inzwischen erkennt mich auch der Besitzer meines nächsten Asialadens wieder, wenn ich bei ihm einkaufe. Damit bin ich meiner gemeinschaftlichen 15-Minuten-Stadt schon ganz nah. Außer, dass ich 30 Minuten gehen muss, um ihn zu erreichen.
Das benötigt man für zwei Personen
Pilze und Kohl sind optional, die drei Kernsoßen Soja, Reisessig und geröstetes Sesamöl aber essenziell
Foto:Sebastian Maas / DER SPIEGEL
300 bis 400 g Hackfleisch (wenn Sie die Veggie-Variante machen: besser rosafarbenes als braunes Veggiehack kaufen und damit die Decken-Knödel zubereiten)
100 bis 150 g Wonton- oder Gyoza-Blätter (aufgetaut, gibts TK im Asialaden)
2 Lauchzwiebeln
je 2 EL Sojasoße, Reisessig, geröstetes Sesamöl
6 EL Wasser
2 Zehen Knoblauch
1 Stück geriebener Ingwer
1 TL weißer Pfeffer (gestrichen)
Optional: Pilze und Chinakohl, Chiliflocken, Schnittlauch, Chiliöl , Austernsoße, Shaoxing-Kochwein, Sesam
Was kostet das? Etwa drei Euro pro Person
Wie lange dauert das? Jeweils etwa 15 Minuten Vorbereitung, plus 40 Minuten Backzeit bei der Lasagne oder 15 Minuten Brat- und Dämpfzeit bei der Pfannenvariante
Gar es ohne Bares!
Sebastian Maas
Ein SPIEGEL-Buch: Das kreative Kochbuch für alle mit kleinem Geldbeutel und wenig Zeit
Verlag: Penguin
Seitenzahl: 240
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Preisabfragezeitpunkt 04.03.2026 16.56 Uhr Keine Gewähr
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Zubereitungsart 1: Dumpling-Lasagne
Ingwer und Knoblauch reiben, pressen oder fein hacken. Lauchzwiebeln waschen und fein hacken, ein paar grüne Ringe für die Deko aufbewahren. Den Rest mit dem Hack vermengen.
Sojasoße, Essig, Sesamöl und Pfeffer dazugeben, alles gut vermengen. Optional auch je einen Schuss Shaoxing-Wein und Austernsoße hinzugeben.
Optional: Wer Pilze oder Chinakohl hat, kann beides putzen und grob hacken. Das Gemüse fünf Minuten in der Pfanne anschwitzen.
In einer mittelgroßen, geölten Auflaufform (oder mehreren kleinen) abwechselnd Hack, Wontonblätter und die optionale Pilz-Kohl-Mischung aufschichten. Dabei nicht zuuu genau sein, wir machen heute Hausmannskost. Alles mit Wontonblättern abdecken, dann sechs Esslöffel Wasser in die Form geben.
Die Form mit Alufolie verschließen und im aufgeheizten Ofen bei 200 Grad etwa 40 Minuten backen.
Anschneiden, den Gargrad des Hacks überprüfen und bei Gefallen servieren. Mit den grünen Lauchzwiebelringen und einer Schale Sojasoße und Essig zum Dippen servieren, optional auch mit Sesam und Chiliöl.
Zubereitungsart 2: Decken-Dumplings
Ingwer und Knoblauch reiben, pressen oder fein hacken. Lauchzwiebeln waschen und fein hacken, ein paar grüne Ringe für die Deko aufbewahren. Den Rest mit dem Hack vermengen.
Sojasoße, Essig, Sesamöl und Pfeffer dazugeben, alles gut vermengen. Optional auch einen Schuss (ggf. vegane) Austernsoße hinzugeben.
Wer Pilze oder Chinakohl hat, kann beides putzen und grob hacken. Dann fünf Minuten in der Pfanne anschwitzen und herausnehmen.
Das Hack mit der Hand zu Bällchen formen und diese in der Pfanne von mindestens zwei Seiten bei hoher Hitze anbraten. Dann die Hitze herunterstellen und jedes Hackbällchen mit einem Wontonblatt bedecken. Die Pilz-Kohl-Mischung obendrauf geben.
Sechs Esslöffel Wasser und optional einen guten Schuss Shaoxing-Wein hinzugeben. Mit einem Deckel abdecken und gute zehn Minuten dämpfen lassen, eventuell nach der halben Zeit noch einmal Wasser nachgeben.
Mit den grünen Lauchzwiebelringen servieren, optional auch mit Sesam und Chiliöl. Eine Schale mit einem Mix aus Sojasoße und Reisessig zum Dippen daneben stellen.
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vor 3 Stunden
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