Paralympics 2026: Nur zwei Athleten pro Land - DBS-Ehrenpräsident Friedhelm Julius Beucher kritisiert Eröffnungsfeier

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Der Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher, hat das Konzept der Eröffnungsfeier von Verona kritisiert. »Hier geraten die Sportler in eine Alibi-Rolle«, sagte er dem Sport-Informations-Dienst.

Im Amphitheater von Verona sind offiziell aus Platzgründen nur zwei Athleten pro Nation zugelassen, aus den anderen Wettkampforten werden zudem aufgezeichnete Videos eingespielt. »Da fehlt ein Teil dessen, was sonst die Spiele ausmacht«, sagte Beucher. Er verstehe nicht, »warum man so eine Arena auswählt«, die nicht genügend Kapazitäten biete.

Bei der Feier werden keine Athletinnen und Athleten als Fahnenträger für ihre Länder auftreten. Stattdessen übernehmen Freiwillige diese Rolle, wie das Internationale Paralympische Komitee (IPC) der dpa mitteilte.

So sei es für alle Länder einheitlich. Viele Delegationen hätten wegen anstehender Wettkämpfe am folgenden Morgen keine Athletinnen und Athleten zur Feier entsandt, hieß es. Verona liegt mindestens drei Stunden von den Austragungsorten Tesero, Cortina d’Ampezzo und Mailand entfernt.

Ob Boykott oder Verzicht, die Eröffnungsfeier wird von Chaos dominiert

Über die Eröffnungsfeier wird ohnehin viel diskutiert. Die Ukraine hatte angekündigt, die Feier boykottieren zu wollen, weil Russland und Belarus wieder unter eigener Flagge an den Spielen teilnehmen dürfen. Die Ukraine verteidigt sich seit vier Jahren gegen eine russische Invasion, bei der Belarus als Verbündeter Moskaus gilt.

Auch Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, die Niederlande und Tschechien schicken keine Athleten und Athletinnen nach Verona. Ob das mit den zugelassenen Russen und Belarussen oder mit organisatorischen Gründen zusammenhängt, ist unklar.

Das deutsche Team verzichtet ebenfalls auf die Zeremonie. »Diese Entscheidung dient sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen«, hieß es in der Mitteilung.

Der DBS benutzte in der Pressemitteilung von Dienstag jedoch an keiner Stelle das Wort »Boykott«. Es sei ohnehin noch nicht entschieden gewesen, wer für Deutschland in das Amphitheater hätte einlaufen sollen, nun verzichtet das Team eben ganz auf den Einlauf der Nationen. Bereits aufgezeichnete Videos der Fahnenträger werden trotzdem gezeigt, Deutschland sei also bei der Feier präsent.

Der Verband übte in der Mitteilung erneut Kritik daran, dass Athleten und Athletinnen aus Russland sowie Belarus an den Spielen teilnehmen dürfen. »Der Beschluss der IPC-Generalversammlung im September 2025 und das Urteil des Cas beinhalteten ausdrücklich keine Verpflichtung, Startplätze an diese Nationen zu vergeben«, so der DBS.

Als Russland und Belarus wieder im Weltcup zugelassen worden waren, war der Qualifikationszeitraum für die Paralympics schon abgelaufen. Sechs russische und vier belarussische Sportlerinnen und Sportler erhielten aber eine Wildcard des IPC.

Teamoutfit der Ukrainer verboten

Wie am Dienstag außerdem bekannt wurde, darf die ukrainische Mannschaft bei den Spielen nicht in der geplanten Teamkleidung antreten. Darauf zu sehen ist eine Landkarte, die die Ukraine mit Grenzen von 1991 zeigt, also einschließlich der Krim und der von Russland besetzten Gebiete.

Das Internationale Paralympische Komitee verbietet ähnlich wie das Internationale Olympische Komitee politische Symbole auf Uniformen. Das IPC wertete die Uniform als politische Botschaft. Ein Kleidungsstück sei deswegen bereits vor einigen Monaten verboten worden, sagte IPC-Sprecher Craig Spende.

Der Chef des Ukrainischen Paralympischen Komitees, Walerij Suschkewytsch, sprach dagegen davon, dass die Kleidung innerhalb von 24 Stunden gewechselt werden musste. Er kritisierte das Verbot. Die Uniform sei »sehr schön, sehr symbolisch« gewesen.

Mit dem Verbot der Kleidung habe die Entscheidung des deutschen Teams aber nichts zu tun gehabt, hieß es vom DBS. Der Verband habe sich seit Kriegsbeginn immer wieder mit der Ukraine solidarisiert.

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